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Marc Forster (39) in Bregenz (A): «Ich hätte Bond gern in der Schweiz gedreht»

«007»-Regisseur Marc Forster erklärt, warum die Schweiz seine Heimat ist und Daniel Craig der perfekte Mann im Dienste Ihrer Majestät.

Interview: Gabriel Brönnimann | Aktualisiert um 00:00 | 11.05.2008
Das Bond-Trio für «Quantum of Solace» auf der Bregenzer Seebühne: Bond-Girl Olga Kurylenko, 007 Daniel Craig und Regisseur Marc Forster. (Keystone)
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Sie drehten mehrere Wochen in Bregenz am Bodensee. Warum haben Sie «James Bond» nicht in die Schweiz gebracht?
Marc Forster:
Ich hätte «Bond» gern in der Schweiz gedreht. Würde die Seebühne mit dem Riesenauge auf dem Zürichsee stehen, hätten wir dort gefilmt. Aber dem ist leider nicht so. Die Seebühne auf dem Bodensee ist perfekt: Es gibt die «Bond»-Tradition mit dem Auge, dann die Eröffnungssequenz mit dem Revolverlauf. Zudem ist die Oper «Tosca» eng mit der Handlung von «Quantum of Solace» verknüpft.

In Deutschland gelten Sie als deutscher, bei uns als Schweizer. Als was fühlen Sie sich?
Fragen Sie mal Anatole Taubman, der müsste mit seinen fünf Pässen längst eine Identitätskrise haben. Im Ernst: Ich bin in der Schweiz aufgewachsen, ging hier zur Schule, mein Herz schlägt für die Schweiz, sie ist meine Heimat. Aber den Pass habe ich leider noch nicht. Letztlich kommt es aber wohl nicht so sehr darauf an, denn wir sind alle ein Teil dieser Welt.

Sie waren anfänglich unsicher, ob Sie «Quantum of Solace» überhaupt drehen wollen ...
Daniel Craig war mit ein Grund, warum ich mich schliesslich für den Film entschieden habe. Er ist ein wahnsinnig interessanter Schauspieler. Er strahlt grosse psychologische Tiefe und Komplexität aus. Das sind die Schauspieler, mit denen ich am liebsten drehe.

Warum fasziniert ein Dinosaurier wie James Bond eigentlich auch noch bald 50 Jahre nach der ersten Verfilmung?
Sicher auch wegen Daniel Craig. Aber es geht natürlich noch um viel mehr: Gut und Böse sind nicht mehr klar erkennbar. Ist es der Politiker oder das Grossunternehmen? Im Zentrum der Geschichte steht immer die Frage des Vertrauens. Oder: Wer kann sich auf wen überhaupt noch verlassen?

Erleben wir unter Ihrer Regie einen Quantensprung in der persönlichen Entwicklung von «007»?
Ich würde nicht gerade von einem Quantensprung sprechen. Gewisse Dinge sind bei James Bond ja einfach gegeben: die Bösen, das Bond-Girl ... Aber wir dürfen nicht vergessen: James Bond ist ja immer auch ein Killer. Und wenn man jemanden umbringt, dann ist das innere Gleichgewicht weg, dann ist es mit der Nonchalance vorbei.

Bond verliert seine Nonchalance?
Töten hinterlässt tiefe psychologische Spuren – in jedem Menschen. Und das will ich zeigen: Dass eine solche Person auch schwer gestört sein kann. Bond ist also nicht nur ein Held. Ausserdem hat er schon im letzten Film jemanden verloren, der ihm sehr nahestand: seine Freundin Vesper Lynd. Das prägt ihn zusätzlich.

Vielleicht will das Publikum gar nicht so tief in Bonds Seele blicken?
Das glaube ich aber schon. Es ist immer interessant, tiefer in eine Psyche zu gehen. Daniel Craig als James Bond war letztes Mal deshalb so erfolgreich, weil man sich wirklich mit ihm identifizieren konnte. Er war nicht wie andere Helden makellos. Er hat Fehler, somit ist er menschlich. «Das könnte ja fast ich sein», hat sich wohl mancher Zuschauer gedacht. Klar will man bei Bond auch Action, das Unglaubliche, die ganzen Spielzeuge. Zugleich ist die Glaubwürdigkeit wichtig. Das ist der schmale Grat, auf dem wir wandern.

Was kommt für Sie nach «Bond»?
Keine Ahnung. Ich wollte schon nach «The Kite Runner» pausieren. Doch dann kam eben «007». Ich arbeite nun schon seit sechs Jahren ohne Unterbruch. Als Nächstes sind Ferien angesagt, lange Ferien.



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Dreamteam: Regisseur Marc Forster (r.) mit Bond-Darsteller Daniel Craig. (Keystone)
Dreamteam: Regisseur Marc Forster (r.) mit Bond-Darsteller Daniel Craig. (Keystone)

Mama Forster im neuen ‹Bond›

(Paolo Foschini/smile-to-me.ch)
(Paolo Foschini/smile-to-me.ch)

Eine Nacht stand Ulli Forster (64) für ihren Sohn vor der Kamera. Sie spielt eine Nachtschwärmerin, die sich in einer Bar vergnügt. «Es ist bloss eine Statistenrolle», wiegelt sie ab. «Aber es hat Riesenspass gemacht.» Sie habe schon immer in einem Film mitmachen wollen. «Dank meinem Sohn wurde der Traum jetzt endlich wahr.»

«Quantum of Solace» (Karen Ballard / LLC, United Artists, Columbia Pictures)
(Karen Ballard / LLC, United Artists, Columbia Pictures)
(Karen Ballard / LLC, United Artists, Columbia Pictures)
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