Swiss-Olympic-Arzt Noack zu den Asthma-Norwegern «Das ist scheinheilig!»

Schon vor dem Weltcup-Start ist beim Langlauf Zunder drin. Schuld sind die Dopingfälle in Norwegen.

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Dopingfälle am Langlauf Weltcup in Norwegen play

Therese Johaug und Martin Johnsrud Sundby sorgten in der Langlauf-Szene während des Gesamten Sommers für Gesprächsstoff. Beide blieben in einer Dopingkontrolle hängen.

Johaug wurde eine falsche Sonnencreme zum Verhängnis. Sie wartet noch auf ihr Urteil und fehlt beim Saisonstart in Kuusamo. Sundby hingegen ist dabei. Er wurde erwischt, weil er nicht genug von seinem Asthma-Spray kriegen konnte. Und löste damit in Norwegen einen Skandal aus.

Denn nach dem Sundby-Schock deckte der Fernsehsender TV 2 auf, dass die Teamleitung allen Athleten den Gebrauch des Asthmamittels Salbutamol grundsätzlich empfahl. Selbst kerngesunde Athleten sollten eben jenes Mittel vorbeugend einnehmen, dass Sundby zum Verhängnis wurde.

«Es ist schon etwas speziell, was bei den Norwegern geschehen ist», sagt Swiss-Olympic-Arzt Patrick Noack, der bei den Olympischen Spielen 2018 Chefarzt der Schweizer Delegation sein wird. «Sie stellen sich immer so ethisch sauber dar. Das ganze ist vor diesem Hintergrund doch etwas scheinheilig.»

Noack spricht an, dass etwa Höhenzimmer oder Druckkammern im Land verboten sind. Und gleichzeitig werden dann die Athleten mit dem Asthmaspray vollgepumpt. Absurd dabei ist, dass lungengesunde Athleten davon eigentlich gar nicht gross profitieren können. «Höchstens bei schmutziger Luft etwas», erklärt Noack.

So oder so reicht es in Norwegen für einen grossen Aufschrei. Dort, wo Doping so derart verpönt ist, mischt sich sogar der Staat ein. Längst ist eine Aufklärungskommission daran, jeden Stein umzudrehen. Das fünfköpfige Team aus Norwegen, Dänemark, Finnland und Schweden soll eruieren, ob das norwegische Team mit seinem Verhalten gegen Ethik und Moral verstossen hat.

Sicher ist, dass die norwegischen Athleten nun etwas vorsichtiger sein werden, wenn sie die Pumpe ansetzen. Ob das die sportliche Stärke der Langlauf-Nation Nummer 1 mindern wird, ist fraglich. Höchstens ein psychologischer Effekt kann durch den Verzicht auf das Spray wegfallen.

Noack stellt übrigens klar, dass im Schweizer Team keine gesunden Athleten ein Asthmaspray einnehmen. «Es ist etwa ein Drittel des Teams, das Asthma-Mittel braucht», erklärt er. «Sie funktionieren eher so, dass sie das Mittel nicht nehmen wollen. Sie machen es nur, wenn sie müssen.»

Publiziert am 25.11.2016 | Aktualisiert am 07.12.2016
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4 Kommentare
  • Bruno  Meier aus Urdorf
    03.12.2016
    Wenn jemand krank ist, und gegen seine Krankheit Medikamente konsumiert, ist das in Ordnung. Nur treibt er dann keinen Spitzensport. Das gilt auch für die psychisch kranke US-Olympiasiegerin im Kunstturnen, Simone Biles, welche für den Wettkampf mit Ritalin ruhiggestellt werden musste. Sowas ist wirklich nur noch "krank". Man will keine Kranken sehen beim Wettkampf. Wer krank ist, soll nicht trainieren und vom Wettkampf ausgeschlossen werden. Ausser, er macht es ganz ohne verbotene Medis.
  • Georg  Kaiser , via Facebook 26.11.2016
    Während in der normalen Bevölkerung ca. 5 Prozent Asthmatiker sind, scheinen ca. 2/3 aller Sportler Asthmatiker zu sein!?!?
  • Ruth  Müller , via Facebook 25.11.2016
    ...einfach ganz ruhig vor der eigenen haustüre wischen...und sich ja nicht erwischen lassen!
  • Maria  Lysk 25.11.2016
    Athleten wurde zur Vorbeugung Mittel wie Atrovent, die nicht auf der Dopingliste der Wada stehen, empfohlen, nicht Salbutamol! Kritik an den Norwegern ist sicherlich angebracht, aber die Fakten sollte man schon richtig wiedergeben.