Quartier in Matzingen TG macht mobil gegen Handymast
«Diese Antenne geht uns auf den Sender!»

Mitten in einem Thurgauer Wohnquartier will Mobilfunkriese Salt eine 25-Meter-Antenne installieren. Die Anwohner wurden vorab nicht informiert und sind empört. Nun gehen sie gegen den Bau der Anlage entschlossen auf die Barrikaden.
Publiziert: 01.02.2018 um 00:16 Uhr
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Aktualisiert: 13.09.2018 um 01:08 Uhr
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25 Meter hoch und direkt neben dem Kinderspielplatz: Die geplante Antenne von Salt sorgt in Matzingen TG für Ärger.
Marco Latzer

Die Bewohner eines Wohnquartiers in Matzingen TG sind empört. Seit letzter Woche steht ein 25 Meter hohes Visier neben ihrem Kinderspielplatz. Praktisch zeitgleich flattern den Wohnungs- und Hausbesitzern eingeschriebene Briefe ins Haus: Der Mobilfunkriese Salt will hier eine Mobilfunkantenne errichten. Zwei Wochen beträgt die Einspruchsfrist.

Anwohnerin Jenny Frei (55) ist empört: «Ich mache mir Sorgen um unsere Gesundheit. Wir könnten hier im Quartier schon bald vom Elektro-Smog verstrahlt werden!»

Aufstand im Quartier

Auch Nachbar René Theiler (53) ärgert sich: «Diese Antenne geht mir gehörig auf den Sender. Wir befürchten eine Wertminderung unserer Häuser. Zuerst hat man uns die Aussicht verbaut, jetzt will man uns so einen Koloss vor die Nase setzen!»

Neben der ausgesteckten Antenne spielen während des BLICK-Besuchs einige Kinder. Francesco Stanzione (38) beaufsichtigt sie: «Was ist mit den Kleinen hier? Werden sie noch schlafen können? Das macht mir gewaltige Angst. Ich frage mich: Wer bewilligt so einen Seich?»

Keine Klarheit bezüglich Strahlung

Dieser Fall ist klar: Die Gemeinde Matzingen hat das Gesuch geprüft und durchgewinkt. «Salt hat den Standort selbst gewählt. Es handelt sich um ein reguläres Baubewilligungsverfahren und die Antenne entspricht den gängigen Normen», sagt Gemeindepräsident Walter Hugentobler.

Genaue Zahlen zur Antenne liefert Salt auf Anfrage von BLICK nicht. Die Grenzwerte von 5 Volt per Meter seien aber eingehalten, betont der Mobilfunkriese. Und: «Für Mobilfunkstationen in der Schweiz gelten Grenzwerte, die zehnmal strenger sind als die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO.»

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Vermieter mutiert zum Buhmann

Die Anwohner vermögen solche Erklärungen nicht zu beruhigen: «Ich bin keine Salt-Kundin. Mein Empfang ist jetzt schon gut. Es braucht keine Antenne!», sagt Rebekka Temperli (26).

Der Ärger im Quartier richtet sich auch gegen Patrik Alushi (28). Er ist der Unternehmer, auf dessen Grundstück die Antenne errichtet werden soll: «Man hat mir gesagt, der Empfang sei schlecht. Und ich dachte mir, wenn ich meinen Platz dafür gebe, kann die Nachfrage nach einem guten Netz in Matzingen befriedigt werden.»

«Gibt gleich viel Geld wie ein Parkplatz!»

Mehrfach betont Alushi, nicht gut am Deal mit Salt zu verdienen. «Das Geld spielt keine Rolle. Mit einem vermieteten Parkplatz würde ich praktisch gleich viel verdienen.» Erst auf mehrfache Nachfrage nennt er dann die Zahl von 6000 Franken im Jahr.

Bloss: Bei anderen Antennen in der Region sind teils deutlich höhere Summen im Spiel. «Der wirtschaftliche Nutzen wird über das Wohl der Menschen gestellt», vermutet Jenny Frei.

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Sie und zahlreiche weitere Bewohner wollen nun gegen die Antenne mobil machen und die Pläne mit Einsprachen bombardieren. Zeitgleich wurde auch eine Petition gegen das Projekt gestartet.

Sind die Strahlen gefährlich?

Aus dem Alltag ist das Handy nicht mehr wegzudenken. Funkstrahlung sei gesundheitlich unbedeutend, propagieren die Mobilfunkunternehmen. Fakt ist: Es gibt zum Thema unzählige Studien. Viele von ihnen widersprechen sich gegenseitig. Und gerade die Langzeitfolgen gelten als kaum erforscht.

Aber es gibt Alarmsignale: Forscher der Universität Zürich setzten Kühe der Strahlung einer Handyantenne aus. Während des Versuchs veränderten sich die Enzyme im Blut der Tiere. Bei manchen Kühen nahm die Aktivität der Proteine zu, bei anderen liess sie nach. Wie sich die Strahlen auf Menschen auswirken, bleibt offen.

Gerade diese Woche beschloss die zuständige Fachkommission des Ständerats, eine Erhöhung der zulässigen Grenzwerte ins Bundesparlament zu bringen. Markus Lauener, Präsident von Elektrosmog Schweiz, bezeichnet dies «als blosse Gewinnmaximierung auf Kosten der Volksgesundheit».

Aus dem Alltag ist das Handy nicht mehr wegzudenken. Funkstrahlung sei gesundheitlich unbedeutend, propagieren die Mobilfunkunternehmen. Fakt ist: Es gibt zum Thema unzählige Studien. Viele von ihnen widersprechen sich gegenseitig. Und gerade die Langzeitfolgen gelten als kaum erforscht.

Aber es gibt Alarmsignale: Forscher der Universität Zürich setzten Kühe der Strahlung einer Handyantenne aus. Während des Versuchs veränderten sich die Enzyme im Blut der Tiere. Bei manchen Kühen nahm die Aktivität der Proteine zu, bei anderen liess sie nach. Wie sich die Strahlen auf Menschen auswirken, bleibt offen.

Gerade diese Woche beschloss die zuständige Fachkommission des Ständerats, eine Erhöhung der zulässigen Grenzwerte ins Bundesparlament zu bringen. Markus Lauener, Präsident von Elektrosmog Schweiz, bezeichnet dies «als blosse Gewinnmaximierung auf Kosten der Volksgesundheit».

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