Entweder haben sie genug abgesahnt – oder zu wenig
EU-Ausländer kommen, um zu gehen

Neue Zahlen zeigen: Die Hälfte der eingewanderten EU-Bürger sind bereits fünf Jahre später wieder weg. Es sind vor allem jene, die sehr schlecht verdienen – oder fett abgesahnt haben.
Publiziert: 03.07.2018 um 12:20 Uhr
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Aktualisiert: 14.09.2018 um 18:29 Uhr
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Die Hälfte der EU-Bürger arbeitet nur ein paar Jahre in der Schweiz – und zieht dann weiter.
Nico Menzato

Es ist ein spannender Befund des 14. Berichts des Observatoriums zum Freizügigkeitsabkommen Schweiz-EU. Viele EU-Bürger sind in den letzten Jahren nicht in die Schweiz gekommen, um hier zu bleiben. 

Im Gegenteil ist der Aufenthalt hierzulande in vielen Fällen nur kurzfristig. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) hat die Einwanderer des Jahres 2009 analysiert. Ergebnis: Nur fünf Jahre danach waren rund die Hälfte (49 Prozent) bereits wieder ausgereist.

Italiener bleiben, Deutsche gehen

Dieser Befund rückt die hohen Wanderungsüberschüsse der letzten Jahre in ein neues Licht, urteilt das Seco. «Ganz offensichtlich ist nicht grundsätzlich davon auszugehen, dass Zuwanderer dem Arbeitsmarkt in jedem Fall auch längerfristig erhalten bleiben.»

Die Südeuropäer bleiben eher länger: Von ihnen waren nach fünf Jahren erst 39 Prozent zurück- oder weitergereist. Bei Personen aus den nordwesteuropäischen EU-Efta-Staaten – also in erster Linie Deutsche und Franzosen – haben nach fünf Jahren bereits 54 Prozent die Schweiz wieder verlassen. Bei osteuropäischen Staaten gar 57 Prozent.

Anheuern, absahnen, abhauen

«Die geringere Rückwanderungsneigung von Zuwanderern aus Südeuropa in den Jahren 2010 bis 2016 ist auch vor dem Hintergrund der Eurokrise zu sehen, welche die Arbeitsmarktsituation in den Herkunftsländern stark beeinträchtigt und die Attraktivität einer Rückkehr gemindert hat», schreibt das Seco im Bericht.

Dieser zeigt weiter auf, dass das Einkommen ein Hauptgrund für die Rückreise ist: So verliessen einerseits EU-Bürger die Schweiz nach kurzer Zeit, die wenig bis sehr wenig verdienten.

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Anderseits aber auch jene mit sehr hohen Löhnen, sogenannte Expats also, wie das Seco erklärt: «Es dürfte sich bei diesen Topverdienern um hochqualifizierte Personen handeln, die etwa einen befristeten Einsatz bei der Schweizer Niederlassung eines multinationalen Unternehmens absolvierten oder die Schweiz aufgrund einer lukrativeren Position im Ausland wieder verlassen.»

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