Eine Hommage an Denner-Chef Karl Schweri zum 100. Geburtstag

Der langjährige Denner-Besitzer Karl Schweri war ein aussergewöhnlicher Unternehmer. Eine posthume Würdigung des Mannes, der den Schweizer Detailhandel revolutioniert hat.

Vor hundert Jahren wurde Karl Schweri (1917–2001) geboren. Ein Vollblutunternehmer, der die Beschaulichkeit der Nachkriegs-Schweiz aufbrach wie der Vulkan den morschen Untergrund. Den schlappen Detaillisten Consum AG Denner sackte er in einer Blitzaktion ein. Mit Bierbaronen und Tabakfürsten duellierte er sich über Jahre und hielt Juristen und Bundesrichter auf Trab. Und die hohe Politik in Bern nervte er lustvoll mit immer neuen Volksinitiativen und Referenden. Eine Hommage an einen Unternehmer, wie es ihn im 21. Jahrhundert nicht mehr gibt, nicht mehr geben kann.

Ein Film der Denner AG, Copyright Denner AG, produziert von Signorell.

Alles für die Familie

Der Patriarch und der Enkel

Woran viele charismatische Unternehmensführer scheitern, ist Karl Schweri gelungen: die Regelung der Firmennachfolge innerhalb der Familie.

In jungen Jahren nennt er ihn Nonno – italienisch für «Grossvater» – und erinnert sich an einen Respekt einflössenden, etwas unnahbaren älteren Herrn. Kein Wunder, denn Karl Schweri ist 55 Jahre älter als sein Enkel Philippe Gaydoul, Sohn der ältesten Tochter Denise. Selten ist er da, für seine Enkelkinder ist Karl Schweri meist unsichtbar. An Familienfesten bekommen sie ihn eher selten zu Gesicht, öfter an Geburtstagen oder am Muttertag und fast immer an Weihnachten. Aus diesen gemeinsamen Stunden bleibt Nonno als spannender Erzähler in Erinnerung.

Irgendwann beginnt sich Philippe Gaydoul für die Arbeit seines Grossvaters zu interessieren und vielleicht ahnt der Junge auch schon, dass dieser wichtige geschäftliche Aktivitäten verfolgt und wohl deshalb wenig Zeit hat für seine Enkel.

Vollends bewusst wird ihm dies als Zwölfjähriger, im April 1984, als ihm an jedem Kiosk das Gesicht des Nonno entgegenlacht – Karl Schweri hatte es als Mann des Monats zum Coverboy des noch jungen Wirtschaftsmagazins «Bilanz» gebracht. Und wer dorthin aufsteigt, ist jemand in der Schweizer Wirtschaft. «Schwerinöter seiner Branche» titelten in diesem Falle die Heftlimacher, und in diesen Worten steckt auch ein Hauch von Bewunderung für eine unternehmerische Leistung.

Philippe Gaydoul über seinen Grossvater Karl Schweri.


Und was sagt der bereits im AHV-Alter stehende Patron in dem Artikel über seine Nachfolge? «Es ist durchaus möglich, dass von der nächsten Generation keine Nachfolge kommt», erklärt Schweri, «aber ich habe bereits neun Enkel, von denen dann sicher einer einst in den Konzern kommen wird.»

Dieser Eine ist Philippe Gaydoul. 21 ist er, als er das von der Handelsschule geforderte Praktikum bei Denner absolviert. Später schickt ihn Karl Schweri nach Conthey ins Unterwallis – dort hat gerade ein neuer Denner-Discount eröffnet. Dann darf der Youngster in Zürich eine Filiale leiten – weil dort die Inventurverluste besonders hoch sind.

Nach neun Monaten ruft der Grossvater den Enkel ins Chefbüro, meint: «Gut gemacht!», und zeigt auf die nächste Destination – eine Problemfiliale in Vevey VD. Und ein halbes Jahr später wird Philippe Gaydoul Regionalverkaufsleiter Zürich und damit Chef über 20 Filialen – hart erlernter Harddiscount.

Karl Schweri.

Philippe Gaydoul.

Immer öfter sieht er freilich auch die dunklen Ecken im Ladenimperium, wo der Blick des Patriarchen längst nicht mehr hinreicht. Da sind die angestellten Manager, die immer neue Artikel ins Sortiment aufnehmen. Das bringt dank Regalgebühren der Lieferanten Umsatz ohne Anstrengung, bläht aber das Sortiment auf bis zu 4000 Artikel auf. Schleichend bewegt sich der Harddiscounter in Richtung Supermarkt. Wochenaktionen, früher ein Dauerbrenner bei Denner, gibt es immer seltener, die Regale werden immer öfter statt mit Markenartikeln mit Eigenmarken aufgefüllt, und selbst bei der Qualität der Ware werden plötzlich preiswirksame Zugeständnisse gemacht. Denner verliert sein Gesicht, die Umsätze rasseln in den Keller.

