Ein Wärter über Ärger im Knast
«Nur die Spitze des Eisbergs»

Bei jeder Schicht haben sie im Knast mit Kriminellen zu tun. Dabei müssen sie die eigenen Regeln befolgen und dennoch menschlich handeln. Wie schwierig der Job des Gefängnis-Aufsehers ist, erzählt ein Wärter jetzt unverblümt.
Publiziert: 16.02.2016 um 00:00 Uhr
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Aktualisiert: 30.09.2018 um 16:53 Uhr
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Angela Magdici verhalf Kiko zur Flucht. Die beiden verschwanden mit ihrem BMW X1.
Foto: Facebook
Ralph Donghi

Der Ausbruch einer Aufseherin mit ihrem Häftling ist schlechte Werbung für die Gefängniswärter in der Schweiz. Diverse BLICK-Anfragen zum Alltag der Aufseher bei verschiedenen Gefängnissen ergaben gestern nur die einsilbige Antwort: «Im Moment möchten wir kein Porträt und dazu auch nichts sagen.»

Ein Wärter meldete sich anonym zu Wort: «Wir haben uns geärgert, dass wir professionell Arbeitenden in denselben Topf geworfen werden.» Der Aufseher kennt das Dilemma der Gefängnisangestellten: «Vor allem in den kleineren Untersuchungsgefängnissen, wo täglich Häftlinge kommen und gehen, herrschen grosse Probleme.»

Oft geraten die Wärter dabei mit Ausländern in Konflikt: «Wir erleben schlimme Sachen. Beschimpfungen, Anspucken, Tätlichkeiten. Es gibt sogar Häftlinge, die streichen ihren Kot an die Zellenwand. Allein, um uns zu ärgern.» Und weiter: «Das ist nur die Spitze des Eisbergs, den die Politik im Moment lieber nicht der Öffentlichkeit zeigen will.»

Dass sich eine Aufseherin allerdings in einen Häftling verliebe, sei immer noch eine Seltenheit. «Vielleicht liegt es an ihrem Faible für kriminelle Gestalten», so der Aufseher.

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