Krimikolumne
Flucht vor der Sonne

Autorin Silvia Tschui flüchtet ins düstere Finnland. Wenn auch nur aus Neid.
Publiziert: 29.07.2018 um 16:55 Uhr
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Aktualisiert: 21.10.2022 um 14:17 Uhr
Ein Fünftel der ­finnischen Bevölkerung ist bei den Ausstrahlungen der ersten Staffel von «Bordertown» vor dem Fernseher gesessen.
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Silvia TschuiGesellschafts-Redaktorin

Wer kann, ist ja gerade am Meer, im Tessin oder kühlt sich sonst wie im immer spärlicher werdenden Wasser. Wer aber leider nicht kann und arbeitet, ist vielleicht froh, wenigstens am Fernsehen von der Hitzewelle, vor Grilladen und vom ­immerwährenden gleissenden Licht verschont zu sein.

Für alle, die eine Pause vom Hitzesommer brauchen, lohnt sich ein Blick gen Norden – die leiden ja un­typischerweise auch gerade unter ­einer gnadenlosen Sonne. Düsternis in extragrossen ­Packungen gibts in diversen ­skandinavischen Krimiserien.

­Insbesondere die Schweden und Dänen haben in den letzten Jahren mit ausgezeichneten Serien wie «The Killing» (leider nur noch auf DVD) oder «Die Brücke» (auf Net­flix) für schier unerträgliche Spannung ­gesorgt. Besondere Erwähnung muss die finnische Serie «Bordertown» finden. Wer je einen Film von Aki Kaurismäki gesehen hat, der weiss, dass so düster und gleichzeitig voller Galgenhumor wie die Finnen schlicht niemand kann.

Ein Fünftel der gesamten (!) ­finnischen Bevölkerung ist bei den Ausstrahlungen der ersten Staffel von «Bordertown» rund um ­Kommissar Kari Sorjonen ­jeweils gebannt auf dem Sofa ­geklebt. Die Krimiserie spielt im Niemandsland an der finnisch-­russischen Grenze. Sie ist ­gleichzeitig spannend, ­lakonisch, absurd, manchmal ­lustig – und entwickelt einen ­unglaublichen Sog.

Taucht man aus diesem Sog auf, ist man wieder froh um Sommer, Sonne und die harmlosen blauen Seen bei uns zu Hause. Und gönnt sich eine kurze Pause, bis im Herbst dieses Jahres die zweite Staffel ausgestrahlt werden soll.

Bordertown, Netflix: Fünf von fünf Sternen

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