An einem Montagmorgen des Jahres 1998 klingelt im Büro von Philippe Gaydoul das Telefon. Am Apparat ist Nonno, der sich nach dem Befinden des Enkels erkundigt. Daraus erwächst ein Disput über das Geschäft, über Sortimentsgrössen und Markenartikel, und am Schluss gibt Karl Schweri dem mittlerweile 26-jährigen Gaydoul freie Hand zu tun, was zu tun ist. Was der Enkel freilich nicht weiss: Es ist so etwas wie der letzte grosse Test.

Der 2. August 1998 ist ein Sonntag. Der mittlerweile über 80-jährige Karl Schweri sitzt in seinem Büro und arbeitet wie meist am Tage des Herrn. In der Agenda steht ein Treffen mit seiner ältesten Tochter Denise und deren Sohn Philippe noch vor dem Mittag. Als beide vor ihm sitzen, eröffnet ihnen der Patriarch: Ab Montag sei der Enkel als Delegierter des Verwaltungsrates und Vorsitzender der Geschäftsleitung neuer Chef der Denner AG. Er kenne die Firma und mache seine Sache gut. Nach zehn Minuten ist die Audienz beendet, und Karl Schweri, der seit 1987 fünf Topmanager verheizt hatte, hatte seine Nachfolge innerhalb der Familie geregelt. So wie er es seinerzeit in der «Bilanz» prophezeit hatte.

Die Passion für den Detailhandel

Der lange Weg zu Denner

Als die Zeit reif war und Karl Schweri das Preiskartell der Markenartikel-Produzenten zu Fall brachte, führte der Patron in der Schweiz den Hart-Discounter ein.

Karl Schweri ist ein Kriegskind. Als er am 31. März 1917 im aargauischen Koblenz zur Welt kommt, tritt gleichentags im fernen Washington der US-Kongress zu einer Sondersitzung zusammen. Und am Schluss der Debatte ist klar: Die USA ziehen gegen das wilhelminische Deutschland in den Krieg. Die Familie, in welche der Säugling hineingeboren wird, wird im Dorf nur ’s Schniderlis genannt, weil der Grossvater einst Schneider gewesen war. Der Bub wird auf Karl getauft wie sein Vater, der Kleinbauer und Metzger ist. Als Halbwüchsiger, erinnern sich betagte Koblenzer, soll sich Karl Schweri jun. auf dem Dorfplatz aufgepflanzt und lauthals seinen selbst ersonnenen Werbespot zum Besten gegeben haben: «Wenn d’ wottsch gueti Bluet- und Läberwürscht ha – de muesch zum Metzger Schweri gah!»

Lebensmittel und Werbung, ja selbst der Detailhandel – die Grossmutter hatte einen kleinen Kolonialwarenladen geführt – sind also auf dem Radar in diesem Leben. Da passt es auch, dass der junge Schweri nach einigen Semestern als Gasthörer juristischer Vorlesungen an der Uni Zürich und dem Aktivdienst im Militär ausgerechnet an der Metzgergasse 20, in der Altstadt von Aarau, seine erste Firma gründet. Aus dieser wächst noch vor Kriegsende die Aarauer Handelsgesellschaft AG, Karl Schweris erste Schaltstelle für den Lebensmittelhandel.

1946 übernimmt diese Firma die Consum AG Denner, eine schwindsüchtige Kette von 110 Tante-Emma-Läden, deren Wurzeln bis ins Jahr 1860 zurückreichen. Das Geld hatte er bei Investoren seiner Handelsgesellschaft eingesammelt, oftmals Lieferanten von Lebensmitteln, die nun in die neu erworbenen Denner-Verkaufsregale drängen. Das rächt sich: Als Karl Schweri diesen keine Vorzugspreise gewähren will, werfen die Lieferanten ihren Manager und Mitinhaber kurzerhand aus der eigenen Firma.

Vier Jahre später ist Karl Schweri zurück: Handstreichartig und heimlich reisst er über Strohmänner die Denner-Mehrheit an sich, serviert seine ehemaligen Partner ab und beginnt seine so erworbenen Läden auf eine neue Zeit auszurichten.

Der 100. Denner-Discount eröffnet in Mendrisio TI 1973. Rechts mit Sonnenbrille Karl Schweri.


