Darum gehts
- Im Mordprozess um Fabian präsentierten Ermittler digitale Spuren der Angeklagten.
- Gina H. erwähnte Brandopfer, bevor Brandspuren öffentlich bekannt waren.
- Handydaten zeigen 90-minütige Pause nach Versenden eines Waldweg-Fotos.
Am Dienstag, dem zehnten Verhandlungstag im Prozess um den getöteten Fabian aus Güstrow (D), standen vor allem digitale Spuren im Fokus. Ermittler hatten Handydaten, Chats, Sprachnachrichten und überwachte Telefonate der Angeklagten Gina H. ausgewertet. Gina H. ist die Ex-Freundin des Vaters von Fabian. Für Aufsehen sorgte dabei eine Sprachnachricht aus der Zeit der fieberhaften Suche nach Fabian.
In der Nachricht sprach Gina H. mit einem Bekannten über die Identifizierung von Leichen und erwähnte auch ein Brandopfer. Das Brisante daran: Zu diesem Zeitpunkt waren noch keine Infos zu Brandspuren am späteren Fundort des Kindes bekanntgeworden. Der Vorsitzende Richter zeigte sich laut NDR überrascht. Die Bemerkung komme «aus dem Nichts». Der damalige Gesprächspartner von Gina H. erklärte als Zeuge, er habe die Aussage nicht weiter hinterfragt.
Rätselhafte Handy-Lücke
Auch die Handynutzung der Angeklagten beschäftigte das Gericht. Auf ihrem Smartphone registrierten die Ermittler innerhalb weniger Tage Zehntausende Aktivitäten. Umso auffälliger ist für sie daher eine rund 90-minütige Unterbrechung. Kurz nachdem Gina H. einem Bekannten ein Foto eines Waldwegs geschickt hat, war ihr Handy nicht mehr erreichbar. Laut RTL bezeichnete ein Ermittler dies als aussergewöhnlich. Erst rund eineinhalb Stunden später wurde das Gerät gemäss den Ermittlungsdaten wieder eingeschaltet.
Sorge um Brandbeschleuniger
In abgehörten Telefonaten zeigte sich Gina H. besorgt, dass sich möglicherweise noch eine Flasche mit Brandbeschleuniger in ihrem Auto befinden könnte. «Ich bin diejenige, die am Arsch ist, weil sie mir irgendeinen Scheiss anhängen wollen», sagte sie in einem Gespräch. Später fügte sie hinzu: «Ich weiss nicht, ob die noch da liegt, ich hoffe nicht.» In einem weiteren Telefonat beteuerte sie zunächst ihre Unschuld. Kurz darauf sagte sie jedoch: «Scheisse, nicht, dass ich den Brandbeschleuniger noch im Auto hab. Ich bete dafür, dass der nicht im Auto ist.»
Bereits zuvor hatte ein Brandermittler erklärt, am Fundort sei vermutlich ein flüssiger Brandbeschleuniger eingesetzt worden. Bei Gina H. wurde zudem eine angebrochene Grillanzünderflasche sichergestellt. Laut dem Sachverständigen hätten bereits 600 Milliliter ausgereicht, um die Brandspuren zu verursachen. Ob die Flasche tatsächlich mit der Tat in Verbindung steht, ist Gegenstand des Verfahrens.
Widersprüche bei Suchaktion
Auch das Verhalten der Angeklagten während der Suche nach Fabian rückte am zehnten Verhandlungstag in den Fokus. Gemäss ausgewerteten Nachrichten bezeichnete Gina H. die Suchaktionen der Polizei in den Waldgebieten südlich von Güstrow als «Bullshit» und «Schwachsinn». Kurz darauf soll sie jedoch einen Bekannten gefragt haben, ob er sie bei einer Suche im Raum Klein Upahl unterstützen könne. Dabei verwies sie laut Ermittlungsunterlagen auf dessen Erfahrung als Jäger und seine technische Ausrüstung. Zu den Hintergründen sollen in den nächsten Tagen weitere Zeugen aussagen.
Pick-up-Reinigung
Auch der Pick-up der Angeklagten war Thema. Ein Forensiker erklärte, Sprachnachrichten deuteten darauf hin, dass Gina H. das Fahrzeug am Tag von Fabians Verschwinden gereinigt habe. Auf den Aufnahmen seien Bürstengeräusche zu hören gewesen. Später verschickte sie laut Ermittlern Fotos des Wagens an einen Bekannten. Nach dem Fund des Kindes soll sie gegenüber der Polizei jedoch angegeben haben, das Fahrzeug nicht gereinigt zu haben.