Polit-Geograf Michael Hermann
«Er schafft sich immer mehr Feinde»

Fast vier Monate ist US-Präsident Donald Trump nun im Amt. Senator Angus King forderte als Erster Trumps «Impeachment». Eine Amtsenthebung hält Polit-Experte Michael Hermann dennoch für eher unwahrscheinlich.
Publiziert: 18.05.2017 um 09:18 Uhr
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Aktualisiert: 30.09.2018 um 15:27 Uhr
Polit-Geograf Michael Hermann.
Interview: Stéphanie Jenzer

US-Präsident Donald Trump (70) hat in den vergangenen Tagen erneut für Kopfschütteln gesorgt. Er hat angeblich Informationen an die Russen ausgeplaudert, FBI-Chef James Comey (56) ungerechtfertigterweise seines Amtes enthoben und die Ermittlungen rund um Ex-Sicherheitsberater Mike Flynn (58) behindert. Polit-Geograf Michael Hermann macht für BLICK eine Einschätzung der Lage. 

Herr Hermann, wie gravierend sind die jüngsten Vorfälle rund um US-Präsident Donald Trump?
Michael Hermann:
Das ist vielleicht noch nicht rechtlich, aber sicher politisch sehr gravierend. Er hat den ganzen Flohzirkus nicht im Griff, denkt zu kurzfristig und schätzt die Folgen falsch ab. Zudem nützt er seine Autorität aus, um sich Ärger vom Hals zu halten.

Worauf müssen wir uns noch gefasst machen?
Ein Vorfall zieht den nächsten mit sich. Trump schafft sich mit seinen Handlungen immer mehr Feinde, die immer mehr Indiskretionen weitergeben. Allerdings gibt es dadurch auch einen Abnützungseffekt. Wenn immer ein neuer Skandal die alten Ereignisse überschattet, werden die einzelnen quasi erschlagen. Man kann dies fast als eine Art Überlebensstrategie Trumps bezeichnen. 

Wie gross ist die Kritik bei den Republikanern?
Derzeit hat Trumps eigene Partei noch kein Interesse daran, ihren Präsidenten anzugreifen. Sonst könnte sie ihre eigene Agenda nicht durchbringen. Selbst bei der Watergate-Affäre von Nixon stand dessen eigene Partei sehr lang hinter ihm. Der Vergleich mit der Watergate-Affäre wird zurzeit immer lauter. Probleme unter den Republikanern wird es sehr wahrscheinlich erst dann geben, wenn die Parteikollegen Angst um ihre Wiederwahl haben.

Was braucht es denn noch alles, damit Trump kippt?
Allein für den Start eines Verfahrens müssten sich Teile der eigenen Partei gegen Trump stellen. Eine tatsächliche Amtsenthebung wäre damit aber immer noch unwahrscheinlich. Politisches Versagen allein reicht nicht aus. Laut Verfassung kommen eher Hochverrat, Bestechlichkeit oder andere Verbrechen in Frage, und am Schluss müssten ihn zwei Drittel des Senats für schuldig befinden.

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