Marine Le Pen ist für viele Französinnen der nackte Horror
Die Anti-Frau

Frankreich könnte zum ersten Mal eine Frau als Staatsoberhaupt bekommen. Doch Marine Le Pen wollen die Feministinnen zuallerletzt.
Publiziert: 02.05.2017 um 23:40 Uhr
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Aktualisiert: 14.09.2018 um 18:39 Uhr
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Marine Le Pen vom Front National feiert ihren Erfolg nach dem ersten Wahlgang.
Christian Maurer, Paris

Zum ersten Mal könnte eine Frau Staatspräsident von Frankreich werden: Marine Le Pen (48) vom rechtsexremen Front National (FN). Wird sie am Sonntag gewählt, wäre die alleinerziehende Mutter von drei Teenagern eine der mächtigsten Frauen der Welt – als Staatsoberhaupt einer Atom- und Vetomacht in der Uno. Und doch: Bei den Frauen Frankreichs mag keine Freude aufkommen. Im Gegenteil: 50 Frauen, angeführt von der Ministerin Laurence Rossignol (59), rufen zur Wahl von Emmanuel Macron (39) auf, dem Mann im zweiten Wahlgang.

«Kann man reaktionär sein und trotzdem Feministin?», fragte die Frauenzeitschrift «Elle» letzte Woche maliziös. Eigentlich nicht, so die Antwort. Auch wenn Marine Le Pen, ihre noch reaktionärere Nichte und FN-Abgeordnete Marion Maréchal-Le Pen (27) und viele andere, auch junge Frauen aus katholisch-konservativen Kreisen, ihre Art von rückwärtsgewandtem Feminismus wie eine Monstranz vor sich hertragen.

Die Zahlen sind klar: Als EU-Abgeordnete hat sich Marine Le Pen nicht als Feministin gezeigt. Während ihrer Amtszeit in Brüssel seit 2004 hat sie exakt vier von 43 neuen frauenfreundlichen Bestimmungen unterstützt. 17-mal war sie dagegen, in den restlichen Fällen war sie abwesend oder enthielt sich der Stimme.

Nur drei Zeilen für Frauenrechte

Auch in ihrem Wahlprogramm mit 144 Kapiteln widmet sie gerade mal drei Zeilen explizit den Frauenrechten. Und das Wort femme für Frau kommt auf den 24 Seiten genau einmal vor: bei der Forderung nach gleichen Löhnen für Mann und Frau – eine Forderung aus der Mottenkiste. Hingegen will Le Pen ein neues französisches Gesetz sofort nach ihrer Wahl wieder abschaffen: Es stellt Propaganda gegen den im ländlichen und erzkatholischen Frankreich immer noch umstrittenen Schwangerschaftsabbruch unter Strafe.

«Ich werde an die Gleichberechtigung der Geschlechter glauben, sobald man eine inkompetente Frau in eine Machtposition erhebt», frotzelte Françoise Groult (1916–2003), eine der grossen Frauenrechtlerinnen der ersten Stunde nach Simone de Beauvoir (1908–1986). Für Frankreichs Feministinnen könnte dieser Zeitpunkt nun gekommen sein.

«Ich weiss nicht, was Feminismus eigentlich heissen soll»

Marine Le Pen selber bezeichnete sich in ihrer Autobiografie zwar als «Quasi-Feministin». Es muss aber eine Worthülse gewesen sein. In einem Interview distanzierte sie sich davon: «Ich weiss nicht, was Feminismus eigentlich heissen soll», meinte sie flapsig in einem Radiointerview.

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Die traditionell männlich dominierte Wählerschaft des Front National wird damit nicht weiblicher. Da nützt es auch wenig, wenn Marine Le Pen im Verlauf des Wahlkampfs immer häufiger den Hosenanzug gegen einen Jupe mit Pumps getauscht hat, um femininer zu wirken.

Mehr zur Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen lesen Sie hier.

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Heute Abend ab 21 Uhr: Das TV-Duell zwischen Marine Le Pen und Emmanuel Macron im Liveticker von Blick.ch

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