In der Schweiz herrscht in den beginnenden 1960er-Jahren Hochkonjunktur, der Bau von Autobahnen zeugt von einer forcierten Motorisierung im Land, und Karl Schweri eröffnet 1961 in Thalwil ZH seinen ersten modernen, weil selbstbedienten Supermarkt. Der betulichen Rabattmärkli-Kultur der Schweizer Detailhändler setzt er einen knallharten Preiskampf entgegen, gewährt doppelten und dreifachen Preisnachlass und stürmt so lange, bis der mächtige Markenartikelverband Promarca im Jahre 1967 in die Knie geht und die Preisbindung bei Markenartikeln fallen lässt.

Darauf hat Karl Schweri gewartet. Im gleichen Jahr eröffnet er in Zürich-Altstetten seinen ersten Denner-Discount (DD) – drei Jahre später sind alle Läden auf dieses Konzept umgestellt.

Frauen stehen Schlange vor dem ersten Denner-Superdiscountmarkt der Schweiz, 1967.

Denner-Schaufenster 1939.

Denner-Schaufenster 1939.

Denner-Schaufenster 1939.

Denner Chef Karl Schweri, aufgenommen am 29. Januar 1970 in Genf in der fünfzigsten seiner Filialen, der ersten in der Westschweiz überhaupt.

Karl Schweri versucht den Zürcher KVZ zu übernehmen. Proteste auf der Strasse, 1971.

Ein Kunde durchstöbert in einer Denner-Filiale in Zürich die Regale, 1979.

Um die gleiche Zeit ist der kämpferische Händler noch auf ganz anderem Gebiet Pionier. Kaum haben die Männer in der Politik 1971 das Frauenstimmrecht beschlossen, macht Karl Schweri seine Pressechefin Helga Hnidek zur Direktorin – als eine der ersten Frauen in einem Schweizer Grossunternehmen. Später wird sie gar Konzernchefin. Mit der promovierten Theaterwissenschaftlerin aus Österreich verbindet Karl Schweri mehr als die Passion für den Detailhandel. Nach drei Jahrzehnten Ehe mit Antoinette Schweri, geborene Conrad, hat sich das Paar, als die Kinder flügge sind, auseinandergelebt. «Ein längeres Verhältnis», schreibt Karl Lüönd in der soeben erschienenen Schweri-Biografie, «verband ihn mit der jungen Helga Hnidek.» Und weiter: Die Beziehung «zerbrach, als sich Helga Hnidek dem Zürcher Ex-Stadtrat und Bankier Ernst Bieri zuwandte und diesen später auch heiratete. Diese Trennung habe Karl Schweri sehr verletzt. Helga Hnidek verliess Denner mit Stil. Zuvor sprach sie bei Antoinette Schweri vor und bat sie um Entschuldigung.»

Hochzeit in der Aktivdienstuniform: Antoinette Schweri, geborene Conrad; Karl Schweri, 1942.

Ehepaar Schweri mit ihren vier Kindern: (v.l.) René, Nicolas, Denise; Eliane (u.r.), 1968.

Der Patron mit seiner Direktorin: Karl Schweri, Helga Hnidek, 1972.

Gegen Bierbarone und Tabakfürsten

Kampf den Kartellen

Ein einziger Mann hat genügt, um in der Schweiz das Preisdiktat der Bierbarone und Tabakfürsten zu brechen. Das ist die historische Tat des Karl Schweri.

Will einer ein harter Discounter sein, braucht er vor allem eines: freie Hand bei der Preisgestaltung für seine absatzträchtigsten Produkte im Regal. Karl Schweri ist Ende der 1980er-Jahre der grösste Tabakverkäufer des Landes und Grossverteiler beim Gerstensaft. Logisch also, dass er die Preise von Zigaretten und Bier ins Visier nimmt.

Der Hosenlupf mit den im Bierkartell organisierten Bierbaronen beginnt im Herbst 1969. Denner kündigt an, Lagerbier weit unter dem Kartellpreis zu verkaufen. Bei den Brauern löst dies helle Aufregung und einen Boykott gegen Karl Schweri aus. Es folgt eine Orgie an Prozessen und Gegenprozessen bis hinauf vor Bundesgericht. Anfang der 1990er-Jahre, nach einem Vierteljahrhundert Kampf, siegt Karl Schweri – das Schweizer Bierkartell löst sich auf.

