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Wer ist dabei, wer hofft, unsere Chancen

  • Aktualisiert am 02.01.2012
  • Von Mario Casanova

TURIN – Noch einen Monat bis zum Olympia-Start. Der Qualifikationsdruck steigt und steigt. Wie siehts aus? Wer ist dabei? Wer hofft noch? Blick Online gibt Antworten.

Gut möglich, dass die Schweiz in Turin zwischen dem 10. und 28. Februar in 14 Sportarten auf Medaillenjagd geht, Diplome holt oder unter frei nach dem Motto «mitmachen ist wichtiger als siegen» vertreten ist.

Snowboard
In keiner anderen Sportart ist die Schweiz in der Weltspitze so stark vertreten (4 Startplätze pro Disziplin). Qualifiziert haben sich bei den Männern: Philippe und Simon Schoch, Heinz Inniger, Gilles Jaquet, Marc Iselin (Alpin), Markus Keller, Gian Simmen (Halfpipe), Ueli Kestenholz, Marco Huser (Halfpipe). Frauen: Daniel Meuli, Ursula Bruhin, Fränzi Kohli (Alpin), Manuela Pesko, Andrea Schuler (Halfpipe), Mellie Francon, Olivia Nobs (Boardercross). Hoffnungen machen sich noch Fredi Kalbermatten (Halfpipe) und Tanja Frieden (Boardercross). Medaillenchancen: Gross, wenn nicht schon Pflicht!

Skeleton
Gregor Stähli und Maya Pedersen-Bieri gehören zu den Gold-Favoriten. Tanja Morel braucht noch einen Topten-Platz. Medaillenchancen: Gross.

Eiskunstlauf
Weltmeister Stéphane Lambiel gehört zu den Medaillen-Anwärtern, Sarah Meier nähert sich der Weltspitze. Jamal Othman kanns an der EM (14.-21.1.) noch packen. Medaillenchancen: Gross.

Bob
Fix dabei: Martin Annen (mit Beat Hefti, Thomas Lamparter und Cédric Grand). Müssen Quali noch bestätigen: Ivo Rüegg (Roman Handschin, Andy Gees, Christian Aebli) sowie die Frauen-Pilotinnen Maya Bamert und Sabina Hafner. Medaillenchancen: Intakt.

Skispringen
Fix: Andreas Küttel, Simon Ammann, Michael Möllinger. Fürs Teamspringen wird auch Guido Landert mitgenommen. Medaillenchancen: Intakt.

Curling
Die Männer und Skip Ralph Stöckli (St. Galler Bär) und die Frauen um Mirjam Ott (Flims) überzeugten an der EM. Medaillenchancen: Intakt.

Freestyle
Renato Ulrich, Thomas Lambert und Christian Müller bei den Männern haben die Kriterien erfüllt, bei den Frauen Weltklasse-Springerin Evelyne Leu und Manuela Müller. Martin Wälti und Andreas Isoz liebäugeln noch mit Turin. Medaillenchancen: Intakt.

Ski
Verrückt, aber wahr: Noch niemand hat die Selektions-Kriterien zu hundert Prozent erfüllt (Topresultate sind auch im Januar gefordert). Mit einer Nominierung dürfen rechnen bei den Männern: Ambrosi Hoffmann, Tobias Grünenfelder, Bruno Kernen, Didier Défago, Didier Cuche, Silvan Zurbriggen. Frauen: Nadia Styger (einzige Schweizer Siegerin in diesem Winter), Sylviane Berthod, Fränzi Aufdenblatten. Hoffen dürfen: Marc Berthod, Daniel Albrecht, Marc Gini sowie Sonja Nef, Cathérine Borghi, Rabea Grand. Medaillenchancen: Intakt, aber es braucht einen Exploit.


Eishockey
Das Männer- und Frauenteam ist dabei. Die definitiven Kader müssen erst kurz vor Beginn der Spiele bekannt gegeben werden. Medaillenchancen: Gering.

Rodeln
Martina Kocher erfüllte Sleketionskriterien, Stefan Höhener benötigt noch einen Rang unter den ersten acht. Medaillenchancen: Gering.

