Tennis! Sarah Meier geht fremd

  • Publiziert: 02.05.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Cécile Klotzbach

Sarah Meier hat ihre verkorkste Saison abgehakt. Voller Ambitionen, Elan und Hoffnung auf bessere Gesundheit nimmt sie die nächste in Angriff.

Sie sieht blendend aus. Braun gebrannt, kein Gramm Fett. Schlank und rank ist die durchtrainierte, filigrane Sarah Meier ja immer. Aber der frische Teint ist neu.

Zuletzt sah sie eher bleich, abgekämpft, etwas entmutigt aus. Das Leiden unter Diskushernie und Hüftproblemen, das ständige Kämpfen unter Schmerzen, das Hoffen und die zahlreichen Rückschläge hatten Spuren an der hübschen Eisprinzessin hinterlassen.

Jetzt wirkt sie, als seien in ihr neue Lebensgeister erwacht. Nach der WM in Los Angeles, die sie unter den gegebenen Umständen sensationell auf dem neunten Platz beendete, gönnte sich Sarah kurz entschlossen Ferien in Miami.

Das süsse Leben ist nun erst einmal vorbei

Dort wartete eine tennisbegeisterte Freundin, die nahe dem Turnier in Key Biscayne ein Appartement gemietet hatte. Sonne, Strand, Shopping in South Beach und nicht zuletzt das Faulenzen taten Sarah gut. Und weils so schön war, verlängerte sie über Ostern um weitere fünf Tage.

Mit «dolce far niente» ist es nun schon wieder vorbei. Gleich nach der Rückkehr stürzte sich die 24-jährige Bülacherin erneut in die Arbeit. Und die heisst: Fitness, Training, Biken und – animiert durch die Tage in Key Biscayne – neuerdings auch Tennis spielen. Es ist die Jahreszeit, in der Sarah den Grundstein für die kommende Saison legen kann. Legen muss, wenn sie das nächste grosse Ziel erreichen will: eine Olympia-Medaille 2010 in Vancouver.

Für dieses Ziel hat Sarah in den letzten Monaten körperliche wie seelische Qualen erlitten. Mutig trat sie trotz starker Schmerzen, mit grossem Trainingsrückstand und völlig ausser Form an der Weltmeisterschaft an – nur um der Schweiz die Quotenplätze für die nächsten Winterspiele zu sichern.

«Ich erwarte mehr von mir»

Mit bravourösem Erfolg, der die Frage aufdrängt: Was liegt für Sarah erst drin, wenn sie ganz fit ist? Selbst sie, die Bescheidenheit in Person, sagt: «Klar, Weltmeisterin Kim Yu-Na läuft in einer eigenen Liga. Aber alle anderen sind auch nur Menschen.»

Am nächsten internationalen Grossanlass werde sie zwar nicht mehr so frei wie in Kalifornien antreten können, denn dort habe niemand etwas von ihr erwartet. «Wenn ich gesund bin, steigt der Druck. Vor allem ich selbst erwarte dann mehr von mir.»

Halbe Sachen gibts für Sarah nicht. Sie ist angefressen, ehrgeizig, wohl auch ein wenig verrückt. Das bestätigt ihr Konditionstrainer Robin Städler: «Sie will sich ständig verbessern, macht super mit. Mit ihr macht der Job wirklich Spass.» Der Bündner Fitnesspionier, Erfinder und Gründer des Balancierbretts «Sypoba» (System Power in Balance), arbeitete schon mit
Ski-Legende Mike von Grünigen, Schwingerkönig Jörg Abderhalden, den Beachvolleyball-Brüdern Laciga sowie mit vielen Eishockey- und Fussball-Profis. Und seit nunmehr fünf Jahren auch mit Sarah.

Am Tag X muss die Form stimmen

In seinem Kraftraum in Jona stählt sich die Eiskunstläuferin ein- bis zweimal die Woche. Sie balanciert, hebt dabei Hanteln, nimmt minutenlang die gleichen Positionen ein. Und als wäre noch nicht genügend Schweiss geflossen, rennt sie noch eine halbe Stunde gegen das Laufband an.

Dort steht sie unter ständiger Beobachtung Städlers. Das ganze Jahr hindurch führt er Buch über Sarahs Puls und bestimmt damit ihren Fitness-Stand. «Wir befinden uns erst in der Aufbauphase», kommentiert er Sarahs momentanen Herzschlag. «Wir schaffen auf Tag X hin, dann muss die Form stimmen.» Tag X kommt im nächsten Februar – mit dem Startschuss der Olympischen Spiele.

«Das konnte ich in den letzten Monaten alles nicht mehr machen. Es tat zu weh!», haucht Sarah noch ganz ausser Atem. «Heute Nachmittag zittern mir aber bestimmt wieder die Beine auf dem Eis.» Tatsächlich – aufs Eis geht sie auch im Sommer jeden Tag! Aber jeweils nur eine Stunde lang, um das Gefühl nicht zu verlieren.

Schmerzen, versichert Sarah Meier, habe sie keine mehr. Auf eine Operation will sie deshalb definitiv verzichten. Und dass ihr Arzt diese Entscheidung unterstützt, freut sie ungemein: «Denn eine OP würde mich drei Monate lang ausser Gefecht setzen. Dann könnte ich kommende Saison gleich vergessen.»
Dabei soll doch gerade diese eine unvergessliche werden.

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