«Keine Verhältnisse wie in Italien»
Winterthurer wehren sich gegen Blocher-Zeitung

4000 Haushalten in Winterthur ZH wurden diese Woche Kleber zugeschickt. Mit ihnen soll der Briefkasten «blocherfrei» werden. Mit der Aktion wehrt sich ein Verein gegen die Medienkonzentration in der Region.
Publiziert: 01.07.2018 um 17:42 Uhr
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Aktualisiert: 17.10.2018 um 13:59 Uhr
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Vom Politiker zum Medienmogul: Christoph Blochers (77) Medienkäufe sorgen für Kritik.

In Winterthur ZH regt sich Widerstand gegen das Medienimperium von SVP-Urgestein Christoph Blocher (77). 4000 Haushalte haben gestern Post vom Verein für Medienvielfalt erhalten. Im Brief macht sich die Organisation für die Medienvielfalt im Land stark – und warnt vor rechtskonservativem Einheitsbrei. Dem Schreiben liegen zwei Kleber bei, mit denen man seinen Briefkasten vor der Blocher-Post schützen kann. 

Blochers BaZ Holding hat vor knapp einem Jahr den Zehnder-Verlag geschluckt, womit der alt Bundesrat auf einen Schlag zum Verleger von 25 Gratiszeitungen wurde. Unter den aufgekauften Medien ist auch die «Winterthurer Zeitung». 

Verein hofft auf Nachahmer

Obwohl Blocher abstreitet, redaktionellen Einfluss zu nehmen: «Wenn man schaut, was seit letztem Herbst passiert ist, sieht man ganz klar einen Kurswechsel», sagt Matthias Erzinger vom Verein für Medienvielfalt zu BLICK. Im Schreiben führt der Verein als Beispiel die Stadt- und Gemeinderatswahlen vom vergangenen März an. Die linken Wahlsieger seien «in einem mehrseitigen Bericht arg diffamiert» worden, heisst es darin.

Mit der zunehmenden Medienkonzentration drohten in der Schweiz Verhältnisse «wie in Italien, Ungarn oder Polen», warnt der Verein im Schreiben weiter. Dagegen leiste man Widerstand – und man bitte die Bevölkerung, sich diesem anzuschliessen. Erzinger hofft, dass der Protest gegen Blochers Medienimperium zudem über die Stadtgrenzen hinaus Wirkung zeigt – und die Aktion Nachahmer in anderen Regionen findet. (lha)

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