Er wusste es schon vor 100 Jahren
Forscher bestätigen Einsteins Relativitätstheorie

Ein Forschungsteam der Europäischen Südsternwarte in Garching hat erstmals feststellen können, dass sich ein Schwarzes Loch im Zentrum unserer Milchstrasse genauso verhält, wie Albert Einstein es vor rund 100 Jahren vorhergesagt hat.
Publiziert: 29.07.2018 um 13:07 Uhr
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Aktualisiert: 07.09.2022 um 23:53 Uhr

Albert Einstein gegen Isaac Newton 1:0. Forscher der Europäischen Südsternwarte (ESO) haben zum ersten Mal eine Bestätigung für die Relativitätstheorie des Physikers gefunden. Einstein hatte vor über 100 Jahren vorhergesagt, was einem Stern widerfahren müsste, der sich einem Schwarzen Loch nähert.

Als Testobjekt guckte sich das ESO-Team einen bestimmten Stern in der Milchstrasse aus. Das Schwarze Loch ist 26'000 Lichtjahre von der Erde entfernt und hat die vier-millionenfache Masse unserer Sonne aus, wie Frank Eisenhauer vom Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik erklärt.

«Der Stern kommt dem Schwarzen Loch alle 16 Jahre sehr nah, dabei fliegt er unglaublich schnell, mit etwa drei Prozent der Lichtgeschwindigkeit, das sind mehr als 25 Millionen Kilometer pro Stunde. Und wenn Einstein Recht hat, müsste der Stern sein Erscheinungsbild ändern, wenn er dem Schwarzen Loch ganz nah ist. Dann gehen die Uhren auf dem Stern langsamer und sein Lichtwellen werden gedehnt. Durch die Gravitation des Schwarzen Loches erscheint der Stern rötlicher, diesen Effekt nennt man Gravitationsrotverschiebung.»

Wenn man begreife, wie die Gravitation im Sonnensystem wirke, könne man das ganze Universum verstehen, sagt Odele Staub vom Observatorium in Paris.

«Das Zentrum unserer Galaxis war unser Testlabor. Und es ist uns zum ersten Mal gelungen, die Gravitation in diesem Zentrum zu untersuchen, mit einem Schwarzen Loch und einem Stern, der es umkreist. Und das ist das wirklich grosse Ding: Wir haben gesehen, dass sich das Schwarze Loch genauso verhält, wie Einstein es ge sagt hat. Durch Newtons Modell kann das nicht mehr erklärt werden.»

Während Newton im 17. Jahrhundert die Gravitation als Kraft betrachtete, die Körper von ihren Raumzeitgeraden ablenkt, sagte Einstein voraus, dass ein massereicher Körper wie ein schwarzes Loch die Raumzeit verzerren müsse. Nun hofft das Forschungsteam, auch Phänomene zu entdecken, die sich durch Einsteins Relativitätstheorie nicht erklären lassen. Dann könnten sie vielleicht ein neues Erklärmodell entwickeln, dass das Universum noch besser beschreibt.

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