BLICK-Kolumnist Pierre Maudet über ideologische Initiativen
Werbeplakate verbieten? Keine gute Idee!

Der Genfer Sicherheitsdirektor Pierre Maudet kämpft in seiner BLICK-Kolumne dafür, dass Geld aus der Werbung und aus den Casinos in der Schweiz bleibt.
Publiziert: 23.05.2018 um 14:58 Uhr
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Aktualisiert: 13.09.2018 um 05:25 Uhr
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BLICK-Kolumnist Pierre Maudet.
Pierre Maudet

Manchmal sind wir Genfer Vorreiter im negativen Sinn. Vor einigen Monaten kam die kommunale Initiative «Genève zéro pub» zustande. Sie will Werbetafeln verbieten. Wenn die Werbung vom öffentlichen Grund verschwindet, werden die Menschen weniger masslos konsumieren und fühlen sich weniger durch visuelle Reize belästigt. So weit die Sicht der Initianten.

Doch eigentlich ist es simpel: Wenn uns eine Reklame nicht gefällt, dann müssen wir sie nicht anschauen. Verbannt man die Plakate nun von den Strassen, dann verlagert sich die Werbung schlicht und einfach ins Internet. Die Folge: Lokale Betriebe würden verschwinden – und mit ihnen gingen auch Arbeitsplätze und Steuereinnahmen verloren. Es fragt sich zudem, ob wir die Werbung im Internet genauso gut regulieren können, wie wir es heute in unseren Städten und Gemeinden tun. Die Antwort lautet selbstverständlich Nein.

Wie beim Geldspielgesetz

Ich schreibe über diesen Genfer Vorstoss, weil er Parallelen aufweist zur eidgenössischen Abstimmung über das Geldspielgesetz. Auch dort lautet die Frage: Soll man alles dafür tun, um Einnahmen aus dem Glücksspiel – wiederum einschliesslich Arbeitsplätzen – in der Schweiz zu behalten? Oder soll man sie ins Ausland abziehen lassen? Es ist eigentlich paradox, aber die eifrigsten Verfechter des Plakatverbots und die stärksten Gegner des Geldspielgesetzes sind dieselben Leute. Entweder sind es Ideologen oder dann ausländische Firmen, die in der Schweiz ihre Einnahmen steigern wollen.

Deshalb ist es nun Zeit zu plakatieren – im eigentlichen und im übertragenen Sinn. Machen wir Werbung in unser aller Interesse. Zeigen wir Haltung. Frei von jeder Ideologie, ganz im wahren liberalen Geist.

Pierre Maudet (40) ist Sicherheits- und Wirtschaftsminister des Kantons Genf. Der FDP-Politiker ist verheiratet und Vater von drei Kindern. Er schreibt jeden zweiten Mittwoch im BLICK.

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