Reaktion auf #metoo
Schweden müssen vor Sex um Erlaubnis bitten

In Schweden braucht es in Zukunft vor jeder Sex-Nummer die offizielle Einwilligung der Partner. Kritiker dieser Massnahmen werden abgestraft.
Publiziert: 20.12.2017 um 10:05 Uhr
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Aktualisiert: 13.09.2018 um 04:51 Uhr
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Kein Sex ohne ausdrückliche Einwilligung und keine Prostitution: Schweden verschärft die Gesetze.
Guido Felder

Die #metoo-Debatte erreicht Schweden - und hat juristische Folgen. Um Frauen (und Männer) besser vor sexuellem Missbrauch zu schützen, will Schwedens Regierung auf den 1. Juli 2018 das «Einverständnis-Gesetz» einführen.

Das geht so: Vor dem Sex müssen alle beteiligten Partner dem anderen aktiv das Okay geben. Stillschweigen automatisch als Zustimmung zu interpretieren, gilt nicht mehr.

Diese Regel gelte selbst für lange verheiratete Paare, erklärt der schwedische Jurist Kristofer Stahre auf der schwedischen News-Plattform «nyheter24.se».

«Sex muss freiwillig sein»

Der sozialdemokratische Ministerpräsident Stefan Löfven sagte in seiner Weihnachtsrede: «Die Botschaft ist einfach. Du musst dich bei der Person, mit der du Sex haben willst, erkundigen, ob sie Sex haben will. Wenn du dir unsicher bist, musst du es lassen. Sex muss freiwillig sein.»

Auch sie müssen sich vor dem Sex das O.K. geben: Ministerpräsident Stefan Löfven mit seiner Frau Ulla.

Das neue Gesetz erlaubt es den Strafverfolgungsbehörden, mehr sexuelle Handlungen als Vergewaltigung zu ahnden. Neu gibt es die Tatbestände «unachtsame Vergewaltigung» und «unachtsamer sexueller Übergriff».

Zeitung wirft Kritiker raus

Das Gesetz muss noch im Parlament abgesegnet werden, dürfte wohl aber auf Zustimmung stossen.

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Die Parteien stehen hinter dem Gesetz. Wehe jenen, die sich dagegen stellen. Die Zeitung «Aftonbladet» feuerte fristlos einen preisgekrönten Journalisten, der sich in einer persönlichen Kolumne über die «Hexenjagd» auf Männer beschwerte.

Der Autor kritisierte in seinem Text vom 27. November die Entlassung vieler Männer aufgrund nicht nachgewiesener Anschuldigungen von Frauen sowie die Namensnennung von Beschuldigten in den Medien. Das Prinzip der Unschuldsvermutung werde auf diese Weise aufgehoben.

Und wie beweisen?

Weitere Kritik kommt von einer Frau: Anne Ramberg, Generalsekretärin des schwedischen Anwaltsverbands, bezeichnet das Gesetz als populistisch und überflüssig, da sexuelle Gewalt schon im bestehenden Gesetz verboten sei. Zudem sieht sie ein grosses Problem in der Beweislage. Ramberg im Sender SVT: «Erwachsene Menschen wissen doch, dass man nicht vor jedem Akt verhandelt und ein Abkommen auf diese Weise setzt.»

Das neue Gesetz ist weltweit einzigartig. Nur an kalifornischen Schulen wird den Studenten vorgeschrieben, vor dem Sex ihr Einverständnis mit einem eindeutigen Ja zu signalisieren.

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Anm. d. Red.: Nach diversen Reaktion von Social-Media haben wir diesen Artikel leicht angepasst. Die Aussage bleibt aber gleich: Ja, auch Ehepaare sind vom Gesetz betroffen - da es für alle Schweden gilt.

Hotels spionieren Gäste aus

Seit Schweden das Prostitutions-Verbot eingeführt hat, gehen die Behörden gnadenlos gegen Freier vor. Kunden werden für den Kauf von Sex mit bis zu einem Jahr Gefängnis bestraft, selbst wenn sich Frauen aus freien Stücken anbieten. Prostituierte bleiben straffrei.

Durch das Verbot findet die Prostitution in der Illegalität statt – oft in Hotels. Aus diesem Grund haben schwedische Hotelketten Massnahmen beschlossen. Die Mitarbeiter werden geschult, mögliche Freier anzusprechen und zu melden. Es wird sogar geschnüffelt: Zimmermädchen müssen im Abfall und möglichen Verstecken nach Kondomen und Bargeld suchen. Bereits lassen sich Hotels, die aktiv Prostitution bekämpfen, auszeichnen. Wer für Null-Toleranz einsteht, darf sich «Fair Sex Hotel» nennen.

Seit Schweden das Prostitutions-Verbot eingeführt hat, gehen die Behörden gnadenlos gegen Freier vor. Kunden werden für den Kauf von Sex mit bis zu einem Jahr Gefängnis bestraft, selbst wenn sich Frauen aus freien Stücken anbieten. Prostituierte bleiben straffrei.

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