Der Sonnen-Toni gibt zu reden
«Widersprüchlicher geht es nicht»

Ausgerechnet Toni Brunner, der an vorderster Front gegen die Energiestrategie kämpft, setzt privat auf Solarstrom. Das erstaunt die Befürworter des Energiegesetzes.
Publiziert: 20.05.2017 um 15:16 Uhr
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Aktualisiert: 05.10.2018 um 04:44 Uhr
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Sonne auf dem Dach und im Bierglas: Toni Brunner baut eine Solar-Anlage auf sein Restaurant - und bekam dafür 5000 Fr. Subventionen.
Sermîn Faki

Das «Haus der Freiheit» wird grün.

Toni Brunner, Bauer, Ex-SVP-Präsident und Gastgeber im «Landgasthof Sonne» (eben, besser bekannt als «Haus der Freiheit») lässt ebendort eine Photovoltaik-Anlage aufs Dach bauen.

Mit den Solar-Panels bestückt wird die rechte Hälfte der Vorderseite des Dachs, Kostenpunkt: 30'000 Franken. «Wir können den Strom im Restaurant selber gebrauchen», sagt Brunner zu BLICK. "Ma

Erstaunlich ist das vor allem, weil Brunner das SVP-Referendum gegen die Energiestrategie 2050 anführt, das morgen an die Urne kommt. Und dabei lässt er keine Gelegenheit aus, auf erneuerbaren Energien herumzuhacken.

«Das ist der Gipfel!»

Stefan Müller-Altermatt (CVP, SO). (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Und nun also ein Solardach auf Brunners Beiz. Die Befürworter der Energiestrategie bringt diese Doppelmoral auf die Palme. «Das ist wirklich der Gipfel», schimpft CVP-Nationalrat Stefan Müller-Altermatt. «Ständig behaupten, dass die Photovoltaik des Teufels sei, weil sie die Strompreise kaputtmache, und dann selbst eine Anlage installieren! Widersprüchlicher geht es wirklich nicht.» 

Gnädiger fallen die Kommentare von bürgerlichen Befürwortern aus. «Schön, dass Toni Brunner auch ein Solar-Bauer ist», sagt der Luzerner FDP-Nationalrat Peter Schilliger. Das zeige doch nur, dass Brunner das neue Gesetz verstanden habe.

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Maximum an Subventionen rausgeholt

Grünen-Präsidentin Regula Rytz sieht es ähnlich. Wenn sogar Referendumsführer Brunner auf Solar setze, sei das ein gutes Zeichen für die Abstimmung: «Es ist doch schön, wenn Ideologie und Praxis so weit auseinanderklaffen, sich am Schluss aber die pragmatische Sichtweise durchsetzt.» 

Auch Brunners Argument, dass er keine kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) erhalte, sondern nur «eine kleine Einmalentschädigung» von etwa 5000 Franken, zerpflücken die Befürworter: «Mit der Einmalzahlung hat er sogar das Maximum an Subventionen rausgeholt», erklärt Müller-Altermatt.

Erinnerung an Martullo-Blocher

Denn hätte sich der Sonnenkönig vom Toggenburg auf die KEV-Warteliste setzen lassen, würde er vermutlich gar nie Geld sehen, weil die Förderung mit der Energiestrategie 2050 ja zeitlich beschränkt wird. Geld bekommt wahrscheinlich nur, wer seinen Antrag bis 2013 gestellt hat. Müller Altermatt: «Auch Toni Brunner kann rechnen und sieht, dass sein Antrag wohl zu spät gekommen wäre.»

Grünen-Energiepolitiker Bastien Girod (ZH) findet noch einen weiteren Kritikpunkt. «Wie Toni Brunner als Mitglied der Energiekommission sehr gut weiss, läuft die Einmalförderung bei einem Nein zur Energiestrategie aus. Das heisst: Er profitiert jetzt noch, will aber mit seinem Kampf gegen die Energiestrategie, dass alle anderen nichts mehr bekommen.» 

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Grünen-Präsidentin Regula Rytz (BE). (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Für Regula Rytz ist Brunners Solar-Investition typisch für die SVP: «Ihre Vertreter wettern gegen Subventionen, nehmen sie selbst aber gern in Anspruch.» Sie verweist auf Magdalena Martullo-Blocher, die sich als SVP-Nationalrätin gegen die Förderung von Energieeffizienz ausspreche, für ihr Unternehmen Ems-Chemie aber über 300'000 Franken an Fördergeldern aus dem «ProKilowatt»-Programm des Bundesamtes für Energie erhalten hat. «Toni Brunners Solardach passt da gut ins Bild» so Rytz.

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