Langlauf
Die Selektionskriterien haben bei den Männern erfüllt: Reto Burgermeister, Christoph Eigenmann, die Staffel (Burgermeister, Stebler, Bundi, Fischer). Frauen: Laurent Rochat. Bestätigung fehlt noch bei den Männern: Peter von Allmen, Gion Andrea Bundi (Einzel). Frauen: Seraina Mischol, Staffel. Medaillenchancen: Ein Exploit wie 2002 in Salt Lake City mit Frauen-Bronze in der Staffel ist nicht zu erwarten.

Nordische Kombination
Nur Ivan Rieder erfüllte bisher die Selektions-Kriterien ganz. Hoffen dürfen: Jan Schmid, Andreas und Seppi Hurscheler, Ronny Heer. Medaillenchancen: Keine.

Biathlon
Simon Hallenbarter hats geschafft. Matthias Simmen braucht noch ein Resultat. Medaillenchancen: Keine.

Short-Track
Sascha Lauber und David Grossenbacher brauchen an der EM vom kommenden Wochenende einen Topten-Platz. Medaillenchancen: Keine.

So wird selektioniert

Jeder Verband stellt Selektions-Richtlinien auf und erstellt eine Liste mit Namen, wer für die Olymischen Spiele selektioniert werden soll. Swiss Olympic entscheidet dann definitiv, wer nach Turin reisen darf.

Bisher sagte Swiss Olympic erst zu den beiden Eishockey- und Curling-Teams ja. Rund 100 weitere Athleten werden noch selektioniert. Über Härtefälle (vor allem Ski alpin) haben die Verbände ein Vorschlagsrecht, entschieden wird aber durch Swiss Olympic.

Die offizielle Selektionsphase endet am 30. Januar. Dann wird entschieden, wie gross die Delegation sein wird.

Skandal um Nagano

NAGANO – Nagano hat vor der erfolgreichen Bewerbung um die Olympischen Winterspiele 1998 offenbar massiv gegen die Ethik-Regeln des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) verstossen.

Gemäss der Nachrichtenagentur AP wurden allein für die «Unterhaltung der IOC-Mitglieder» 4,4 Millionen Dollar ausgegeben. Dazu seien 544000 Dollar für nicht näher bezeichnete Souvenirs sowie 776000 Dollar für nicht definierte Ausgaben gekommen.

Aus einem von Naganos Gouverneur Yasuo Tanaka schon im Februar 2004 in Auftrag gegebenen Bericht gehe weiter hervor, dass im Juni 1991 am Vorabend der Wahl allen IOC-Mitgliedern Video-Kameras in die Hotelzimmer gelegt worden seien.

Diese «Bewerbungsausgaben» übertreffen jene Summen, die im Bestechungsskandal von Salt Lake City bekannt geworden waren, um mehr als das Vierfache. Dem Olympia-Gastgeber von 2002, der die Wahl vier Jahre zuvor gegen Nagano verloren hatte, waren illegale Zahlungen in der Höhe von rund einer Million Dollar in bar sowie weitere Ausgaben für Flugreisen, Einkaufsgutscheine und Souvenirs nachgewiesen worden.

Nach dem Skandal um Salt Lake City, der zehn IOC- Mitgliedern das Amt kostete und zu Verwarnungen von zehn weiteren Olympiern führte, hatte das IOC Ende 1999 die Regeln für die Bewerbungsphase drastisch verändert. Neben einer Verschärfung des Ethik-Codes wurde seinen Mitgliedern der Besuch der Kandidatenstädte untersagt. Allerdings waren auch zuvor nur Geschenke im Gesamtwert von 200 Dollar pro IOC-Mitglied erlaubt.

Der von Tanaka angeforderte Bericht nennt weder die Namen der Veranlasser der Ausgaben noch führt er die IOC-Mitgliedern überreichten Geschenke im einzelnen aus. Nach dem Skandal um Salt Lake City soll Nagano die meisten seiner Bewerbungsunterlagen verbrannt haben.

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