BLICK zur Trainerentlassung in Lugano
Das ist stillos, Herr Renzetti

Mitten in den Weihnachtsferien gibt Renzetti seinem Trainer telefonisch den Schuh. Weniger Stil geht nicht. Ein Kommentar von Michael Wegmann, stellvertretender BLICK-Fussball-Chef.
Publiziert: 20.12.2016 um 11:12 Uhr
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Aktualisiert: 11.09.2018 um 16:09 Uhr
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Lugano-Präsident Renzetti neigt dazu, seine Angestellten öffentlich und teils auch stillos zu kritisieren.
Michael Wegmann
Michael Wegmann, stellvertretender BLICK-Fussball-Chef.

Nicht er sei es, der den Trainer entlasse, pflegt der Walliser Trainerfresser Christian Constantin zu sagen, «der Totomat tut es.» Am Montag wird im Tessin Lugano-Coach Andrea Manzo entlassen. Ist der Italiener nach zuletzt 10 sieglosen Spielen in Serie ein Opfer des Totomats?

Nein! Lugano überwintert mit 18 Punkten auf Platz 8. Auf demselben Platz und nur mit einen Punkt weniger als unter Trainer-Guru Zdeněk Zeman vor einem Jahr.

Manzo musste zudem im Vergleich zu seinem Vorgänger unter erschwerten Bedingungen arbeiten. Die besten Skorer der letzten Saison standen ihm gar nicht zur Verfügung. Culina (10 Tore) ist verletzt. Bottani (9) ist bei Wil. Und seit Ende Oktober fehlt mit Sabbatini auch noch der Chef im Mittelfeld. Und er musste krasse Fehlentscheide verdauen. Wie Anfang November beim 2:3 gegen St. Gallen, als Schiri Klossner einen Penalty für die Tessiner übersieht, auf der Gegenseite einen erfindet.

Hat sich also das Schicksal gegen Manzo verschworen? Nein, hat es nicht. Es war Angelo Renzetti. Der Lugano-Präsident neigt dazu, seine Angestellten öffentlich und teils auch stillos zu kritisieren. «Tosetti ist stark – vom Gürtel abwärts!», sagte er letzte Saison über einen seiner Spieler.

Über Trainer Manzo sagte Renzetti letzten Samstag: «Es fehlt ihm an Persönlichkeit, Autorität und Erfahrung auf dieser Ebene.» Da fragt man sich, warum er Nachwuchstrainer Manzo im Sommer überhaupt verpflichtet hat.

Vor den letzten beiden Spielen vor der Winterpause setzte er dem Trainer ein Ultimatum: Verliert sie Manzo, fliegt er! Die Spieler stehen geschlossen hinter dem Trainer, kämpfen für ihn. Auch bei den Fans ist der aufgeschlossene Italiener beliebt. Manzos Endspiele enden unentschieden.

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Geflogen ist Manzo nun trotzdem! Nicht etwa nach dem letzten Spiel, sondern erst acht Tage später, fünf Tage vor Heiligabend. Mitten in den Weihnachtsferien gibt Renzetti seinem Trainer telefonisch den Schuh. Weniger Stil geht nicht.

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