Schweizer Honig wird gestreckt und gepanscht
Das haben unsere Bienen nicht verdient!

In jedem vierten Honigglas steckt nicht drin, was drauf steht: Bei einer grossen Untersuchung fielen in der Schweiz 24 Prozent der Honige durch. Sie sind gestreckt oder falsch deklariert.
Publiziert: 05.06.2016 um 00:00 Uhr
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Aktualisiert: 28.09.2018 um 23:00 Uhr
Süss – aber auch echt? Jeder vierte Honig entsprach nicht der Norm.
Roland Gamp

Mit Pferdefleisch in der Lasagne sorgten Betrüger 2013 in der Schweiz und der EU für einen riesigen Skandal. Aber auch andere Lebensmittel entsprechen nicht den Vorschriften.

Inspektoren aus 30 Na-tionen nahmen im letzten Jahr den Honig unter die Lupe – insgesamt 2237 Proben. Das Resultat fiel ernüchternd aus. Von 96 Proben in der Schweiz waren 23, also rund 24 Prozent, nicht konform. 17 verstiessen gegen gesetzliche Vorschriften, die restlichen gegen offizielle Empfehlungen. Zehn der beanstandeten Proben, etwa Tannenhonig oder Bergblütenhonig, stammten von Schweizer Bienen.

Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) listet im entsprechenden Bericht vielfältige Mängel auf: «Falsch de­klarierte geographische oder botanische Herkunftsangaben, zu hohe Erhitzung, Verunreinigung mit honigfremden Bestandteilen und unzulässige Zuckerung.»

Die Hersteller mussten Stellung nehmen und dafür sorgen, die An­forderungen künftig einzuhalten. Einzelne Anbieter mussten ihre Ware ganz aus dem Verkehr ziehen.

Die Schweiz kommt insgesamt schlecht weg – im internationalen Durchschnitt fielen bloss 19 Prozent der Produkte durch. Das BLV geht denoch davon aus, «dass bei den beanstandeten Proben eher eine Täuschung vorliegt, als dass es sich um eine absichtliche Verfälschung der Honigprodukte handelt».

Irrtum also statt vorsätzlichem Betrug? «Die Imkerei in der Schweiz wird eher hobbymässig betrieben, zum Beispiel von pensionierten Personen», sagt Eva van Beek (50), Sprecherin des BLV. «Da steht nicht der Gewinn durch den Verkauf, sondern die Freude an diesem Hobby im Vordergrund. Daher kann es zu Fehlern kommen», so ihre Begründung.

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Die Stiftung für Konsumentenschutz ist anderer Meinung. «Bei einer solchen Häufung der Beanstandungen fällt es schwer, an unabsichtliche Täuschung zu glauben», sagt Geschäftsleiterin Sara Stalder (49). «Die Einschätzung des BLV ist, gelinde gesagt, blau­äugig.»

Dass jedes vierte Produkt durchfällt, liege wohl auch am Preis. «Honig ist ein relativ teures Produkt. Da ist die Versuchung leider gross, ihn zu strecken oder falsch zu deklarieren.»

Die Resultate der Untersuchung schadeten dem Image des Schweizer Honigs. Stalder: «Für Produzenten und Anbieter ist es zentral, dass die Resultate bei der nächsten Kont-rolle besser werden.» 

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