Nach den Flüchtlingen kommen die Krawallmacher aus Zürich und Bern
Der Aktivisten-Ärger im Camp von Como

Die Zahl der freiwilligen Helfer wächst im Camp von Como (I). Doch nicht alle sind willkommen.
Publiziert: 06.09.2016 um 00:00 Uhr
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Aktualisiert: 05.10.2018 um 17:29 Uhr
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Bis zu 400 Flüchtlinge warten …
Myrte Müller

Die Zelte stehen noch immer im Park vis-à-vis des Bahnhofs San Giovanni in Como (I). Doch sie beherbergen bei weitem nicht nur Flüchtlinge, sondern auch eine wachsende Zahl von freiwilligen Helfern. Die meisten von ihnen kommen aus Italien.

«Wir sind über 600 Helfer, mehr als die Gestrandeten. 200 von uns campieren im oder beim Park», sagt Mattia Stancanelli (32). «Wir betreiben ausserhalb des Parks eine Suppenküche, verteilen Kleidung, stehen den Flüchtlingen zur Seite», erklärt der Schauspieler aus Como.

Doch nicht alle Helfer sind willkommen. Am Samstag treffen drei Kleinbusse mit Zürcher und Berner Kennzeichen ein. Rund 15 Menschen springen raus. «Sie haben im Park eine Feldküche aufgebaut», erzählt Stancanelli. Die Polizei habe ihnen aber das Kochen verboten, «weil die Gasflaschen zu gefährlich seien».

Deutschschweizer rufen Flüchtlinge zum Protest auf.

Die Aktivisten ignorieren das Verbot. Bereitschaftspolizei rückt an und räumt die Feldküche. Die Deutschschweizer rufen daraufhin die Flüchtlinge zum Protest auf. Viele folgen ihnen. «Sie sagten, dass wir die Suppenküche der anderen Helfer boykottieren und in den Hungerstreik treten sollen», erzählt Abdulrahman (25) aus Somalia. «Das haben wir dann auch gemacht.»

Daniela Valsecchi (46), einer Helferin aus Bergamo (I), fällt am Abend auf: «Nur 100 der sonst erwarteten 400 Flüchtlinge holten ihre warme Mahlzeit ab.» Die Therapeutin schimpft: «Die Schweizer kamen einfach hierher – ohne zu fragen. Und sie machten, was sie wollten.» Das gehe so nicht. «Sie stören den Frieden und machen unsere ehrenamtliche Arbeit kaputt.»

Seit 17 Jahren engagiert sich Luciana Carnevale (78) für Flüchtlinge. Heute klärt sie die Immigranten in Como über ihre Rechte auf. Sie weiss: Die jungen Flüchtlinge sind verzweifelt und frustriert, aber auch wütend und leicht zu beeinflussen. «Richtig helfen können wir ihnen nicht», sagt die Rentnerin. «Die Schweizer Grenze ist dicht. Ich habe noch nie so eine Ohnmacht gespürt.»

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Die Aktivisten aus Zürich und Bern sind wieder abgereist. Ein Zelt und Transparente sind zurückgeblieben. Sie lassen vermuten: Die Deutschschweizer kommen wieder. Vielleicht mit Verstärkung.

Denn für Samstag und Sonntag sind Demonstra­tionen geplant – dies- und jenseits der Grenze von Chiasso TI.

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