Darum gehts
- In Zermatt VS wird trotz Sommer auf 21 km Pisten Ski gefahren
- Skipass günstiger als Seilbahnfahrt, viele Wintersportler nutzen die Gelegenheit
- Auf 3883 m Höhe beträgt die Temperatur nur 2 Grad Celsius
Er ist da, der Sommer. 31 Grad zeigt das Thermometer am Sonntag in Brig VS an. Wetter für die Badi, für ein Glace.
Nicht so in Zermatt VS, hier klammern sich einige so fest sie nur können an den Winter. Skifahren statt Sonnenbaden, Snowboarden statt Glaceessen.
Ab auf die Piste
Es ist kurz vor halb neun am Morgen. Bei der Talstation der Seilbahn Richtung Klein Matterhorn haben sich Dutzende Menschen eingefunden. Es ist eine bunte Mischung aus Bergsteigern, Ausflüglern und Wintersportlern.
Auch Gareth (29) aus England hat seine Ski dabei. Er freut sich schon auf den Schnee. «Für mich und meinen Kollegen geht es erst auf eine Skitour, danach werden wir noch ein bisschen auf den Pisten unterwegs sein», sagt er zu Blick.
Der junge Mann liebt den Schneesport. «Da finde ich es auch schön, im Sommer mal skizufahren», erklärt er.
Besser werden
Dann fährt auch schon die erste Seilbahn Richtung Matterhorn Glacier Paradise. Über Furi, Trockener Steg geht sie in knapp 30 Minuten hinauf zum Kleinen Matterhorn. Während in Zermatt noch angenehme 14 Grad herrschten, zeigt das Thermometer auf 3883 Meter über Meer knapp über 2 Grad an.
Hier oben ist Winter, Schnee und Eis dominieren, vom Sommer ist wenig zu spüren. Auch der Engländer Owen (21) ist zur höchsten Seilbahnstation Europas gefahren, um skizufahren. «Ich nutze jede Gelegenheit, um auf den Schnee zu kommen, und Zermatt ist einer der wenigen Orte auf der Welt, wo dies im Moment möglich ist», sagt er.
Owen will sein Skifahren verbessern, ist deshalb auch mit einem Skilehrer unterwegs. «Es hat schon was, im Sommer auf die Pisten zu gehen. Wer jetzt Ski fährt, ist wirklich angefressen.»
Der Engländer findet es zudem gut, dass er beim Skifahren auch gleich ein Höhentraining hat. «Da läuft es sich dann unten im Dorf gleich viel leichter mit den Skischuhen», sagt er und lacht.
Von Florenz auf die Piste
An der Station Klein Matterhorn hat man schnell vergessen, dass unten im Tal Sommer ist – am Theodulgletscher ist das ganze Jahr über Winter. 21 Kilometer Pisten laden täglich zum Skifahren ein.
Ein Spass, den sich auch Anna (38) und Serena (39) nicht entgehen lassen wollen. Die beiden Italienerinnen sind aus Florenz (I) angereist. «Wir lieben diese exotische und bizarre Situation, diesen Kontrast von Wintersport im Sommer», sagt Anna. Serena ergänzt: «Wenn man sich drauf einlässt, ist es toll.»
Doch die beiden Frauen sind flexibel, was ihre Aktivitäten im Sommer betrifft. «Nächstes Wochenende sind wir dann in Rimini am Strand», sagt Anna. «Abwechslung macht das Leben schön», fügt Serena hinzu.
Skifahren, um Geld zu sparen
Auch Carolina (35) und Manuel (37) aus Vorarlberg in Österreich freuen sich auf ihren Skitag. Fast 50 Mal standen die beiden diese Saison auf den Skiern. «Wie sind grosse Winterfans», sagt Manuel
Der Entscheid, am Pfingstsonntag in Zermatt nochmals die Bretter anzuschnallen, fiel bei den beiden spontan. «Wir haben gemerkt, dass ein Skipass billiger ist als eine normale Fahrt zum Kleinen Matterhorn. Da war klar, dass wir heute Skifahren», sagt Carolina und lacht.
Sommer auch im Hochgebirge
Während die beiden davonfahren, übernehmen zunehmend die Ausflügler die Szenerie am Kleinen Matterhorn. Je mehr es gegen Mittag geht, desto weniger Skifahrer kommen an.
Wer gute Pistenverhältnisse haben will, der muss den Vormittag nutzen. Am Nachmittag zeigt das Thermometer auch auf fast 4000 Meter über Meer deutliche Plusgrade an. Die Folge: Sulzschnee auf den Pisten.
Es wundert denn auch nicht, dass Michel (18) aus Paris keine Zeit für ein Interview hat. «Entschuldigung, du siehst ja selber. Sommerskifahren ist eine Halbtagsbeschäftigung», ruft dem Blick-Reporter zu. «Schade, dass es in Zermatt kein Schwimmbad gibt.»
Denn auch im Hochgebirge lässt sich nicht leugnen: Es ist Sommer. Auch wenn hoch über Zermatt etwas cooler bleibt als vielleicht an ein oder dem anderen Ort im Land. «Ich wollte unbedingt einmal in den Alpen Ski fahren, es ist einfach so toll hier. Ein wahr gewordener Traum», sagt Freya (35) aus China.