«Yasmin» – wie gefährlich ist die Pille wirklich?

BERN – Die Verhütungspille «Yasmin» steht seit gestern in den Schlagzeilen. Eine heute 18-Jährige ist nach der Einnahme der Pille schwerstbehindert. Die Frauen sind verunsichert. Welche Gefahr birgt diese Pille?
Publiziert: 29.05.2009 um 15:06 Uhr
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Aktualisiert: 06.09.2018 um 19:40 Uhr
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Von Lilian Spörri

Vier Wochen nach der Einnahme von «Yasmin» erlitt die heute 18-jährige Celine eine Lungenembolie. Mit fatalen Folgen. Sie ist heute schwer behindert, wird ihr Leben lang ein Pflegefall bleiben (Blick.ch berichtete).

Beim Schweizerischen Heilmittelinstitut Swissmedic hat man festgestellt, dass bei akuten Problemen immer wieder «Yasmin» im Spiel war. In jährlich 6 von 10 Thrombo-Embolie-Fällen wurde genau diese Anti-Baby-Pille genommen. Seit 2004 in 28 von 50 Fällen.

Studie im Auftrag von Swissmedic

«Wir haben eine Häufung von Fällen im Zusammenhang mit ‹Yasmin› festgestellt», bestätigt Swissmedic-Sprecher Joachim Gross. Swissmedic liess darauf beim «Yasmin»-Hersteller Bayer die beiden Studien Euras und Inengyx durchführen. Die Ergebnisse der Studie gab Bayer vor zwei Jahren bekannt. «Venenthrombosen oder Embolien sind selten bei Einnahme von niedrigdosierten oralen hormonellen Empfängnisverhütungsmitteln.» Auch bei «Yasmin». Und ergänzt: «Das Risiko ist geringer als während einer Schwangerschaft.»

Bayer will nichts davon wissen, dass «Yasmin» besonders gefährlich sein soll. «Yasmin-Anwenderinnen haben kein höheres Venenthrombose-Risiko im Vergleich zu Anwenderinnen anderer niedrig dosierter oraler Verhütungsmittel», betont Liliane Pieters, Kommunikationsverantwortliche bei Bayer.

Das Problem mit den neuen Pillen

Swissmedic musste die Ergebnisse der Studien akzeptieren. Und sagt jetzt selbst: «‹Yasmin› ist nicht gefährlicher als andere Verhütungsmittel», so Joachim Gross. «Was im Fall von Celine passiert ist, ist tragisch – aber sehr selten.» Vielmehr berge die dritte Generation von Anti-Baby-Pillen ein doppelt so grosses Risiko für Thrombo-Embolie-Fälle. Die dritte Generation von Pillen mit tieferen Östrogenwert, dafür mehr Gestagen darin.

Hier doppelt auch Professor Stephan Krähenbühl von der Universität Basel nach: «Mit der zweiten Generation von Pillen war das Risiko für Thrombo-Embolien bei durchschnittlich 4 Fällen pro Jahr.» Mit der neuen Generation seien dies 6 bis 8 Fälle.

Krähenbühl hatte in seinem Spital im letzten Jahr eine Patientin mit einer schweren Lungenembolie. Auch sie nahm «Yasmin». Stephan Krähenbühl sagt in Bezug auf diese Pille: «Es gibt aus wissenschaftlicher Sicht eine Wissenslücke bei ‹Yasmin›, weil Bayer bei diesem Präparat eine andere Gestagen-Substanz als bei anderen Anti-Baby-Pillen verwendet.» Und da die Pille erst seit November 2000 Jahren auf dem Markt ist, könnten die allfälligen Folgen daraus wissenschaftlich nicht belegt werden.

Tatsächlich gehört «Yasmin» bereits zur vierten Generation von Anti-Baby-Pillen. Zu dieser zählen neuere Pillen mit dem Gestagen Drospirenon.

Ein Rückzug von «Yasmin» ist übrigens nicht vorgesehen.

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