Zoll beschlagnahmt mehr illegale Arzneimittel
In jeder zweiten Pille ist nicht drin, was draufsteht

Die Zahl der am Zoll beschlagnahmten illegalen Arzeimittel ist im vergangenen Jahr stark gestiegen. Neben unzähligen Potenzpillen stellten die Behörden auch Sendungen mit vermeintlichen Corona-Medikamenten sicher.
Publiziert: 21.02.2022 um 08:59 Uhr
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Aktualisiert: 21.02.2022 um 09:44 Uhr
Ein Zollbeamter mit einem Päckchen mit falschen Viagra. (Archivbild)

Im letzten Jahr sind am Zoll rund 9400 Pakete mit illegalen Arzneimitteln sichergestellt worden. Das sind 40 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Bei drei Viertel der beschlagnahmten Ware handelte es sich um Potenzmittel. Und bei jedem zweiten Präparat war nicht drin, was draufstand.

Auch in Zusammenhang mit der Corona-Pandemie bestellten Schweizerinnen und Schweizer unerlaubte Arzneimittel in die Schweiz, wie die Arzneimittelbehörde Swissmedic am Montag mitteilte. Jedoch wurden «nur» 150 Sendungen beschlagnahmt, unter anderem mit dem Entwurmungsmittel Ivermectin, das in der Schweiz nur für Tiere zugelassen ist und vor dessen Anwendung beim Menschen gewarnt wird. Auch Arzneimittel mit Hydroxychloroquin oder Antibiotika aus Indien waren darunter.

Die meisten Päckli kommen aus Polen

In 183 Fällen kam es zu einem Verwaltungsmassnahmeverfahren, bei dem den Bestellern geringere Bussen drohen. In 122 Fällen wurde aber ein Strafverfahren eröffnet. Das ist der Fall, wenn es sich um grosse Mengen oder wiederholte Bestellungen handelt. Bei 8607 Fällen kam es nur zu einem vereinfachten Verfahren, bei dem die Ware vernichtet wurde.

Neu steht Polen an der Spitze der Herkunftsländer: 35 Prozent der illegalen Produkte wurden aus dem osteuropäischen Land eingeführt. In den Sendungen befanden sich jedoch Potenzmittel aus Indien. Swissmedic geht davon aus, dass nach einer internationalen Aktion gegen den Transitweg via Singapur neue Vertriebskanäle aufgebaut wurden.

Websites täuschen Kunden

Hinter den Medikamenten aus dubiosen Quellen steckten oft kriminelle Netzwerke, schrieb Swissmedic. Wer Arzneimittel über unkontrollierte Online-Angebote bestelle, gehe ein grosses gesundheitliches Risiko ein. Denn diese könnten einen falschen Wirkstoffgehalt oder gesundheitsgefährdende Bestandteile beinhalten.

Gewisse Online-Shops für Heilmittel täuschten die Kundinnen und Kundinnen auf ihren Webseiten gezielt. Mit Schweizer Flaggen, der Anzeige von Schweizer Fimen-Logos wie der Post oder erfundenen Kunden-Feedbacks versuchten sie, den Eindruck zu vermitteln, dass es sich um legale Angebote aus der Schweiz handle. (SDA)

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