Er verlor einen Grossteil seines Einkommens
Schweizer Abfahrer rappelt sich nach Horror-Frühling wieder auf

Für den Schweizer Abfahrer Marco Kohler geht es nach einem Horror-Frühling wieder aufwärts. Verletzungen waren eine Sorge des Berner Oberländers. Doch auch abseits der Piste lief zeitweise gar nicht mehr nach Wunsch.
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Marcel W. PerrenSki-Reporter

Die Biografie von Marco Kohler (28) beinhaltet einige sehr schmerzliche Kapitel. Nachdem der Sohn eines Garagisten aus Meiringen BE im Januar 2020 als Vorfahrer bei der Lauberhornabfahrt im Ziel-S Totalschaden im linken Knie erlitten hatte, glaubte sein damaliger Arzt nicht an ein sportliches Comeback.

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Marco Kohler steht nach sieben schmerzhaften Monaten auf dem Plateau Rosa bei Zermatt.

Mit Hilfe von Athletik-Trainer Roland Fuchs und Schwingerkönig Matthias Glarner schaffte der Stöckli-Pilot dennoch die Rückkehr in den Ski-Zirkus – im Dezember 2023 fuhr Kohler in Gröden im Weltcup erstmals in die Top 10. Drei Wochen später brachte ihn aber erneut das Lauberhorn zu Fall. Nach einem Crash beim Haneggschuss wurde ein Kreuzbandriss diagnostiziert.

Im vergangenen Winter hat sich der mittlerweile 28-Jährige zwar mit dem Lauberhorn versöhnt, indem er sich in der Abfahrt in den Top 15 klassierte. Doch es dauerte lediglich eine Woche, bis Kohler in Kitzbühel vom Schicksal ein weiteres Mal abgewatscht wurde: Nach dem Out in der Abfahrt belegten die Röntgenbilder in aller Deutlichkeit, dass beide Kreuzbänder kaputt sind. Es kam noch heftiger. Im April hat der technisch versierte Speed-Spezialist die Kündigung von seinem Kopfsponsor El Tony erhalten. «Das hat mich mental fast noch härter getroffen als die neuerliche Verletzung, weil mir dadurch auf einen Schlag der grösste Teil des Einkommens kaputtgegangen ist.»

Neue Firma investiert in Kohler

In der Zwischenzeit hat Kohler einen neuen Sponsor gefunden. Wenige Stunden, nachdem Blick am 16. Juni den jüngsten Rückschlag des Berner Oberländers publik gemacht hatte, hat sich ein Vertreter der Port Real Estate Development AG bei «Köhlis» Manager Beni Knecht gemeldet. Obwohl weitere Firmen an einem Sponsoring für Kohler interessiert waren, hat er vergangene Woche die Partnerschaft mit dem Immobilienunternehmen abgeschlossen. «Marco geht seinen Weg mit einer Konsequenz, die wir aus unserem eigenen Aufbau kennen – deshalb passt diese Partnerschaft so gut zu Port», erklärt Carlo Früh, Mitgründer und Verwaltungsratsdelegierter des Schweizer Unternehmens.

Durch den neuen Sponsor erhält Kohler neben finanzieller Unterstützung auch einen zusätzlichen Motivationsschub. «Weil Port in mich investiert, habe ich die Gewissheit, dass dieses Unternehmen zu hundert Prozent an mich glaubt. Das ist für mich eine echte Triebfeder.»

Spezielle Rückkehr auf die Piste

Doch wie verläuft Kohlers Reha? In der vorletzten Augustwoche hat Kohler auf dem Gletscher oberhalb von Zermatt VS sein Ski-Comeback gegeben. Die erste Gondelfahrt seit dem folgenschweren «Streifzug» in Kitzbühel hat den heroischen Kämpfer aufgewühlt. «Vor meinem geistigen Auge sind viele Bilder aus den vergangenen sieben Monaten abgelaufen. Ich habe besonders an den Moment gedacht, als ich im Spitalbett lag und von der Rückkehr auf die Ski geträumt habe. Gleichzeitig war ich enorm gespannt, wie mein Knie auf die erste Fahrt über die Gletscherpiste reagiert.»

Die Antwort fällt positiv aus. «Ich habe in der Zwischenzeit rund 40 Fahrten absolviert. Während ich am ersten Tag durch die Kurven gerutscht bin, habe ich in den letzten Einheiten ein paar schön geschnittene Schwünge ausgepackt. Weil ich dabei kaum Beschwerden wahrnehme, ist das Vertrauen in meine Knie schon wieder stark gewachsen.»

Deshalb kann Kohler am kommenden Montag mit seinen Teamkollegen ins Trainingscamp nach Chile reisen. Ob er im Dezember beim Abfahrtssaisonauftakt in Beaver Creek am Start stehen kann, ist aber noch unsicher. «Trotz des erfreulichen Reha-Verlaufs bin ich körperlich noch nicht auf dem Niveau, das ich vor der Verletzung hatte. Selbstverständlich habe ich das Ziel vom Wettkampfcomeback in Beaver Creek im Kopf. Aber ich werde ganz sicher nichts erzwingen.»

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