Lokführerin Franziska A. (42) verhinderte eine Zugkatastrophe in Schinznach-Bad AG
«Für die Passagiere hätte ich mein Leben gegeben»

Lokführerin Franziska A. (42) hat alles richtig gemacht. Als in Schinznach-Bad plötzlich ein Kran auf ihren Zug zufliegt, macht sie eine Vollbremsung – und geht in Deckung. Dann kommt es zum Knall! Wie sie und ihre Fahrgäste diesen spektakulären Unfall überlebt haben, hat sie nun BLICK erzählt.
Publiziert: 28.05.2018 um 23:43 Uhr
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Aktualisiert: 12.09.2018 um 20:54 Uhr
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Schinznach-Bad: Jetzt spricht die Lokführerin des Unglücks-Zuges: «Für meine Fahrgäste würde ich mein Leben riskieren»(02:38)

Die ganze Schweiz fragt sich seit letztem Samstag: Wer ist die Lokführerin, die in Schinznach-Bad AG, als ein Kran auf ihre S-Bahn zuflog, die Notbremse zog und damit sich sowie 45 Passagieren vermutlich das Leben gerettet hat?

BLICK hat die heldenhafte Lokführerin gefunden. Sie heisst Franziska A.* (42), wohnt im Aargau. Sie winkt ab: «Eine Heldin bin ich nicht. Ich habe nur meine Arbeit getan.»

Plötzlich kam der Kran auf sie zu

Dann erzählt die gebürtige Berner Oberländerin und Tochter eines Lokführers vom Samstag. Sie fuhr von Turgi Richtung Aarau. Ihr Tempo sei an der Stelle wie immer gewesen: «110 Stundenkilometer.»

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Franziska A. (42) daheim im Gespräch mit BLICK.

Aber auf einmal sieht sie von weitem diesen Kran. «Ich habe den schon oft gesehen, da sie dort ja bauen.» Aber diesmal ist alles anders. «Der Kran kam auf einmal auf mich zu! Es war der Horror.»

Am Ende noch 40 km/h schnell

Franziska A., die als Jugendliche eine Lehre als Bahnbetriebsdisponentin und später die Lokführer-Ausbildung bei den SBB absolvierte, macht in dem Moment alles richtig. «Ich habe ein wenig abgebremst», sagt sie.

Als sie realisiert, dass der Kran auf den Zug krachen wird, macht sie eine Vollbremsung. Sie sei gegen Ende noch etwa 40 km/h schnell gewesen.

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«Dann bin ich so schnell wie möglich aufgestanden, habe etwa zwei Schritte aus der Führerkabine gemacht – und dann hat es schon geknallt in der Scheibe!» Sie habe es nicht mal bis zur Türe, die zu den Fahrgästen führt, geschafft. «Ich habe mich einfach an die Türe gedrückt und gedacht: Jetzt bist du tot, das überlebst du nicht.» 

Sie habe die Türe nicht öffnen wollen, um ihre Fahrgäste zu schützen. «Ich dachte, wenn die Glassplitter kommen, dann trifft es nur mich.» Denn: «Ich würde mein Leben für meine Fahrgäste geben.»

Zum Glück keine Verletzten

Doch sie und alle Passagiere kommen mit dem Schrecken davon. «Ich habe dann die Türe zu den Fahrgästen geöffnet und nach einem Natel gefragt, da mein Diensthandy irgendwo auf der Konsole lag», erzählt Franziska A. Ein Mann habe die Polizei angerufen und ihr sein Handy gegeben. «Ich habe auch noch kurz mit der Polizei gesprochen und dann sind alle Rettungskräfte aufgeboten worden.»

Aber Franziska A. weiss: Es darf wegen der Fahrleitungen niemand den Zug verlassen – zu gefährlich! «Die Fahrgäste blieben alle sehr ruhig. Ich habe nachgeschaut, ob sich niemand verletzt hat und habe informiert, was passiert ist.» Dann seien bereits die ersten Rettungskräfte gekommen. Später hätten sie alle rausgehen dürfen.

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Super Betreuung durch die SBB 

«Als Erstes bin ich in den Rasen gesessen und habe mir eine Zigarette angezündet», sagt Franziska A. und lächelt. «Einfach, um mich zu beruhigen.» Sie sei danach super von den SBB betreut worden und habe jetzt ein paar Tage frei. Dies treffe sich gut. «Ich gehe jetzt dann eh eine Woche in die Ferien.»

Die Lokführerin glaubt, dass ein Schutzengel für sie und ihre Fahrgäste geschaut hat. «Das war sicher mein Mami Ruth, sie starb letztes Jahr mit 66», sagt sie. Einen Unfall hat Franziska A. in ihrer Karriere noch nie erlebt. Sie will weiterhin Lokführerin bleiben. «Es ist mein Traumjob. Sonnenaufgänge etwa sind das Schönste, was es gibt.»

Und was sagt sie zum Portugiesen (41) der Kranfirma, der nun ein Strafverfahren am Hals hat? «Er tut mir leid. Er hat es sicher nicht extra getan», so Franziska A. Auch im Verzeihen ist sie eine Heldin. (dnp)

* Name der Red. bekannt

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