Irgendwie habe ich auch Glück. Ich bin einer der 800'000 Kunden eines grossen Schweizer Telekomanbieters, dessen Daten einem Zulieferer vor vier Monaten mal eben gestohlen wurden. Man sprach danach von «nicht besonders schützenswerten Personendaten». Ich habe nun also das Privileg, meine Handynummer zu wechseln – auf meine Kosten, versteht sich. Dafür hat mir dieser Vorfall eine Gratis-Lektion darüber erteilt, wie sehr die Schweiz in Sachen Datenschutz noch hinterherhinkt.
Hätte es noch einen Beweis dafür gebraucht, dass wir die Hoheit über unsere eigenen Daten verloren haben, man hätte ihn nicht besser erbringen können. Zuerst wurden die betroffenen Kunden nicht proaktiv über den Pfusch informiert. Dann redete man auch noch die Bedeutung der geklauten Daten klein. Dabei treten jeden Tag neue digitale Gauner auf den Plan und ziehen gutgläubigen Menschen das Geld aus der Tasche – eben gerade mit solch simplen Daten wie Name, Geburtsdatum und Telefonnummer.
Alle Daten sind wertvoll
Es besteht dringend Handlungsbedarf. Wir brauchen einen neuen Ansatz, damit wir unserer eigenen Daten wieder Herr werden. Das fängt mit dem Bewusstsein dafür an, dass alle Daten einen Wert haben. Das müssen wir von Kindheit an lernen.
In genau 100 Tagen, am 25. Mai 2018, tritt die Datenschutz-Grundverordnung der Europäischen Union in Kraft. Sie hat – wie alles aus Europa – grosse Auswirkungen auf die Schweiz. Dieses Gesetz schreibt unter anderem das Recht auf Vergessen für Internetnutzer fest. Es geht auch nicht mehr einfach davon aus, dass die Konsumenten der Verwendung ihrer Daten zustimmen. Und es verlangt von den Anbietern mehr Sicherheit und Transparenz. Es ist eine echte Chance – für mehr Vertrauen in die digitale Wirtschaft!
Pierre Maudet (39) ist Sicherheits- und Wirtschaftsminister des Kantons Genf. Der FDP-Politiker ist verheiratet und Vater von drei Kindern. Er schreibt jeden zweiten Mittwoch im BLICK.