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Noch einmal will Ralph Krueger als Coach der Schweizer Hockey-Nati an den Olympischen Winterspielen einen Grossen besiegen. Doch daraus wird nichts. Als die USA nach 42 Minuten mit einem erheblichen Chancenplus verdient mit 1:0 in Führung geht, können die Schweizer den «Defense first»-Hebel nicht auf Angriff umschalten.
Zu konsequent drücken die Amerikaner weiter aufs Tor von Jonas Hiller. Die Schweizer spielen zwar insgesamt deutlich mutiger als in der Vorrunde, die Power-Amis sind aber schlichtweg eine Nummer zu gross für die tapferen Schweizer.
103 Sekunden vor Schluss will es Ralph Krueger wissen, nimmt Goalie Hiller vom Eis. Doch anstatt den erwünschten Ausgleich zu erzielen, schlenzt NHL-Star Zach Parise den Puck ins leere Tor der Eidgenossen. Der amerikanische Doppeltorschütze beendet somit die Ära Krueger, die 1997 (!) begann.
13 Jahre, eine Ewigkeit! Vor der Ära Krueger besetzte fast nach jedem Turnier ein neuer «starker» Mann wie Hans Lindberg, Juhani Tamminen oder John Slettvol den Posten als Nati-Coach. Erst Ralph Krueger sorgte für konstant gute Leistungen und dafür, dass die Hockey-Nati nicht mehr um den Abstieg kämpfte, sondern sich immer mit den besten der Welt messen konnte.
Bei seinem Turnier-Debüt 1998 markierte der Deutsch-Kanadier sein Revier mit einem sensationellen 4. Platz an der Heim-WM. Auch der Erfolg an den Olympischen Spielen 2006 in Turin, als in der Vorrunde etwa Kanada besiegt wurde und am Ende ein 6. Rang resultierte, gehören zu Kruegers Nati-Highlights.
Es gibt aber auch Schattenseiten in der 13-jährigen Amtszeit von Ralph Krueger. Nach den Olympischen Winterspielen 2002 in Salt Lake City lässt er die zwei Topstürmer Reto von Arx und Marcel Jenni nach der Schlagzeilen trächtigen «Bier-Affäre» fallen. Seither spielen nicht mehr die besten Schweizer Hockeyspieler in der Nati, sondern die, die am besten ins Teamgefüge von Krueger passen – diese neue «Lex Krueger» macht den Coach nicht nur in den Medien angreifbar.
An der Heim-WM 2009 überspannt Ralph Krueger den Kommunikations-Bogen gewaltig. Anstatt der erträumten Medaillen gibt es für die Krueger-Truppe den enttäuschenden 9. Platz. Der Nati-Coach spricht nach der bitteren WM-Pille trotz euphorischem Heimpublikum von «Heimnachteil». Selbst hartgesottene Krueger-Anhänger schütteln bei dieser Aussage ungläubig den Kopf.
Höhen und Tiefen prägen somit die 13-jährige Ära Krueger. Dies widerspiegelt sich auch 2010 in Vancouver. In der Vorrunde folgt nach der 1:3 Auftaktpleite gegen die USA das beste Spiel der Nati gegen Kanada. Das Heimteam wird beinahe in die Knie gezwungen (2:3 n.P.). Der Zittersieg gegen Norwegen in der Verlängerung (5:4) und ein knapper Viertelfinal-Quali-Erfolg gegen Weissrussland (3:2 n.P.) liessen nicht auf einen Exploit gegen die USA hoffen. Die logische 0:2-Niederlage beendet somit Kruegers Ära.
Sein Ziel «einen Grossen zu besiegen» hat der charismatische Hockey-Lehrmeister zwar in seinem letzten Turnier als Nati-Coach verpasst, aber zu den «Kleinen» gehören wir dank Krueger schon seit 13 Jahren nicht mehr.