Doppel-Weltmeister Ivo Rüegg tritt zurück «Diese Chance muss ich packen»

  • Publiziert: 27.05.2010, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Carl Schönenberger
play Das Team SUI 1 mit Rüegg, Lamparter, Hefti und Grand. (Reuters)

Der erfolgreichste Schweizer Bob-Pilot der Gegenwart steigt aus. Ivo Rüegg (39) wechselt aus dem schnellen Schlitten ins Berufsleben. Er sagt Blick.ch warum.

Ivo Rüegg, ist Ihr Rücktritt die Konsequenz des Schweizer Bob-Debakels vom Februar bei den Olympischen Spielen in Vancouver?
Ivo Rüegg: Nein, es ist kein Frust-Entscheid. Sicher hatte ich immer von einer Olympia-Medaille geträumt. Jetzt bleibt das halt bei diesem Traum. Aber schliesslich habe ich und mein ganzes Team bei Olympia alles gegeben. Wir haben um diese Medaille mit aller Kraft gekämpft. Es hat halt einfach nicht gereicht.

Dann war der Rücktritt also geplant?
Auch das nicht. Ich bin in den letzten Wochen bereits dran gewesen, die nächste Saison zu planen.

Und dabei ist es finanziell nicht mehr aufgegangen, weil dem Bob-Verband die Sponsoren fehlen?
Nein, ich hätte es wohl noch einmal geschafft, mit meinen eigenen Sponsoren das Geld für eine weitere Saison zusammen zu bringen. Ich glaube auch, dass meine Anschieber mitgemacht hätten. Und ich habe mich auch schon auf die Zusammenarbeit mit unserem neuen Trainer Sepp Plozza gefreut. Immerhin habe ich mich persönlich stark dafür eingesetzt, dass der Erfolgstrainer der Amerikaner zu uns in die Schweiz zurück kommt.

Warum denn der plötzliche Gesinnungs-Wandel?
Das hat sich erst in den letzten Tagen so ergeben. Mein Privat-Sponsor «Ferag» will mit einer neuen Technologie im nordamerikanischen Markt stark werden. Und da haben mir Vater und Sohn Möckli, die treibenden Kräfte dieses Hinwiler Familien-Betriebs und beide früher selbst Bobfahrer, die Möglichkeit angeboten, mich ein Jahr lang in New Jersey kaufmännisch und betriebswirtschaftlich umschulen zu lassen und für sie als Verkaufsmanager tätig zu sein. Für mich als 39-Jähriger kommt dieses Angebot wie ein Lotto-Sechser. Diese Chance kann ich mir nicht entgehen lassen, denn sie bietet sich in einem oder zwei Jahren wohl nicht mehr.

Wie haben Ihre Anschieber reagiert, als Sie ihnen mitteilten, dass Sie Schluss machen?
Sie waren natürlich enttäuscht. Aber danach haben Sie mir zu dieser einmaligen Chance gratuliert und viel Glück gewünscht. Wie es für sie weitergeht, wissen sie wohl selbst noch nicht.

Das Thema Bob ist für Sie endgültig abgehakt?
Nein. Ich habe schon bisher meinen jungen Kollegen vom Bobclub Zürichsee, Gregor Baumann, unterstützt. Vielleicht sind wir Alten ihm im letzten Jahr auch etwas im Weg gestanden. Ich werde Gregor auch weiterhin helfen, damit er den Durchbruch schaffen kann. Er hat grosses Potenzial. Ich möchte auch unseren neuen Trainer Sepp Plozza unterstützen, wenn er meinen Rat braucht.

Sepp Plozzas Pläne

Der Engadiner Sepp Plozza hätte nach seinem Wechsel als Trainer der US-Bobstars zurück in die Schweiz natürlich gerne mit Ivo Rüegg gearbeitet. «Wir haben auch bereits über Ivos weitere Bob-Karriere diskutiert», sagt Plozza. Aber schliesslich habe er Verständnis für seinen Entscheid.

Der Schweizer Bob-Verband stecke nach den Rücktritten von Daniel Schmid, Maya Hafner und Ivo Rüegg und den fehlenden Sponsoren tatsächlich in einer schwierigen Situation. Plozza lässt sich davon nicht abschrecken. «Nach einem Olympia-Zyklus sind Wechsel bei Sponsoren, Athleten und Trainern normal», sagt er. «Es geht weiter im Bob. Sicher hatte die Schweiz schon bessere Voraussetzungen. In Sachen Athleten-Dichte stehen wir mager da. Aber grosse Sportler werfen eben oft auch grosse Schatten.»

Plozza sieht für den Schweizer Bob-Sport eine gute Zukunft. «Aber dafür brauchen wir jetzt halt einfach mehr Zeit. Mein Ziel ist es, bis Olympia 2014 in Sotschi wieder eine schlagkräftige Truppe zusammen zu haben. Jetzt sind wir nur noch ein Rumpfteam. Aber Beat Hefti ist im Zweier immer gut für eine Medaille. Im Vierer braucht er einfach noch Zeit. Und Gregor Baumann ist ein junger, hochtalentierter Pilot.»
Carl Schönenberger

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