Darum gehts
- Patagonia verklagt Dragqueen Pattie Gonia wegen Markenrechtsverletzung vor US-Gericht
- Klage fordert symbolischen Dollar, Streit betrifft Logo-Nutzung und Markenschutz
- Pattie Gonia hat 1,8 Mio. Instagram-Follower und verkauft seit 2024 Kleidung
Was haben eine windgepeitschte Region in Südamerika, eine milliardenschwere Outdoor-Marke und eine Dragqueen gemeinsam?
Die Antwort liegt bei ihren Namen. Während Patagonien seit Jahrhunderten auf Landkarten steht, streiten sich heute Patagonia und die Dragqueen Pattie Gonia (33) vor Gericht darüber, wie ähnlich zwei Namen sein dürfen. Der Konflikt geht so weit, dass der Kleiderhersteller vor Gericht gezogen ist.
Eine Ein-Dollar-Klage, die eskaliert
Die Outdoor-Marke klagt laut Medienmitteilung wegen einer Markenrechtsverletzung. Einen Dollar – mehr verlangt Patagonia in seiner Klage gegen die Dragqueen Pattie Gonia nicht, wie «The Guardian» berichtet.
Die Kleidermarke rechtfertigt den Schritt mit dem Schutz ihres über Jahrzehnte aufgebauten Labels. Gespräche mit der Dragqueen Pattie Gonia seien gescheitert, obwohl das Unternehmen nach eigenen Angaben mehrere Vorschläge unterbreitet und sich bemüht habe, eine gerichtliche Auseinandersetzung zu vermeiden.
Die Drag Queen und Outdoor-Aktivistin
Ganz überraschend kommt die Klage nicht. Auf Instagram präsentiert sich Pattie Gonia ihren rund 1,8 Millionen Followern als Aktivistin für Gleichberechtigung und Umweltschutz – Werte, die auch der Outdoor-Modehändler Patagonia für sich beansprucht.
Die Dragqueen setzt sich seit Jahren für den Schutz von Natur und Bergwelt ein – und verkauft seit 2024 eigene Kleidung. Für Pattie Gonia war der nächste logische Schritt, die eigene Marke anzumelden, wie aus ihrem Instagram-Video hervorgeht. Doch unter anderem sieht Patagonia einen «irreparablen Schaden». Dieser bestehe darin, dass die Dragqueen scheinbar das Logo für ihren Fan-Merch verwendet hat.
Doch dies seien Scherzartikel von Fans gewesen, die Pattie Gonia zugesendet worden seien. Auch der Entscheid, ihre Marke anzumelden, sei lediglich zu ihrem Eigenschutz erfolgt.
Forderungen und Klage statt Pride-Month-Post
Eine Aktivistin ausschalten: Das sei das Ziel des Outdoor-Giganten, so die Dragqueen. Obwohl das Unternehmen offiziell nur einen Dollar einklagt, belaufen sich die Prozesskosten laut Pattie Gonia auf ein Vielfaches davon. Zudem prangert sie den Zeitpunkt der Klage an: «Ist es nicht interessant, dass der milliardenschwere Konzern Patagonia genau diesen Moment gewählt hat – auf dem Höhepunkt von LGBTQ+-feindlicher Politik und Angriffen auf den Umweltschutz –, um mich zu verklagen?», schreibt sie auf Instagram.
Als das Unternehmen am 1. Juni 2026, zu Beginn des Pride Months, ein Update inklusive Forderungen an die Dragqueen stellt, geht der Post nach hinten los. «Bis zum ersten Tag des Pride-Monats zu warten, um das zu posten, ist echt Wahnsinn», kommentiert eine Userin empört.
Dass eine Outdoor-Marke vor Gericht zieht, ist jedoch alles andere als ein Einzelfall.
The North Face gegen The South Butt (2008)
Dieser Rechtsstreit ist zwar eine Weile her – ikonisch ist er trotzdem. Als der Highschool-Schüler Jimmy Winkelmann aus dem US-Bundesstaat St. Louis die Marke The South Butt gründete und mit dem Slogan «Never Stop Relaxing» – eine Parodie von The North Face «Never Stop Exploring» – warb, sorgte das für rote Köpfe beim Outdoor-Ausrüster.
The North Face klagte wegen Markenrechtsverletzungen und Verwässerung, da The South Butt nicht nur ein ähnliches Logo, sondern auch identische Produkte angeboten hatte, wie die Universität von Michigan berichtet. Die Parteien konnten sich später einigen, wie NBC News berichtete.
Backcountry gegen kleine Outdoor-Unternehmen (2019)
David gegen Goliath – oder in diesem Fall Onlinehändler Backcountry, der gegen mehrere Kleinunternehmen klagte. Laut der Zeitung «The Colorado Sun» machte der Outdoor-Ausstatter Jagd auf Unternehmen, die mit dem Namen «Backcountry» warben – und stellte dafür sogar eine Anwaltskanzlei an.
Die Klageoffensive wurde allerdings zum Eigentor. Besonders hart traf es kleine Firmen – darunter ein Kaffeehersteller, eine Jeansmarke und ein Anbieter von Lawinenkursen für Frauen. Die Empörung über Backcountry wurde derart gross, dass CEO Jonathan Nielsen öffentlich Abbitte leisten musste. Er entschuldigte sich und suchte den Kontakt zu den betroffenen Unternehmen, um den Schaden wiedergutzumachen, wie das Magazin «Outdoor» berichtet.
Yeti gegen Utah Yetis (2024/25)
Nicht nur Kleinunternehmen sind Ziel von Klagewellen und Problemen bei der Verwendung von Markennamen. Das Eishockeyteam von Utah wollte in der Saison 2025/26 eigentlich als Utah Yetis antreten – wären da nicht Unternehmen wie Yeti Coolers LLC.
Das Unternehmen klagte zwar nicht direkt, aber: Das amerikanische Markenamt lehnte den Antrag des Eishockeyteams ab. Es bestehe Verwechslungsgefahr mit anderen Unternehmen und Marken, die diesen Namen verwenden, berichtete etwa ESPN. Das Hockey Team tritt nun als «Utah Mammoth» an.