Nando aus dem Kanton Luzern über Freud und Leid eines männlichen Au-pairs
«Die Kinder haben nicht immer zugehört»

SRF zeigt vier junge Menschen, die ein Jahr als Au-pair absolvieren. Nando aus dem Kanton Luzern ist einer von ihnen. Er erzählt, wie ihn die Zeit in der Westschweiz geprägt hat.
Publiziert: 05.07.2018 um 19:35 Uhr
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Aktualisiert: 14.09.2018 um 16:02 Uhr
Vanessa Büchel

Am 9. Juli startet auf SRF die Sendung «Au Pair», in der vier Jugendliche durch ihr Jahr bei einer Gastfamilie begleitet werden. Unter ihnen: Nando. Der 15-Jährige aus Sursee LU meldete sich als Au-pair, weil er Herausforderungen und Kinder möge, wie er BLICK erzählt. «Angefangen hat alles mit der Idee einer Kollegin meiner Mutter. Ich hatte gerade meine Schule abgeschlossen und sie erzählte meinem Mami, dass das vielleicht etwas für mich sei», erinnert er sich.

Kurz nach seiner Entscheidung, es zu versuchen, habe dann bereits SRF angerufen. «Als sich der Sender meldete, war ich nicht zu Hause, aber meine Eltern haben provisorisch zugesagt. Und auch für mich war sofort klar: Ich mach mit!» 

Französisch und putzen lernen 

Bereut habe er es keine Sekunde. An die Kameras habe er sich schnell gewöhnt. Und das Heimweh habe sich in Grenzen gehalten, weil er am Wochenende regelmässig seine Familie in Luzern besuchte. Nur von seiner kleinen Schwester mehr als gewöhnlich getrennt zu sein, war schwierig für ihn. «Einfach weil sie auch immer wieder meinte: ‹Ich vermisse dich!›», sagt er nachdenklich.

Vor allem aber habe ihm seine Zeit ennet des Röstigrabens viel gebracht. Nebst Französisch habe er auch gelernt, selbständig zu sein. «Ich weiss jetzt, wie man einen Haushalt führt. Staub saugen, Fenster putzen – das kann ich jetzt. Ich kann selbst Verantwortung übernehmen.» Das habe auch sein Mami sehr stolz gemacht. «Nach den ersten vier Besuchen daheim hat meine Mama gemerkt, dass ich immer mehr helfe.» Seine Gastfamilie aus Senarclens VD hatte sich im Vorfeld für einen männlichen Jugendlichen als Au-pair entschieden, weil sie Abwechslung wollte. «Sie wollten etwas neues ausprobieren», meint Nando.

«Balance zwischen Kollege und Chef»

Auch im Umgang mit Kindern ist der Zentralschweizer nun geschult. Obwohl es ihm anfangs nicht immer ganz leicht fiel mit Arthur (9), Jules (7) und Louise (5). «Anfangs war es schwierig, die Balance zwischen Kollege und Chef zu finden», sagt er. Die Kinder hätten auch nicht immer zugehört, wenn er etwas sagte. «Aber das war vielleicht wegen der Sprachbarriere.» Rückblickend ist Nando jedenfalls zufrieden mit seinem Welschlandjahr. «Ich würde es auf jeden Fall wieder machen. Es war eine tolle Erfahrung», resümiert er.

Kurz vor seiner Rückkehr in die Deutschschweiz fügt er an: «Ich weiss nicht, ob es Tränen geben wird, aber ich werde meine Gastfamilie sehr vermissen. Hoffentlich hält mich das Gast-Mami auf dem Laufenden, wie sich die Kinder entwickeln!»

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Die Zahl männlicher Au-pairs hat zugenommen

Und Nando ist in guter Gesellschaft. Yolanda Gasser (59) von der Au-Pair-Vermittlungsstelle «Pro Filia» klärt auf: «Die Anzahl männlicher Jugendlicher, die ein Au-Pair-Jahr absolvieren, hat leicht zugenommen.» Demnach kämen auf 100 Teenager etwa 10 Buben. «Also bei uns sind es circa 10% männliche Bewerber.» Dies habe besonders in den letzten zehn Jahren zugenommen.

Allgemein ist es aber noch immer so, dass sich Familien eher Mädchen wünschen. «Es gibt jedoch Familien, die fahren gerne mit einem ‹jeune homme› weiter, wenn sie eine gute Erfahrung mit einem männlichen Au-pair gemacht haben», so Gasser. Oft würden männliche Au-pairs einfacher Zugang zu Buben finden. Verallgemeinert gäbe es laut Gasser aber keinen Grund, warum Mädchen oder Jungs im Vorteil wären. «Eigentlich kommt es auf die Persönlichkeit eines jeden Au-pairs an, egal ob männlich oder weiblich…»

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