Joseph Gordon-Levitt spielt Edward Snowden
«Ich habe genug verdient, um diese Rolle zu spielen»

Joseph Gordon-Levitt und Shailene Woodley erklären BLICK, warum sie im Film über ihn mitspielen.
Publiziert: 06.10.2016 um 21:33 Uhr
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Aktualisiert: 12.10.2018 um 15:39 Uhr
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Heikel: Die Snowden-Crew drehte diese Szene direkt vor dem Weissen Haus in Washington.
Interview: Seraina Etter

Für manche ist er ein Held, für andere ein Verräter: Edward Snowden (33). Mit seinen Enthüllungen über den US-Geheimdienst NSA löste er 2013 ein weltweites politisches Erdbeben aus. Morgen kommt Oliver Stones (70) Film über den Whistleblower ins Kino. «Snowden» beleuchtet die Person Edward Snowden von einer anderen Seite: Sein Privatleben und die Beziehung zu Freundin Lindsay Mills (31) stehen im Mittelpunkt. BLICK traf die beiden Hauptdarsteller Joseph Gordon-Levitt (35) und Shailene Woodley (24) zum Interview.

BLICK: Klebt auch auf Ihrem Laptop ein Pflaster wie bei Edward Snowden im Film «Snowden»?
Joseph Gordon-Levitt: Ja, ich habe meine Webcam tatsächlich abgeklebt.
Shailene Woodley: Ich bin zwar nicht paranoid geworden wegen des Films. Aber ich mache mir mehr Gedanken darüber, wie ich das Internet oder mein Handy privat nutze – und was uns die heutige Technik bringen und nehmen kann.

Für viele Amerikaner ist Snowden ein Staatsfeind und kein Held. ­Diese Rolle könnte Ihrer Karriere auch schaden, nicht?
Gordon-Levitt: Ich habe anfangs tatsächlich gezögert. Einige meiner Arbeitskollegen haben mir davon abgeraten, die Rolle anzunehmen. Aber ich bin in einer glücklichen Lage: Ich habe in der Vergangenheit genügend Geld verdient. Ich kann heute meine Jobs nach anderen Kriterien als der Gage aussuchen. Deshalb mache ich nur noch bei Filmen mit, die mich inspirieren. Ich bin sehr dankbar dafür.

Shailene Woodley, auch Sie hat die Geschichte um Snowden inspiriert. Sie wollten diese Rolle unbedingt, haben Regisseur Oliver Stone sogar einen Brief geschrieben, in dem Sie Ihre Bewunderung für den Whistleblower ausdrückten.
Woodley: Das stimmt. Für mich war es wichtig, diesen Film zu machen und damit das Thema nochmals aufzurollen. Die Medien berichten kaum noch, die Massenüberwachung ist deswegen aber längst nicht vom Tisch. Oliver Stone ist für mich der einzige Regisseur, der einen solchen Film machen kann.

Ihre Landsleute konnten Sie damit nicht wirklich überzeugen, «Snowden» floppte an den US-Kinokassen. Welche Reaktionen haben Sie selber bekommen?
Joseph: Sehr unterschiedliche. Den meisten Leuten geht es wie mir. Sie gehen ins Kino und sagen danach: «Das habe ich alles gar nicht gewusst!» Auch ich selber wusste kaum etwas über Snowden, bis mir Oliver Stone das Drehbuch zeigte. Der Film beschäftigt einen auch noch Tage nach dem Kinobesuch. Er öffnet einem die Augen für Dinge, die man nicht einfach so vergessen kann, sobald man einmal Bescheid weiss.

Die Schweiz hat soeben das neue Nachrichtendienstgesetz angenommen. Der Nachrichtendienst des Bundes erhält künftig grössere Überwachungsbefugnisse. «Wir haben ja nichts zu verbergen und wollen vor Terroristen beschützt werden» – so begründeten viele ihre Ja-Stimme. Was sagen Sie dazu?
Gordon-Levitt: Ein ähnlicher Satz – «Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten» – war eine Standard-Floskel bei den Nazis. Ich vergleiche die Schweiz nicht mit Nazi-Deutschland, verstehen Sie mich nicht falsch! Aber es gibt generell die Tendenz, dass Regierungen immer mehr Macht wollen. Sie machen uns zuerst Angst, und dann nutzen sie diese aus, um mehr Kontrolle zu bekommen. Es ist immer und überall das gleiche Muster. Man muss sich fragen: Geht es wirklich nur darum, uns zu beschützen?
Woodley: Hinzu kommt: Die Geheimdienstprogramme, die auf den Kampf gegen den Terrorismus ausgerichtet sind, haben noch keine einzige Terrorattacke verhindert.

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Snowden ist desillusioniert von seiner Geheimdienstarbeit. Waren Sie als Schauspieler auch schon mal kurz davor, alles hinzuschmeissen?
Woodley: Es gab Momente, in denen ich zweifelte. Ich bin nicht immer mit der gleichen Leidenschaft und Überzeugung dabei. Aber aufhören wollte ich nie.

Aber vermissen Sie das normale Leben manchmal?
Woodley: Mein Leben ist sehr normal. Reisen und Interviews geben ist aussergewöhnlich für mich. Meine Freizeit verbringe ich mit Freunden ganz unterschiedlicher Berufe. Mein Privatleben ist mir heilig. Ich schütze es. Das ist wichtig für mein persönliches Glück.

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