Conchita Wurst beehrt Interlaken
«Bei euch fühle ich mich wie zuhause»

Was macht denn Conchita Wurst an einem Wirtschaftsforum? Die Sängerin stand gestern beim Alpensymposium Red und Antwort.
Publiziert: 14.01.2015 um 14:02 Uhr
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Aktualisiert: 01.10.2018 um 02:12 Uhr
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Von Thomas Rickenbach

Tom Neuwirth (26) hatte einen langen Flug hinter sich: In der Nacht auf Montag stand er als Conchita Wurst noch auf dem roten Teppich der Golden Globes in Los Angeles. Als Mann checkte er am Dienstagmittag in Interlaken ein, verwandelte sich im Hotelzimmer in sein Alter Ego und trat vor die Manager, die Gäste des Alpensymposiums.

Laut Programm war das Hauptthema des 45-minütigen Talks mit Stephan Klapproth: «Toleranz». Tatsächlich ging es jedoch vor allem um das «Phänomen Wurst». Darum - wie sie es selber ausdrückte - «als geborener Mann eine arbeitende Frau zu sein.»

«Dankbar, dass er meine Rechnungen bezahlt.»

Das Fazit der Diskussion: Tom/Conchita kann sich selbst nicht so ganz erklären, was er/sie macht. «Es ist einfach der Zauber der Perücke.» Anders gekleidet sei sie eben anders als er. Auch im Aufnahmestudio singe explizit die herausgeputzte Conchita Wurst und nicht der private Tom Neuwirth.

Den hält Conchita erstaunlich erfolgreich aus der Öffentlichkeit. Es gibt zahlreiche Bilder aus Zeiten, als Tom noch als Mann auftrat. Schliesslich tat er das einst auch in einer ORF-Castingshow. Aktuelle Aufnahmen gibt es jedoch kaum. Auch in Interlaken blieb er im Hotelzimmer, trat nur sie auf. Conchita über Tom: «Er ist ziemlich langweilig und faul.» Eine kleine Kunstpause, dann: «Aber ich bin ihm dankbar, dass er meine Rechnungen bezahlt.» Ein schallendes Lachen.

Kettenreaktion auf dem Red Carpet

Die Golden Globes waren bei Wurst noch präsent, «aber noch nicht ganz verarbeitet.» Plötzlich sei sie neben U2-Gitarrist The Edge gestanden und habe sich nur noch gefragt: «Was mache ich hier überhaupt?» Und: «Das absolute Highlight war es, im gleichen Raum wie Meryl Streep zu sein.» Angesprochen habe sie sie «natürlich» nicht. Dafür traf Wurst just Felicity Huffmann, welche einst in «Transamerica» selbst eine Transsexuelle gespielt hatte. «Ich habe ihr gratuliert.»

Auf dem roten Teppich kam auch die Österreicherin gut an. Auf wenn noch nicht ganz Amerika sie kennt: eine Frau mit Bart wird gerne fotografiert. «Es gab eine Art Kettenreaktion», sagt sie. «Ein Fotograf rief meinen Namen, ich habe posiert. Dann rief ein anderer. Wohl einfach den Namen, den er gerade gehört hat. Undsoweiter. Ich glaube nicht, dass die wussten, wer ich bin.» Aber es funktionierte.

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Im Bett schlief aber Tom

Das tat es auch am Alpensymposium. Die Veranstalter konnten einige namhafte Gäste nach Interlaken locken. Ex-Nati-Trainer Ottmar Hitzfeld etwa. Oder den ehemalige EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso. So lange für Selfies mit den Wirtschaftsmanagern mussten die aber nicht posieren.

Im Bett des Hotels Victoria-Jungfrau lag letzte Nacht aber nicht Conchita Wurst, sondern Tom Neuwirth, der Privatmann aus Bad Mitterndorf in der Steiermark. Er kannte in der Schweiz erst Zürich, kam zum ersten Mal ins Oberland und fand angesichts der Berge: «Bei euch fühle ich mich wie bei mir zuhause.»

«Ach, so macht Jennifer Lopez ihr Make-up?»

Frau Wurst, sie kommen direkt von den «Golden Globes». Ihre Eindrücke?
Ich war das erste Mal dort und habe gelernt, dass die Hollywood-Stars auch nur mit Wasser kochen. Ich dachte mir, da stehst du dann ­neben Jennifer Lopez und wirst das grosse Geheimnis ihres Make-ups erfahren. Es blieb die Erkenntnis: Ach, so macht sie das? Das kann ich ja auch.

Also kein grosser Unterschied zu Events in Europa?
Doch, doch. In Hollywood ist sehr viel Schein. Das meine ich gar nicht mal negativ. Die wissen halt ganz genau, wie man Events wie die ­Golden Globes inszeniert. Deshalb war alles exakt so, wie ich es mir aus der Ferne ausgemalt hatte.

Diesmal bestand Ihr Publikum aus Wirtschaftsleuten. Wie wars?
Wenn ich ein Konzert gebe, weiss ich ja auch nicht, welche Berufe die Zuhörer haben, wie viele Manager dabei sind. Insofern macht das keinen Unterschied.

Was, glauben Sie, nehmen die Zuhörer aus dem Talk mit?
Sie wissen jetzt mehr über mich. Wenn ihnen das etwas hilft, so freut mich das. (lacht) Und sie haben auch erfahren, dass ich selbst Chefin bin. Meine Figur ist mittlerweile ein KMU mit acht ­Mitarbeitern. (Interview: tri)

Frau Wurst, sie kommen direkt von den «Golden Globes». Ihre Eindrücke?
Ich war das erste Mal dort und habe gelernt, dass die Hollywood-Stars auch nur mit Wasser kochen. Ich dachte mir, da stehst du dann ­neben Jennifer Lopez und wirst das grosse Geheimnis ihres Make-ups erfahren. Es blieb die Erkenntnis: Ach, so macht sie das? Das kann ich ja auch.

Also kein grosser Unterschied zu Events in Europa?
Doch, doch. In Hollywood ist sehr viel Schein. Das meine ich gar nicht mal negativ. Die wissen halt ganz genau, wie man Events wie die ­Golden Globes inszeniert. Deshalb war alles exakt so, wie ich es mir aus der Ferne ausgemalt hatte.

Diesmal bestand Ihr Publikum aus Wirtschaftsleuten. Wie wars?
Wenn ich ein Konzert gebe, weiss ich ja auch nicht, welche Berufe die Zuhörer haben, wie viele Manager dabei sind. Insofern macht das keinen Unterschied.

Was, glauben Sie, nehmen die Zuhörer aus dem Talk mit?
Sie wissen jetzt mehr über mich. Wenn ihnen das etwas hilft, so freut mich das. (lacht) Und sie haben auch erfahren, dass ich selbst Chefin bin. Meine Figur ist mittlerweile ein KMU mit acht ­Mitarbeitern. (Interview: tri)

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