Einwohner von Dietfurt SG zittern vor nächster Sprengung für Grossbaustelle
Hilfe, der Kanton spaltet unsere Häuser!

Die Bewohner von Dietfurt SG sind verärgert. Die Sprengungen des Michelau-Tunnels sollen schwere Schäden an ihren Häusern verursacht haben.
Publiziert: 13.05.2017 um 14:17 Uhr
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Aktualisiert: 12.10.2018 um 16:08 Uhr
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Werkstattbetreiber Franz Bachmann (63, l.) mit seinem Sohn Roman (29). Die Umgebung des Hauses ist durch die Sprengungen um mehrere Zentimeter gesunken.
Marlene Kovacs

Es ist mit 200 Millionen Franken eine der teuersten Baustellen des Kantons St. Gallen. Ziel des Mega-Projekts: Bütschwil und Dietfurt verkehrstechnisch zu entlasten. Die 3,8 Kilometer lange Umfahrungsstrasse soll 2020 fertiggestellt werden. Dazu muss der 140 Meter lange Michelau-Tunnel gesprengt werden. Doch die Sprengungen sind laut Anwohnern ein Ärgernis.

Seit Wochen bebt in Dietfurt und Umgebung fast täglich die Erde. Am Gründonnerstag war die Erschütterung besonders heftig. «Es gab einen riesigen Krach, zwei Sprengungen liessen unser Haus erzittern. Wie bei einem Erdbeben», sagt Markus Schneider (52). Der Werbeberater bewohnt die ehemalige Spinnerei in Dietfurt. Nach der letzten Sprengung bemerkte er Schäden am Gebäude. «In meiner Wohnung sind mehrere Risse zu sehen, auch auf der Fassade erkennt man die Schäden der Sprengungen», sagt Schneider. «Das Gebäude wurde 1859 gebaut und steht unter Denkmalschutz. Bei einer sanften Renovation entstanden dort Wohnungen.

«Umgebung unseres Hauses ist gesunken»

Besonders schlimm scheint es Hausbesitzer Franz Bachmann (63) getroffen zu haben. Er wohnt mit seiner Frau an der Feldeggstrasse. «Unsere Idylle ist durch die Sprengungen massiv gestört worden. Die Umgebung unseres Hauses ist mehrere Zentimeter gesunken. Das kann man deutlich an der Hauswand erkennen», sagt der Werkstattbetreiber. Sein Sohn Roman (29) übernimmt das Haus im nächsten Jahr. «Furchtbar, was sich hier abgespielt hat. Die Auswirkungen sind enorm. Ob wir jemals Geld dafür sehen, ist noch unklar. Es wäre unfair, wenn sie das nicht in Ordnung bringen würden. Mein Vater hat das Haus praktisch selbst erbaut.»

Auch Werner Lampart (63) ist von den Tunnelsprengungen genervt. In seiner Werkstätte und in der Garage sind Risse entstanden. «Bei mir und auch im Haus meines Bruders entstanden Risse. Die Sprengungen waren einfach zu heftig für die Häuser in der Umgebung», sagt Lampart.

Weitere Sprengungen werden folgen

Beim Tiefbauamt St. Gallen nimmt man Stellung. Sandro De Luca (54) ist  Oberbauleiter der Umfahrung Bütschwil und des Tunnels Michelau. «Die Auswirkungen der Spreng- und Bauarbeiten werden von einer beauftragten Firma überwacht. Die Schadenmeldungen werden durch diese Firma entgegengenommen, begutachtet und beurteilt. Sollten diese Schäden nachweislich durch Spreng- oder Bauarbeiten im Tunnel entstanden sein, werden sie durch den Kanton behoben», so De Luca.

Aber: Für die Anwohner ist es mit den Erschütterungen noch nicht vorbei. «Vorraussichtlich gibt es ab nächster Woche weitere Lockerungssprengungen für die Sohlenabsenkung», so der Oberbauleiter. 

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