Essen wir 2050 Labor-Burger, oder ersetzt der Chemie-Drink alles?
Diese Erfindungen lösen unser Food-Problem

Der Fleischkonsum explodiert, die Ressourcen werden knapp. Machen wir weiter wie bisher, droht die Katastrophe. Abhilfe schaffen sollen Insekten, Labor-Burger und Chemie.
Publiziert: 19.05.2017 um 00:09 Uhr
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Aktualisiert: 05.10.2018 um 11:15 Uhr
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Ambiente wie im Raumschiff Enterpreise. Line Rainville gab rund 20'000 Franken aus, um ihren Keller zu verwandeln.
Konrad Staehelin und Gabi Schwegler

1973 wagte der Science-Fiction-Film «Soylent Green» einen verstörenden Blick in die Zukunft, ins Jahr 2022: Die Welt ächzt unter Klimaerwärmung und Überbevölkerung, Nahrungsmittel wie Fleisch und Gemüse gibt es nicht mehr, stattdessen essen die Menschen das nahrhafte Soylent Green. Charlton Heston (†84) spielt einen Detektiven und deckt auf, dass es aus Menschenfleisch besteht.

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So weit ist die Welt noch nicht, so weit wird sie 2022 kaum sein. Aber 2050? Von aktuell 7,3 Milliarden Menschen wird die Weltbevölkerung bis dann auf knapp zehn Milliarden wachsen. Die Klimaerwärmung ist in vollem Gang. Und die Menschen in den aufstrebenden Ländern verlangen nach immer mehr Fleisch. Bis 2050 soll der Fleischkonsum laut der Welternährungsorganisation FAO um 70 Prozent steigen.

«In die falsche Richtung»

Die Viehzucht beansprucht schon heute direkt und indirekt via Futterproduktion 70 Prozent des weltweiten Agrarlandes und fast einen Zehntel des globalen Wasserverbrauchs.

Die Viehzucht beansprucht schon heute direkt und indirekt via Futterproduktion 70 Prozent des weltweiten Agrarlandes und fast ein Zehntel des globalen Wasserverbrauchs. «Wenn das so weitergeht, steuern wir direkt auf eine Katastrophe zu», sagt Hans Herren (69), Agrarforscher und 2013 erster Schweizer Gewinner des alternativen Nobelpreises Right Livelihood Award. BLICK erreicht ihn telefonisch in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba, er sagt: «Das geht alles in die falsche Richtung.»

Was passiert, wenn sich nichts ändert? «Es könnte Kriege um Lebensmittel und Wasser geben. Und die Welttemperatur steigt im Schnitt um über fünf Grad. Es gibt noch mehr extreme Wettersituationen als jetzt schon.»

Eine, die noch frisch im Gedächtnis ist: Der Frost zerstörte diesen April das Geschäft von vielen Schweizer Obst- und Weinbauern für das ganze Jahr 2017 (BLICK berichtete). Herren: «Wenn wir nichts ändern, wird das zur Regel. Wir müssen weniger konsumieren, dafür nachhaltiger. Nicht nur beim Fleisch. Die Macht liegt beim Konsumenten.»

Allen noch frisch im Gedächtnis: Mit Feuer wird versucht die Reben vor dem Frost zu schützen.

Die Frage ist, ob genug Leute diese Macht wahrnehmen. Oder ob die Politik stark genug ist, sie zu ihrem Glück zu zwingen. Das zähe Ringen um Klimaverträge zeigt, wie schwierig weltweite Regulierung ist, wenn jeder Partner Einzelinteressen vertritt. «Ich schätze die Chancen, dass wir Konsumenten oder die Politik die Krise lösen, auf 50 Prozent», sagt Herren.

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Muss es die Forschung richten?

In die Bresche springen Forschung und Industrie, indem sie an umweltverträglicheren, massentauglichen Produkten arbeiten. Eine Möglichkeit, mehr zu produzieren, sind gentechnisch veränderte Produkte, sowohl pflanzliche als auch tierische. Sie sind aber hochumstritten – keiner kennt die Langzeitfolgen.

Bei der US-Firma Impossible Foods hat kaum einer ethische Bedenken. Sie kopiert mit ihrem pflanzlichen Burger die Fleisch-Variante. «Konsistenz und Geschmack waren perfekt. Das Blut in der Mitte machte ihn richtig saftig», beschrieb die Nachrichtenseite «Buzzfeed» den alternativen Burger.

Dieser Burger wuchs im Labor, dafür musste keine Kuh sterben, es wurden nur Stammzellen hochgezüchtet.

Im holländischen Maastricht stellte der Physiologe Mark Post (59) 2013 den ersten Burger im Labor her. Keine Kuh ist dafür gestorben, es wurden nur Stammzellen hochgezüchtet. Als BLICK ihn kürzlich in seinem kargen Büro besuchte, sagte Post: «Jüngere Generationen werden die neuen Technologien wahrscheinlich eher annehmen.» In vier bis fünf Jahren soll der Burger in Massenproduktion gehen.

In grossen Teilen Asiens gehören Insekten bereits zu den Grundnahrungsmitteln, in Europa laufen erste Versuche mit Insekten als Proteinquelle. Die Schweizer Behörden haben Anfang Mai grünes Licht für den Verkauf von Mehlwürmern, Grillen und Wanderheuschrecken gegeben.

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Und sogar Soylent, einen Drink mit dem Namen aus dem Science-Fiction-Film aus dem 70er-Jahre-Film, gibt es schon. Natürlich ohne Menschenfleisch, dafür mit viel Chemie. Der Werbespruch für alle, die sich nicht mehr mit Essen herumschlagen wollen: «Ihr Leben ist doch schon kompliziert genug.»

Was kommt, was kommt nicht

Schon heute können Roboter ihren Besitzern das Bier an die Couch bringen. Die Technologie ist aber noch viel zu teuer.

2025
bestellen unsere Kühlschränke selber Lebensmittel. Technologisch wäre es schon heute machbar, es fehlt aber noch ein Standardchip für Lebensmittel.

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2045
haben Kinder endlich einen Roboter, der ihnen das ­Zimmer aufräumt.

2050
übernehmen Maschinen Betreuungsaufgaben in Altersheimen, etwa das Duschen, und sie führen Gespräche mit Patienten.

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