Katastrophen-Tag auf SRF «Die Gefahr eines Blackouts ist real»

Das dunkle Jahr der Kriege und Katastrophen ist bald vorbei. Doch beim SRF geht es im gleichen Stil weiter. Ausgerechnet zum Jahresanfang 2017 beglückt uns der Service public mit einem Katastrophen-Tag. Die SVP freuts!

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2016 war ein Jahr der Kriege und Katastrophen. Endlich ist es bald vorüber! Noch zwei Tage, dann können wir auf ein hoffentlich besseres neues Jahr anstossen. Doch geht es nach dem Sendeplan von SRF, ist die Freude von kurzer Dauer. Ausgerechnet am zweiten Neujahrstag serviert der Service-public-Sender einen neunstündigen Service Panik. Ein Thementag widmet sich dem Szenario eines dreitägigen totalen Stromausfalls in der ganzen Schweiz.

Kern bildet der mehrstündige fiktionale Dokumentarfilm «Blackout». Er kombiniert fiktionale Handlungsstränge, die sich aber genau so abgespielt haben könnten. Eingebettet ist der Film in eine ganztägige Livesendung, in der Expertinnen und Experten das Gezeigte einordnen. Zwar wird ein fiktionales Ereignis präsentiert, das Szenario eines Blackouts ist laut Experten aber realistisch.

Applaus von den Gegnern der Energiewende

Schwer verdauliche TV-Kost am letzten freien Tag der Festtage. Kein Problem, finden die TV-Verantwortlichen: «Es macht unseres Erachtens Sinn, für einen Thementag ein Datum zu wählen, an dem hoffentlich viele Zuschauer Zeit und Musse haben, sich vertieft auf ein Thema einzulassen» sagt Natalie Rufer, «Blackout»-Projektleiterin bei SRF. Es gehe nicht darum, den Teufel an die Wand zu malen. «Die Gefahr eines grossen Blackouts ist aber real, was Experten des Bundes bestätigen.»

Rufer erhält Applaus aus ungewohnter Ecke. SVP-Nationalrat Maximilian Reimann (74), sonst scharfer Kritiker des SRF, sagt: «Mit der von Doris Leuthard geplanten Energiewende ist ein Strom-Blackout keine Fiktion, sondern ein realistisches Szenario.» Mit seiner Partei sammelt er eifrig Unterschriften gegen die Energiewende. «Das Datum der Sendung ist optimal, die Sammelfrist läuft demnächst ab.»

Das Schreckenszenario ist wenig realistisch

Weniger begeistert zeigt sich die Strombranche. Die Fakten sprechen eine andere Sprache: Im internationalen Vergleich hat die Schweiz eine hohe Versorgungssicherheit. 2015 mussten die Schweizer gemäss der Aufsichtsbehörde Elcom im Schnitt während 21 Minuten ohne Strom auskommen – international ist das ein tiefer Wert. Das vom Schweizer Fernsehen gewählte Schreckensszenario sei deshalb wenig realistisch, sagt Sandro Pfammatter, Sprecher des Verbandes Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE): «Es ist löblich, wenn sich ein Klassenprimus Gedanken macht, was passieren könnte, wenn an allen Fronten alles schiefgeht. Und es gibt eine spannende Geschichte. Eine fiktive Geschichte halt – keine, die das Leben schreibt.»

Der fiktiven Katastrophe am zweiten Neujahrstag sieht Frank Baumann gelassen entgegen: «Das Datum ist okay. Wenn SRF das Jahr mit dem Schlimmsten beginnt, haben wir das schon mal hinter uns», sagt der Werber und Satiriker, «dann kann es nur noch besser werden».

 

Nicht nur das SRF beschäftigt sich mit dem totalen Blackout. Der Schriftsteller Marc Elsberg (49) stellte sich 2012 in seinem Buch «Blackout» eine Welt vor, die plötzlich keinen Strom mehr hat. Menschen sterben wegen Kälte, Nahrungsmangel und Unruhen. Der Österreicher sprach mit vielen Vertretern aus der Stromwirtschaft und der Informatik. Der Thriller stand mehrere Jahre auf der Spiegel-Bestsellerliste und zeigt anschaulich die Abhängigkeit von Elektrizität und die Verwundbarkeit unserer Gesellschaft.

Publiziert am 29.12.2016 | Aktualisiert am 13.01.2017
Das Buch «Blackout». ZVG

«Blackout», das Buch

Nicht nur das SRF ­beschäftigt sich mit dem totalen Blackout. Der Schriftsteller Marc Elsberg (49) stellte sich 2012 in seinem Buch «Blackout» eine Welt vor, die plötzlich keinen Strom mehr hat. Menschen sterben wegen Kälte, Nahrungsmangel und Unruhen. Der Österreicher sprach mit vielen Vertretern aus der Stromwirtschaft und der Informatik. Der Thriller stand mehrere Jahre auf der Spiegel-Bestsellerliste und zeigt anschaulich die Abhängigkeit von Elektrizität und die Verwundbarkeit unserer Gesellschaft.

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22 Kommentare
  • Schorsch  Schweizer aus Bern
    29.12.2016
    Was die Leite im TV machen ist ganz der falsche Ansatz. Mann muss nicht überlegen wie man ohne Strom auskommt, sondern einfach ein Stromagregat das mit Benzin/Diesel betrieben ist für die kurze Stromlücke an der Eingangssicherung anschliessen.
  • Susanne  Reich 29.12.2016
    Vielleicht sind wir einfach zu verwöhnt und dieser Beitrag führt uns endlich vor Augen, dass nicht immer alles selbstverständlich ist. Es ist doch ganz gut, wenn man sich mal ein paar Gedanken über solche Möglichkeiten macht und sich evtl. - auch durch Vorrat - etwas vorbereitet.
  • Urs  Schaad aus Zürich
    29.12.2016
    Das ist kein Panikfilm, das ist der Energiewende Dokfilm 2040. Offenbar hat sich auch im Leutschenbach herumgesprochen, dass SRF nachts bei minus 10 Grad und Windstille für den Betrieb des Belehrungs-TVs Strom braucht. Und diesmal möchte man unbedingt zu denen gehören, welche es schon immer gewusst haben, weil man die Verantwortung für die bald kaputtorganisierte Energieversorgung nicht der SVP wird in die Schuhe schieben können.
  • Jürg  Brechbühl aus Eggiwil
    29.12.2016
    Seit Leuthard von der Energiewende schwafelt, habe ich mir einen Honda-Generator angeschafft. Es gibt zwar auch billige aus China, aber ich dachte, ich muss dann schon sicher sein, dass er läuft, wenn man ihn braucht.
  • Peter  Leo 29.12.2016
    Mit fiktive Katastrophenfilmen auf Zuschauerfang gehen, wird sich hoffentlich irgendwann totlaufen. Das ganze wird immer wie dümmlicher. Man tischt Laien etwas auf, das oberflächliche Macher zusammenbrauen. Je länger je mehr.