Wie gastfreundlich ist man im Ausland? Wie steht es um die Küche und um die Hotellerie? Wie zuverlässig ist der öffentliche Verkehr? Kurz: Wie gut sind Feriendestinationen tatsächlich auf Touristen ausgerichtet? Wir alle haben die Möglichkeit, hin und wieder zu verreisen und all dies zu testen. Manchmal aber sollten wir es auch im eigenen Land tun. So kann man Vergleiche ziehen und manches hinterfragen. Denn es gibt auch bei uns viel zu tun.
Kürzlich übernachtete ich in einem Hotel in Brüssel. Es gab dort keine Rezeption, alle Wünsche äusserte man über ein iPad. Der Service selber war dann aber speziell auf mich zugeschnitten. Vom Frühstück über die Gepäckaufbewahrung bis hin zum Wechsel der Bettwäsche: Um alles kümmert sich eine junge, dynamische Truppe, die zudem noch wertvolle Tipps für den Abend parat hat.
Der neue Mitmach-Tourismus
Der Tourismus ist für die Schweiz ein sehr bedeutender Wirtschaftssektor. Erst recht in Genf – nirgends im Land gibt es eine so hohe Dichte an Fünf-Sterne-Hotels. Die Willkommenskultur ist Teil der Schweizer DNA. Doch die Erwartungen und Ansprüche der Gäste – wie auch die des Personals – haben sich verändert. Alle wünschen ein auf sie und ihre Bedürfnisse massgeschneidertes Angebot, sei es für ihren Aufenthalt oder für ihre Arbeit.
Es ist Zeit für einen Paradigmenwechsel in dieser Branche. Sie sollte vermehrt eine Art Mitmach-Tourismus anstreben: mit aktiverer Beteiligung der Bevölkerung des Gastgeberlands, dabei nicht weniger erholsam für die Gäste. Junge Schweizerinnen und Schweizer erhielten so die Möglichkeit, sich einzubringen, sei es als freie Mitarbeiter oder Angestellte, und einer erfüllenden Tätigkeit nachzugehen. Das Authentische und das Nahe stünden dabei im Vordergrund – zwei zeitlose und sehr schweizerische Werte.
Pierre Maudet (40) ist Sicherheits- und Wirtschaftsminister des Kantons Genf. Der FDP-Politiker ist verheiratet und Vater von drei Kindern. Er schreibt jeden zweiten Mittwoch im BLICK.