20 Tote bei Tragödie am Piz Segnas
«Das Flugzeug ist nahezu senkrecht auf den Boden aufgeprallt»

Am Samstagnachmittag ereignete sich beim Piz Segnas in Graubünden ein Flugzeugabsturz. Ein Spaziergänger hat die JU52 kurz vor dem Unfall gefilmt.
Publiziert: 05.08.2018 um 12:53 Uhr
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Aktualisiert: 19.02.2021 um 23:27 Uhr
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Absturz «Tante Ju» beim Piz Segnas: Das Wichtigste der Pressekonferenz(06:37)
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Am Samstagnachmittag stürzte ein Flugzeug am Bergfuss des Piz Segnas in der Nähe von Flims GR ab. 20 Personen sind verstorben, wie die Kantonspolizei Graubünden am Sonntag mitteilte. An Bord waren acht Paare und vier weitere Einzelpersonen. Darunter waren elf Männer und neun Frauen.

Die Opfer des Flugzeug-Tragödie am Piz Segnas stammen aus den Kantonen Zürich, Thurgau, Luzern und Waadt. Auch ein Ehepaar mit Sohn aus Niederösterreich war an Board. Das Alter der Opfer liegt zwischen 42 und 84 Jahren. Die Angehörigen aller Opfer bis auf eines wurden von den Behörden informiert. Die Opfer werden am Sonntag noch geborgen. Drei zivile und zwei Rega-Helikopter sowie ein Grossaufgebot an Rettungskräften standen im Einsatz.

Absturz kurz vor Ende des Flugs

Bei der Unglücksmaschine handelt es sich um eine JU52 HB-HOT, ein Flugzeug der JU-Air, wie die Kantonspolizei Graubünden bestätigt. Die sogenannte «Tante Ju» war dieses Wochenende für eine Erlebnisreise im Tessin im Einsatz. Gegen 17 Uhr hätte das Flugzeug in Dübendorf ZH landen sollen. Doch um 16.50 Uhr kam es zum tragischen Unglück. «Das Flugzeug ist nahezu senkrecht mit hoher Geschwindigkeit auf den Boden aufgeprallt», sagte der Sprecher der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle (SUST), Daniel Knecht an der Pressekonferenz am Sonntag.

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Ermittlungen an der Absturzstelle.

Um 16.57 Uhr ging bei der Polizei die Meldung ein. «Wir haben die traurige Pflicht, darüber zu informieren, dass am Samstagnachmittag, 4. August 2018, eine JU-52 der JU-AIR im Kanton Graubünden verunfallt ist», schreibt die Fluggesellschaft in einer Mitteilung. Der Flugzeugabsturz der «Tante Ju» gilt als das schwerste Unglück in der Geschichte der Schweizer Luftfahrt seit dem Absturz einer Crossair-Maschine im Jahr 2001.

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Der letzte Flug der verunglückten Ju-52

Gemäss dem Bekannten eines Opfers habe sich am Samstag ein Care-Team am Flugplatz in Dübendorf um die Angehörigen gekümmert. Manche standen weinend auf dem Parkplatz, andere sassen sprachlos auf einer Restaurant-Terrasse. Der Flugbetrieb der JU-Air ist nun bis auf Weiteres eingestellt, wie das Unternehmen auf ihrer Homepage mitteilt. BLICK-Leserreporter haben die verunglückte Maschine vom Campingplatz in Tenero TI aus um etwa 16.15 Uhr starten gesehen und ein Bild von der Tante Ju geschossen.

Leserreporter mit Bildern der «Tante Ju»: Der letzte Flug der Unglücks-Maschine im Video

Ein anderer Leser fotografierte das Flugzeug über Campo Blenio TI zehn Minuten vor dem Absturz. Ein weiterer BLICK-Lesereporter hat die Unglücksmaschine gefilmt, wie sie nur wenige Minuten vor dem Unfall vorbeigeflogen ist. Die Kamera gezückt hat er, weil die Maschine seines Erachtens verdächtig tief flog. Die Aufnahme ist in Olivone TI entstanden, rund 30 Kilometer und 15 Flugminuten vor dem Unglücks-Ort.

«Hohe Temperaturen nie Unfallursache»

Über die Gründe des Absturzes kann zurzeit nur spekuliert werden. Erfahrene Piloten sagten SonntagsBlick, die Hitze sei eine besondere Herausforderung. «Warme Luft ist dünner. Solche Bedingungen beeinträchtigen die Leistung der Maschine.» Ob die Katastrophe tatsächlich etwas mit der Hitze zu tun hat, sei jedoch zu bezweifeln.

«Hohe Temperaturen sind eine Beeinträchtigung für das Flugzeug. Sie sind aber nie Unfallursache, allenfalls der Umgang damit», sagt Daniel Knecht. An Erfahrung dürfte es den Piloten nicht gemangelt haben. JU-Air ist bekannt dafür, mit sehr erfahrenen Piloten zusammenzuarbeiten. Es gebe gemäss Ermittlern keine Hinweise auf Fremdeinwirkung, Kollision oder Schäden vor dem Unfall.

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Bergungsarbeiten sind im vollen Gange: BLICK in der Nähe der Absturzstelle(00:55)

Die Unfallursache wird durch die Bundesanwaltschaft zusammen mit der Sicherheitsuntersuchungsstelle SUST, der Staatsanwaltschaft Graubünden und der Kantonspolizei Graubünden abgeklärt. Wie die Kapo bestätigt, hatte die JU-52 keine Blackbox. Deshalb sei die SUST vor allem auf die Untersuchung des Wracks sowie der drei Motoren angewiesen. Auch Augenzeugen könnten helfen.

Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) hat eine Luftraumsperre über der Absturzstelle verfügt. Die Absturzstelle liegt an der Westflanke des Piz Segnas, auf 2540 Metern. Es ist das Unesco-Weltnaturerbe. Die sogenannte Glarner Hauptüberschiebung im Grenzgebiet der Kantone St. Gallen, Glarus und Graubünden zeigt wie nirgendwo sonst die Entstehung der Alpen. Der Flugzeugtyp ist ein Oldtimer, der in den 1930er in Deutschland entwickelt und bis Anfang der 1950er Jahre gebaut wurde. Es war der zweite Flugzeugabsturz am Samstag. Am Morgen verunglückte eine vierköpfige Familie bei Hergiswil NW. (szm/jmh/man/aho/rad/SDA)

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