Sie haben alles verloren
Augenzeugen berichten vom Inferno von Griechenland

Panagiotis Dagalos hat seine Frau auf der Flucht vor den Flammen im griechischen Mati aus den Augen verloren. Er macht sich wenig Hoffnung sie je wiederzusehen. Auch andere Menschen erleiden harte Schicksalsschläge.
Publiziert: 25.07.2018 um 14:27 Uhr
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Aktualisiert: 07.09.2022 um 23:54 Uhr

Mehr als einen Tag nach dem Flammeninferno in Griechenland trauen sich Menschen langsam in die Überbleibsel ihrer Häuser zurück. Von «Aufräumarbeiten» kann man vielerorts allerdings nicht sprechen, denn oft ist schlichtweg nichts übrig geblieben, was sich aufräumen liesse. Vor allem im Urlaubsort Mati, östlich von Athen, hinterliessen die Flammen eine verkohlte Schneise der Zerstörung. Der materielle Verlust ist dabei bei Weitem nicht das Schlimmste. Panagiotis Dagalos hat seine Frau auf der Flucht vor den Flammen aus den Augen verloren. Er macht sich wenig Hoffnung sie je wiederzusehen.

«Es ging alles so schnell. Als wir mit dem Auto weg wollten, war hier plötzlich alles voller Fahrzeuge. Ich habe unser Baby geschnappt und bin hinunter zum Meer gerannt. Ich weiss nicht, was meiner Frau passiert ist, ob sie hier verbrannt ist. Den Weg zum Wasser hatte ich noch im Kopf. Wir waren ja dort, am letzten Urlaubstag.»

Finnischer Tourist Jaakob Makinen: «Es war eine schreckliche Situation gestern. Alles war voller Rauch, Asche flog durch die Luft. Wir mussten aus dem Hotel fliehen, an den Strand. Aber auch dort holte uns das Feuer ein, umzingelte uns regelrecht. Deshalb mussten wir ins Mehr gehen – sogar unter Wasser, damit wir keine Verbrennungen an Kopf und Haaren bekommen. So warteten wir mehrere Stunden, bis wir gerettet wurden.»

Anwohnerin Glykeria: «Ohje, was sollen wir bloss machen, ein ganzes Leben. Der Herd ist hinüber, der Kühlschrank ist hinüber. Alles ist kaputt. Nichts ist mir geblieben. Nichts. Es ist ein Desaster. Sehen Sie, sogar mein Kleid hat Löcher von den Funken, die auf uns hinunter fielen. Aber wir hatten Glück, wir gingen zum Hafen und blieben dort bis es dämmerte. Niemand kam, um uns zu helfen.»

Suchteams durchforsten unterdessen weiter die Ruinen. Die Zahl der Toten steigt weiter. Die Anzahl der Vermissten ist nach wie vor unklar.

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