BLICK enthüllt Blatters geheime Mission im Auftrag der Schweiz
Spion Sepp!

Wie das Aussendepartement Sepp Blatter vorschob, um den Diktator von Burundi zum Aufgeben zu bewegen – und wie der damalige Fifa-Präsident scheiterte.
Publiziert: 21.04.2016 um 00:00 Uhr
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Aktualisiert: 05.10.2018 um 21:53 Uhr
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Heute erscheint Blatters Buch «Sepp Blatter – Mission & Passion Fussball».
Peter Hossli

Burundi liegt im Herzen Afrikas. Ein Land, dessen Erde in Blut getränkt ist. Despoten putschen sich an die Macht. Sie bleiben so lange, bis ein nächster Despot sie wegputscht. Ein Bürgerkrieg scheint jederzeit möglich. Bei Massakern starben Hunderttausende.

Dort, in Burundi, sollte Ex-Fifa-Präsident Sepp Blatter (80) helfen, einen Despoten zu beseitigen – ihn mit einem Fifa-Job aus dem Amt ködern. Blatter han­delte im Auftrag des Eidgenös­sischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA).

Was nach Spionage-Satire klingt, erzählt der Walliser in ­einem Nebensatz im heute erscheinenden Buch «Sepp Blatter – Mission & Passion Fussball». Auf BLICK-Anfrage bestätigen Blatter und EDA die diplomatische Mission im Jahr 2015.

Eine Mission, die im Offside endet. Noch ist Pierre Nkurunziza (52) Präsident Burundis. Und Blatters Buch macht un­gewöhnliche Methoden der Schweizer Diplomatie publik.

Die Schweiz mischte in die Angelegenheiten eines fremden Staates ein

Persönlich habe EDA-Staatssekretär Yves Rossier (56) Blatter «aufgefordert», Nkurunziza von einer Bewerbung für eine dritte Amtsperiode abzuhalten, so Blatter. «Aufgrund einer Anfrage der Amerikaner», sagt der Walliser. Sprecherin Isella: «Das EDA bestätigt die Anfrage von Herrn Rossier an Herrn Blatter.» Das heisst: Mit Blatters Hilfe mischte sich die Schweiz in die Angelegenheiten eines fremden Staates ein. Doch geschah dies auf Drängen der USA, wie Blatter erzählt? Isella dementiert nicht: «Über die mögliche Rolle allfälliger weiterer Staaten können wir keine Auskunft geben.»

Fakt ist: Die Schweiz leitet die Burundi Configuration der Uno – eine Kommission in New York, die sich um Frieden im labilen Staat bemüht. Das EDA unternimmt viel, um ein Blutvergiessen zwischen den verfeindeten Hutu und Tutsi zu verhindern. Was die EDA-Diplomaten genau tun, ist oft eine Güterabwägung. Ihnen waren die guten Beziehungen des Fifa-Chefs zu Afrika gut bekannt. In Kauf nahmen sie dessen zweifelhaften Ruf.

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Landesweites Joggingverbot

Einst galt Nkurunziza als passabler afrikanischer Machthaber. Er traf sich mit US-Präsident Barack Obama (54) und dem deutschen Amtskollegen Joachim Gauck (76). Dem US-Auslandgeheimdienst CIA wurde er aber zunehmend suspekt, Nkurunziza selbst ist paranoid. So verhängte er 2014 ein landesweites Joggingverbot – aus Angst, politische Gegner würden sich beim Joggen gegen ihn verschwören. Einige Läufer erhielten lebenslängliche Haftstrafen. Im April 2015 kündigte Nku­runziza an, er bewerbe sich für eine dritte Amtsperiode, was die Verfassung verbietet. Burundi versank in Chaos. Am 13. Mai 2015 putschte General Gode­froid Niyombare (47). Nkurunziza schlug den Putsch in zwei Tagen nieder und liess die Putschisten zu Haftstrafen verurteilen.

Zu Recht sorgte sich die Schweiz. Über den ehemaligen EDA- und heutigen Fifa-Mann Thierry Regenass kontaktierte Rossier den Fifa-Präsidenten. Er habe ihn gedrängt, Nkurunziza ein Angebot zu unterbreiten. «Vor Zeugen», so Blatter, offerierte er dem Präsidenten wenige Tage nach dem Putsch einen Fifa-Posten – «als Botschafter für den Fussball in Afrika oder auf der ganzen Welt».

Mission Impossible schlug fehl

Spion Sepp scheiterte, seine Mission Impossible schlug fehl. Nkurunziza gab der Fifa einen Korb. Zumal er ja glaubt, Gott habe ihn auserwählt, Burundi zu führen. Im Juli liess er sich als Präsident im Amt bestätigen. Heute blutet Burundi.

Heikel für das EDA, dass Blatters Auftrag bekannt wird. Diskretion ist in der Diplomatie oberstes Gebot. Gemäss Sprecherin Isella sei es aber «nicht unüblich, auch Nicht-Diplomaten beizuziehen, wenn diese aufgrund ihrer Erfahrungen und Beziehungen zur Lösung eines Problems beitragen können». Sie betont: «Das EDA hat Präsident Nkurunziza nicht aufgefordert, sich nicht mehr zur Wahl zu stellen.» Das besorgte Blatter fürs EDA.

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