Nachschlag von Ina Bauspiess
Flöten auf dem Damenklo

Publiziert: 21.07.2018 um 23:20 Uhr
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Aktualisiert: 14.09.2018 um 17:28 Uhr
Ina Bauspiess

In jüngster Zeit beobachte ich immer wieder ein mysteriöses Phänomen: die Toiletten-Meditation. Ich trete ein, das rote Signal an der Nachbartür zeigt mir, dass jemand im gleichen Moment ein dringendes Bedürfnis hat wie ich.

Doch dann: kein  einziger Ton von nebenan. Kein Reissverschlussgeräusch. Kein Geraschel von Klopapier. Kein Plätschern, erst recht keine – wie es Ärzte so elegant zu formulieren wissen – Windabgänge.

Da ich mit einer überdurchschnittlichen Portion Fürsorge gesegnet bin, beginnt mein Gedankenkarussell zu kreisen: Ist der Person nebenan übel? Hat sie Suizid auf der Toilette begangen? Ich rede mir gut zu: Wahrscheinlich meditiert sie nur.

Aber ich habe mich auch schon dabei erwischt, wie ich mit kurzem Blick unter der Trennwand hindurch festzustellen suchte, ob die Füsse nebenan noch gerade stehen oder die Nachbarin am Boden liegt.

Also, liebe Damen, falls Sie nicht möchten, dass ich aus der Nachbarkabine den Notarzt rufe, machen Sie sich doch in der Pinkelpause bemerkbar. Es muss kein Small Talk werden, Sich räuspern reicht.

Ein melodisches Flöten wäre mir allerding noch lieber.

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