Ist er noch der richtige Nati-Coach?
Die Petkovic-Frage

Wo steht diese Nati nach vier Jahren Petkovic? Und wo überhaupt steckt der Nati-Coach einen Tag nach dem Schweizer WM-Out?
Publiziert: 04.07.2018 um 23:04 Uhr
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Aktualisiert: 15.06.2023 um 00:13 Uhr
Andreas Böni und Max Kern aus Togliatti

Wir erinnern uns wehmütig an den WM-Achtelfinal 2014 gegen Argentinien. Drmic vergibt alleine vor dem Torhüter, Dzemaili trifft den Pfosten, nach heroischem Kampf scheiden wir nach 120 Minuten aus.

Die Spieler weinen bitterlich, Nati-Coach Ottmar Hitzfeld geht sein Ende nahe. Es ist Drama. Es sind jene Emotionen, die man am Dienstag in St. Petersburg vermisst. Gegen Schweden strahlen die Spieler keine Leidenschaft, keinen Siegeswillen aus. «Es ist auch meine Schuld», sagt Trainer Vladimir Petkovic (54) unmittelbar nach dem Spiel.

Wo stehen wir nach vier Jahren Petkovic? Es ist die Gretchen-Frage des Schweizer Fussballs. In der Stammelf hat er – wenn alle fit waren – im Vergleich zu Hitzfeld nur drei Änderungen vorgenommen. Yann Sommer für den zurückgetretenen Diego Benaglio. Manuel Akanji für Johan Djourou. Und Blerim Dzemaili für Gökhan Inler. Die Absetzung von Captain Inler war auch der einzig richtig harte Fall, den er entscheiden musste.

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Die WM-Zeugnisse: Yann Sommer: Note 6 | Hätte jeder auf seinem Top-Niveau gespielt, wir würden am 15. Juli in Moskau im Final stehen. Klar der beste Schweizer.

Der Fussball ist offensiver als unter Hitzfeld. Vom Punkteschnitt her erfolgreicher. Aber trotzdem hat die Nati, man sah es gegen Schweden, keinen Mini-Schritt nach vorne gemacht – während sich die Spieler in ihren Klubs sehr wohl entwickelten.

Dazu kommt, und so offen muss man es sagen, dass Petkovic bei diesem Gross-Anlass einmal mehr auf Abschottung setzte. Ein ehemaliger Nati-Spieler sagt gestern am Telefon zu BLICK: «Ich habe keine Mannschaft mit Freude gesehen.» Er setzt es in Zusammenhang mit Togliatti, wo die Nati gefühlt am Ende der Welt sass.

Hitzfeld stellte nach der WM 2010 in Südafrika fest: «Es war ein Fehler, dass wir in Vanderbijlpark so abgeschottet waren.» Der Nati-Spieler bestätigt: «Die Spieler waren traurig aus dem Turnier zu sein, aber froh, von jenem Ort nach Hause zu können. Du musst etwas mit Ablenkung haben, Cafés, Familienmitglieder sehen können, Freude haben.»
Hitzfeld korrigierte es 2014, wo die Nati in Brasilien am Strand logierte.

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Aber diese Abschottung, sie ist auch in der Öffentlichkeitswirkung ein Problem. Vor dem Serbien-Spiel wich Petkovic dem ganzen Adler-Thema knallhart aus – bis der Kessel dann während der Partie explodierte. Danach versuchten er und die Spieler, das Thema herunterzuspielen – statt sich einmal medienwirksam zu inszenieren. Wie es beispielsweise die Schweden im Fall Jimmy Durmaz taten.

Petkovic hingegen versteckt sich und lässt die Spieler verstecken spielen. Am Tag nach dem Aus stellt er sich nicht den Medien, zieht keine WM-Bilanz. Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen.

WM 2018 in Russland

Vom 14. Juni bis 15. Juli findet in Russland die Fussball-Weltmeisterschaft 2018 statt.

  • Alle Infos, Highlights und Hintergründe – kurz den WM-Ticker – finden Sie hier.
     
  • Sämtliche Ergebnisse und die besten Torjäger gibts hier in der Übersicht.
     
  • Die Spieler aller teilnehmenden Mannschaften im Porträt: Wer wie gut spielt, lesen Sie hier im interaktiven Special.

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