Grosses Kino produziert Denner auch mit den Tabakfirmen. Wieder geht es um Mindestpreise, diesmal jene des Tabakkartells, die Schweri vor dem Kadi anficht. Die sogenannten Denner-Tabakprozesse nehmen jedoch Jahre in Anspruch. In dieser Zeit verkauft der Discounter die Zigaretten zwar zum Kartell-Mindestpreis, drückt den Rauchern jedoch Tabakbons in Form von Warengutscheinen in die Hand, mit dem Versprechen, diese nach einem juristischen Sieg auch auszuzahlen. Dies geschieht tatsächlich im Jahre 1996 – nach zwanzigjährigem Fight gegen die Tabakbarone.

Mit Dumpingpreisen gegen die Bierbarone.

Mit Bons gegen die Tabakfürsten.

Mit der Zeit wird aus dem Kartellbrecher ein ausserparlamentarischer politischer Aktivist, der mit Initiativen und Referenden für bezahlbare Wohnungen, Teuerungsbekämpfung oder auch gesunde Ernährung den Schweizer Politbetrieb auf Trab hält. Themen also, von denen der Detaillist Karl Schweri kommerziell nicht zwingend profitieren kann.

Insgesamt sechs Volksinitiativen lanciert er – die Karl Schweri an der Urne allesamt verliert oder zurückzieht. Vier Referenden zeitigen jedoch Erfolg und positionieren die privatwirtschaftliche Denner AG als referendumsfähige Organisation im Konsumentenschutz.

Antiteuerungsinitiative, 1973.

Konsumentenschutzinitiative, 1984.

Das grosse Vorbild

Gottlieb Duttweiler

Der Migros-Gründer ist in der Tat eine grosse Figur im Detailhandel der Schweiz. Der um eine Generation jüngere Karl Schweri gehört aber mit der gleichen Berechtigung auf eine Stufe mit «Dutti».

Als Karl Schweri zarte 14 Jahre alt ist, schreibt der Teenager an Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler (1888–1962) einen Brief. Er möge doch, heisst es dort, den kleinen Kolonialwarenladen der Grossmutter mit preiswerter Migros-Ware beliefern. Das Schreiben muss irgendwo stecken geblieben sein, eine Antwort hat der Junge jedenfalls nie erhalten.

Dennoch bleibt Duttweiler zeitlebens ein Fixpunkt im Denken und Handeln des Händlers Karl Schweri. Es gibt diese unwidersprochene Legende, im Büro des jungen Karl Schweri habe jahrelang ein Bild des Migros-Gründers gehangen. Kennengelernt haben sich die beiden freilich nie – es trennen sie ein Vierteljahrhundert Lebensjahre. Und als Gottlieb Duttweiler 1962 stirbt und seinen Nachfolgern ein wohlbestalltes Firmenerbe übergibt, hat Karl Schweri gerade einmal ein Sammelsurium an Tante-Emma-Läden unter seine Kontrolle gebracht.

Dennoch sind sie aus ähnlichem Holz. Beide starten ohne wirkliche Ausbildung, mit geliehenem Geld und als Aussenseiter im schweizerischen Wirtschafts-Establishment. Und beide sind gesegnet mit Geschäftssinn und beseelt vom unbedingten Willen, nach oben zu kommen. Beide kämpfen sie gegen den ihnen feindlich gesinnten politisch-wirtschaftlichen Filz des Landes. Duttweiler geht in die Eigenproduktion, als ihn die Markenartikler boykottieren, und in die Politik, wo der Migros-Gründer sein rhetorisches Talent ausleben kann. Schweri bringt die Preisbindung der Markenartikler zu Fall und bekämpft die Kartelle mit eiserner Faust, meidet aber Politik und Parlamente – er weiss, dass er ein lausiger Redner ist.

Und beiden ist gemein, dass ihre Verdienste für die Konsumenten in diesem Land erst posthum wirklich gewürdigt werden. Erschiene heute ein neuer, junger und tatendurstiger Schweri auf der Bildfläche, er würde in seinem kleinen Büro wohl zwei Bilder an die Wand hängen: jenes von Gottlieb Duttweiler und daneben das Konterfei von Karl Schweri.

Gottlieb Duttweiler in seinem Büro um 1958.

Karl Schweri in seinem Büro, 1971.

