Showtime in Monaco am 1. Trainingstag
Vettel schockt alle – Pleite für Sauber

WM-Leader Vettel und Ferrari im Leitplanken-Käfig in Hochform: Sensationelle Rekordrunde mit 1:12,720. Wird Mercedes der um 16 Zentimeter längere Radstand zum Verhängnis? Schlechte Nachrichten für Sauber-Fans: Plätze 19 und 20!
Publiziert: 25.05.2017 um 15:55 Uhr
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Aktualisiert: 12.09.2018 um 11:39 Uhr
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Sauber-Wehrlein macht den Abgang
Roger Benoit

Die beste Show lieferte vor dem zweiten Training Lewis Hamilton. Er chauffierte mit Helm und einem T-Shirt einen US-Milliardär zwei Runden lang im Safety Car um die Strecke.

Der superreiche Wahl-Monegasse hatte dafür 60'000 Dollar für einen wohltätigen Zweck hingelegt. Solche Aktionen haben die neuen Formel-1-Besitzer aus Amerika  offenbar noch einige geplant. It’s Showtime!

Sauber im Elend?

Die Sauber-Fans müssen nach den vier Punkten beim GP von Spanien bis zum Samstag (Qualifikation um 13 Uhr) oder sogar bis zu den 78 Runden am Sonntag (ab 14 Uhr) warten, um vielleicht wieder eine Show zu bejubeln.

Im ersten Training fuhr Wehrlein die 18. und  langsamste Zeit. Hinter ihm nur noch die zwei Defekt-Opfer ohne Zeit: Hülkenberg (Renault) musste die Batterie wechseln, Ericsson (Sauber) hatte Getriebeprobleme.

Am Nachmittag war es dann um 14.17 Uhr Ericsson, der als erster Fahrer «crashte». Beim Casino-Abgang rutschte der Schwede hinten links in die Leitplanken. Er konnte jedoch an die Boxen zurückfahren. Und war später um 0,004 schneller als Schlusslicht Wehrlein.

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Achtung, neue Teile

Noch selten hat man bei Sauber ein solches Update wie jetzt an eine Strecke gebracht. Neben dem neuen Unterboden stechen die Leitbleche vor den Seitenkästen hervor – eine genaue Kopie von Mercedes, wie BLICK-Technikexperte Mike Hammer sofort feststellte.

Auch der einmalige vierfache T-Flügel am Ende der Haifischflosse soll laut Hinwiler Berechnungen mehr Abtrieb bringen. 2018 sind solche Spielereien dann im Heck-Bereich verboten. Die Haifischflosse muss weg!

Beide Sauber-Fahrer müssen aber mit dem neuen Paket sehr sorgfältig umgehen, weil noch keine Ersazteile ans Mittelmeer mitgebracht werden konnten. Vielleicht waren die vielen Neuerungen doch nicht der grosse Schritt in die richtige Richtung.

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Formel 1 trauert mit

Der Terror-Anschlag vom Montag in Manchester mit 22 Toten hat natürlich vor allem auch die englischen Formel-1-Teams berührt. Jetzt fährt das ganze Feld mit einem Aufkleber «Manchester» um die Ecken des 3337 Meter langen Kures. Und am Sonntag ist sogar eine Trauerminute vor dem Start geplant.

Nun, vielleicht hätte auch am Mittwoch Manchester United nach dem Europa-League-Finalsieg (2:0 gegen Ajax) nachher in Stockholm etwas diskreter feiern können?

Auf den Helmen der Red Bull-Fahrer Verstappen und Ricciardo ist übrigens ein Kleber mit «R.I.P. Nicky» zu entdecken. Als Andenken an den mit 35 Jahren nach einem Fahrrad-Unfall verstorbenen Motorrad-Champion Nicky Hayden.

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Helden gesucht…

Monaco ist und bleibt ein Kurs, auf dem plötzlich vorne Namen auftauchen, die man sonst eher im Mittelfeld findet. Hier können mutige Fahrer die sonstigen Schwächen ihrer Autos (oder ein Motoren-Handicap) einfach überfahren – wie jetzt Kvyat und Sainz im Toro Rosso-Renault. Stroll, Palmer, Vandoorne und Magnussen haben spätestens in der Qualifikation Zeit, dies zu beweisen. Alonsos-Ersatzmann Jenson Button (37) verlor das Tagesduell im erstaunlich zuverlässigen McLaren-Honda gegen Vandoorne (11.)  um 0,035 Sekunden.

Rekord hielt nicht lange

Nach einer halben Stunde im ersten Training war bei 23 Grad Aussentemperatur schon das «Titel-Duell» zwischen WM-Leader Sebastian Vettel (29) und  Vorjahressieger Lewis Hamilton (32) entbrannt.

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Um 10.46 Uhr knallte Hamilton mit 1:13,429 die schnellste Monaco-Runde aller Zeiten hin. Kurz darauf war der Brite sogar nochmals um 0,004 Sekunden schneller.

Viel Spass am Titel-Duell

Bis jetzt galt die Pole-Zeit von Vettel 2011 im Red Bull als Rekord – 1:13,566. Der Deutsche ist übrigens in voller Kampflaune ins Fürstentum angereist: «Wir hätten dieses Jahr alle fünf Rennen gewinnen können. Bis jetzt waren wir happy, wenn wir knapp hinter Mercedes lagen. Jetzt sind wir es nur noch, wenn wir alleine vorne liegen!»

Und Hamilton, der Schnellste am Morgen, freut sich auch: «Endlich ein richtiger WM-Kampf. Diesen werden die Fans auch 2018 erleben. So macht das Fahren wieder richtig Spass.» In der WM liegt Vettel vor Monte Carlo mit 104:98 vorne.

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Ricciardos kurze Freude

Am Nachmittag dauerte es dann 30 Minuten bis Ricciardo im Red Bull mit 1:13,280 Hamiltons Rekord wegputzte. Der Australier hatte hier schon 2016 die Pole-Position erobert, dann das Rennen gegen Hamilton verloren, weil die Bullen beim Reifenstopp zuerst den Gummi aus der Garage holen musste. Ricciardo: «Solche Niederlagen tun weh – und man vergisst sie nie!»

Vettel unter 73 Sekunden

Aber um 14.47 Uhr war dann auch Ricciardos Rekordrunde Geschichte: WM-Leader Vettel schaffte es als erster Fahrer unter die 73-Sekunden-Grenze – 1:12,720. Oder fast eine halbe Sekunde schneller als Ricciardo. Das sind auf diesem engen, 3337 Meter langen Stadtkurs fast 170 km/h im Schnitt. Mercedes hielt sich im zweiten Training zurück: 8. Hamilton, 10. Bottas. Man testete offenbar nur für das Rennen…

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Am Morgen wurde übrigens Vettels Teamkollege Kimi Räikkönen von der FIA mit 200 Euro gebüsst, er war in der Boxengasse mit 61,7 km/h geblitzt worden. Erlaubt sind 60 km/h…

Stroll crasht vor dem Casino

Unter den Augen seines Vaters Lawrence donnerte dann kurz vor 15 Uhr das weiter punktelose GP-Greenhorn Lance Stroll (18) in der heissen Linkskurve vor dem Casino in die Leitplanken. Viel Schrott und erstmals Rot. Bei Williams-Mercedes macht man sich so seine Gedanken, doch der kanadische Mode-Milliardär Stroll hält den britischen Laden in Schwung…

Am Morgen hatte es übrigens keinen einzigen Zwischenfall gegeben. Nur Grosjean musste im Haas-Ferrari einmal den Notausgang bei St. Devote, wo es zum Casino nach oben geht, benutzen.

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