SVP-Politikerin über Kreuz mit der katholischen Kirche
Rickli tritt aus!

Ein Kirchenmann griff die Nationalrätin in seinem Blog persönlich an. Jetzt sagt sie Ade.
Publiziert: 04.09.2016 um 00:00 Uhr
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Aktualisiert: 04.10.2018 um 21:44 Uhr
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Gläubige Christin, vor 39 Jahren getauft: SVP-Nationalrätin Natalie Rickli.
Marcel Odermatt

Es war ein verbaler Bannstrahl: Natalie Rickli (39) habe eine «zerstörerische Kraft», sie «veräussere die Würde der Menschen». So schrieb diese Woche Charles Martig (50), Direktor des Ka­tholischen Medienzentrums, in einem Blog-Eintrag auf der Homepage seiner Organisation.

Der Grund für den Frontalangriff des Walliser Theologen auf die Zürcher Nationalrätin der SVP: Rickli hatte als Präsidentin der Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen (KVF) am Dienstag informiert, die KVF-Mitglieder seien sich von links bis rechts einig, dass es ein Nebeneinander der SRG und privaten Medien brauche.

Unter anderem solle zudem der Service-public-­Bericht des Bundesrates, der den Auftrag des Senders umschreibt, über­arbeitet werden. Für Martig sind diese politischen Forderungen frevelhaft und fast bigott – auch wenn sie in demokratischen Abstimmungen entstanden sind. «Ce n’est pas très catholique, Madame!», lautet sein Fazit – mit dem er einen Stein ins Rollen brachte.

Tatsächlich ist Rickli katholisch. Das will sie auch weiterhin bleiben. Von der römisch-katholischen Körperschaft aber hat die Medienpolitikerin jetzt genug. In einem offenen Brief, der SonntagsBlick vorliegt, informiert Rickli den Präsidenten der Bischofskonferenz, Charles Morerod (54), über ihren Austritt.

«Dass Herr Martig im Namen der römisch-katholischen Kirche mein politisches Engagement angreift, erschüttert mich – bin ich doch seit meiner Taufe vor 39 Jahren römisch-katholischer Konfes­sion», schreibt sie. «Jetzt reicht es mir.»

Was die Nationalrätin besonders ärgert: Martig kritisiert auch ihre Tätigkeit für ein Schweizer Medienunternehmen.

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Mit ihrem Beruf be­sitze sie eine «zerstörerische Kraft gegen die öffentlich-rechtlichen Medien». Sie entgegnet: «Es ist doch normal, dass man als Parlamentarier einen Beruf ausübt – gerade dies ist eine Qualität des Milizsystems.» So wie Lehrer in der Bildungspolitik, Unternehmer und Gewerkschafter in der Wirtschafts­politik aktiv seien, bringe sie ihr berufliches Know-how in der Me­dienbranche ein.

Ganz unabhängig ist auch Martig nicht. Er sitzt im Publikumsrat der SRG und ist immer wieder Gast in religiösen Sendungen der TV-Anstalt. Auch ist Rickli nicht die erste SVP-Exponentin, die der Bannstrahl des ehemaligen Filmjournalisten trifft: Immer wieder äussert sich Martig kritisch über die Rechtspartei.

Für Rickli ist dieses Amtsverständnis nicht mit dem Anspruch der katholischen Kirche vereinbar. «Das ist falsch, denn die Kirche muss für alle ihre Mitglieder da sein: für Alt und Jung, für Reich und Arm, für SP und SVP», so die Politikerin.

Das Politisieren solle die Kirche lieber den Parteien und Politikern überlassen.

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