Es ist der Enkel Philippe Gaydoul, der schliesslich zusammenführt, was wohl irgendwie zusammengehört: Ab dem Jahr 2007 verkaufen er, seine Mutter, die Tante und der Onkel ihre Anteile an der Denner AG in zwei Schritten an die Migros – «zu einem optimalen Preis», wie er sagt. Zunächst jedoch muss der Enkel die etwas in die Jahre gekommene unternehmerische Hinterlassenschaft des Nonno für das neue Jahrtausend fit trimmen. Mit ein paar Vertrauten bringt er das Konzept New Denner auf den Weg: aufgefrischte, aufgeräumte, ganz in die Farbe Rot getauchte Läden mit einer neuen Eigenmarkenlinie, begehrten Markenartikeln und modernen Zahlungssystemen. Das Erbe des Karl Schweri, über 600 Denner-Läden und Denner-Satelliten, war im neuen Jahrtausend angekommen. Und als die Migros im Jahre 2009 die letzte Denner-Aktie übernimmt, erwirtschaften die 3500 Mitarbeiter erstmals einen Umsatz von über drei Milliarden Franken.


Weggefährten über Karl Schweri

Christoph Blocher (SVP)

«Wir stimmten in vielem überein. Aber wir kamen einander nicht sehr nahe und blieben lebenslänglich per Sie. Indem Schweri nach allen Seiten Beziehungen pflegte und keine Berührungsängste zeigte, hat er mehr erreicht als Duttweiler, der eine eigene Partei gründete und damit automatisch alle anderen gegen sich hatte.»

Michael E. Dreher (Autopartei)

«Ihm gefiel unsere ganze Richtung: unsere freiheitlichen Standpunkte und unsere Skepsis gegenüber dem alles regulierenden und immer anmassender auftretenden Staatsapparat. Er hat uns unterstützt, indem er massiv in unserer Zeitung ‹Tacho› inserierte.»

Peter Bodenmann (SP)

«Schweri war ein richtiger Unternehmer, ein Opportunist, der mit allen auskommen wollte. Finanziell unterstützt hat Schweri zu meiner Zeit die SP nicht.»

Helmut Hubacher (SP)

«Schweri kam einem auf den ersten Blick als knallharter Manager entgegen, dabei war er privat fast schüchtern. In der Zürcher Elite war er nie angekommen, dafür hatte er seinen eigenen Bekanntenkreis. Wir waren öfter auf seinem Boot auf dem Zürichsee und landeten dann im Hotel Alexander. Dort waren Leute aus allen politischen Himmelsrichtungen dabei.»

Edwin A. Scherrer, Denner-Chef

«Karl Schweri war eine schwierige Persönlichkeit. Er konnte unheimlich stur sein, andererseits auch sehr unternehmerisch und anregend. Wer sich von Anfang an duckte, der hatte schon verloren, den demütigte er gnadenlos.»

Beat Curti, Konkurrent

«Versöhnung mit Karl Schweri – das gab es nicht. Er klagte einfach jeden an. Das war lästig und faszinierend zugleich. Ich war zwar sein Partner, aber ich blieb für ihn zugleich auch ein Feind.»


Denner wird an Migros verkauft: Philippe Gaydoul (links) und Herbert Bolliger, 2007.


Es ist ein Verkauf im Zenit. Und Philippe Gaydoul hatte diesen in einem Interview mit der Wirtschaftszeitung «Cash» verklausuliert angekündigt. «Ein Verkauf ist eine Option, die man sich offenhalten muss», diktiert er dem Interviewer, «denn man kann zum Schluss kommen, dass es für das Unternehmen langfristig das Beste ist.»

Und exakt zu diesem Schluss kommt der Denner-Chef. Aus drei Gründen. Erstens bietet der Schweizer Detailhandelsmarkt kaum mehr Wachstumschancen. Zweitens ist eine Expansion ins Ausland für Denner keine Option. Und drittens drängen die deutschen Harddiscounter Aldi und Lidl in die Schweiz – die Folge ist ein jahrelanger kostspieliger Verdrängungswettbewerb.

Der Verkauf ist also ein rational-unternehmerischer Entschluss und er führt das Erbe des Karl Schweri mit jenem von Gottlieb Duttweiler zusammen.

Biografie über Karl Schweri

Karl Lüönd hat die bei NZZ Libro erschienene Biografie über Karl Schweri, «Der Unerbittliche», zu Papier gebracht. Er hat Karl Schweri noch gekannt. Als langjähriger Chefredaktor und zeitweiliger Verleger des Gratisblatts «Züri-Woche» habe er schliesslich oftmals beim Denner-Chef «um Inserate höbbele» müssen, wie er sagt. Und bei einer dieser Gelegenheiten habe er zu Schweri gesagt, eigentlich müsste man dessen Biografie aufschreiben. Die Antwort – typisch Schweri: «Das können Sie tun, wenn ich nicht mehr da bin!» Und nun hat Lüönd dies getan.