Iouri («iPod») Podladtchikov steht zwar im Final, muss sich aber mit dem undankbaren vierten Platz begnügen. Gold holt sich Shaun White.
Auf direktem Weg qualifiziert sich Iouri Podladtchikov für den Halfpipe-Final und zeigt einen soliden ersten Run. Im zweiten Durchgang greift er in den Schnee und bleibt auf den 42,4 Punkten sitzen.
Damit verpasst der Zürcher die Bronzemedaille nur ganz knapp. 0,4 Punkte liegt iPod am Schluss hinter Scott Lago aus den USA, der sich Bronze sichert. «Das tut weh, auch für die Zuschauer tut es mir leid», sagt Podladtchikov enttäuscht.
Gold geht erwartungsgemäss an den US-Superstar Shaun White. (keu)
Keller und Haller in der Qualifikation gescheitert
Der Halfpipe-Wettbewerb der Männer in Cypress Mountain beginnt mit einer Schweizer Enttäuschung: Markus Keller und Christian Haller scheiden vorzeitig aus.
Keller, Weltmeister 2003 und Anwärter auf eine Medaille, greift zweimal in den Schnee. «Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal so früh zwei solche Fehler gemacht hatte», sagt der 28-Jährige enttäuscht.
Ebenfalls nicht auf Touren kommt Haller, der im Vorfeld der Olympischen Spiele allerdings unter Verletzungsproblemen gelitten hat. Der amerikanische Topfavorit Shaun White gewinnt die erste Gruppe der Qualifikation.
Der Schweizer mit den grössten Medaillenchancen, Iouri Podladtchikov, kämpft ebenso wie Sergio Berger erst in der zweiten Qualifikations-Gruppe um den Einzug in den Final. (sau)
Snowboard. Halfpipe. Männer. Qualifikation. 1. Gruppe:
1. Shaun White (USA) 45,8. 2. Ryo Aono (Jap) 43,1. 3. Louie Vito (USA) 41,8. Ferner: 13. Markus Keller (Sz) 20,4. 17. Christian Haller (Sz) 16,0.
So lief die Qualifikation der ersten Gruppe
23.11 Uhr | Haller erhält 16,0 Punkte, kann sich aber nicht wesentlich verbessern: Rang 17.
23.07 Uhr | Christian Haller ist an der Reihe. Sein erster Run ging in die Hosen (nur 8,0 Punkte). Gelingt ihm jetzt eine Steigerung?
23.02 Uhr | Kein Fahrer kann die Spitze aufmischen. White, Aono und Vito führen mit komfortablem Vorsprung.
22.54 Uhr | Keller kann sich deutlich verbessern (13,6 Punkte bei seinem ersten Run, 20,4 beim zweiten) und liegt auf Rang 11.
22.52 Uhr | White (USA) führt vor Aono (Japan) und Vito (USA). Jetzt ist Markus Keller in der Pipe.
22.50 Uhr | Topfavorit Shaun Whites zweiter Run missglückt: Nur gerade 10,8 Punkte erhält er von der Jury! Dank seinem überragenden ersten Durchgang (45,8 Punkte) behält er aber die Spitzenposition.
22.48 Uhr | Der Amerikaner Louie Vito kann sich ebenfalls gewaltig steigern (26,1 zu 41,8) und belegt hinter White Rang zwei.
22.46 Uhr | Der Chinese XiaoyeZeng verbessert sich in seinem zweiten Run deutlich von 14,0 auf 32,8 Punkte. Das bringt in auf Rang vier.
22.42 Uhr | Die 20 bisher gestarteten Fahrer kommen nun noch einmal an die Reihe.
22.41 Uhr | Der grosse Favorit Shaun White aus den USA belegt nach einem Viertel der Starter mit 45,8 Punkten souverän den ersten Platz vor Ryo Aono (Japan), der nur auf 33,2 Punkte kommt. Den dritten Rang belegt momentan der Franzose Mathieu Crepel mit 32,6 Punkten.
22.37 Uhr | Haller erhält nur 8,0 Punkte und belegt den 18. Platz.
22.36 Uhr | Der Schweizer Christian Haller ist in der Halfpipe.
22.28 Uhr | James Hamilton von Down-Under erhält 5,2 Punkte und liegt auf dem letzten Platz.
22.26 Uhr | Ho-Jun Kim aus Südkorea übernimmt die rote Laterne (nur gerade 8,4 Punkte). An der Spitze steht noch immer mit grossem Abstand Shaun White (45,8 Punkte), vor dem Japaner Ryo Aono (33,2) und dem Franzosen Mathieu Crepel (32,6).
22.20 Uhr | Dem Schweizer Markus Keller gelingt der Run nicht wunschgemäss. Die 13,6 Punkte bringen ihm den derzeit letzten Platz.
22.16 Uhr | Gold-Favorit und Superstar Shaun White ist an der Reihe. Beeindruckend seine Leistung. Die Jury geizt nicht: 45,8 Punkte. Das ist die klare Führung.
22.06 Uhr | Xiaoye Zeng aus China eröffnet die Qualifikation. 14 Punkte erhält er von der Jury.
22.03 Uhr | «iPod» zu SF: «Es gibt kein zurück mehr! Im Jahr des Tigers muss ich die Krallen ausfahren. Ich werde voll angreifen!»
22.02 Uhr | Die Sonne lacht. Gute Bedingungen in Cypress Mountain.
22.00 Uhr | Herzlich willkommen liebe Snowboard-Freunde! In wenigen Augenblicken gehts los! Holt «iPod» heute Gold?
Podladtchikov: «Ich habe keine Angst»
Wer wird Olympiasieger in der Halfpipe?
Iouri Podladtchikov: Es gibt wenige, die drei Double Corks (Doppel-Salto) springen können. Die braucht es für Olympia-Gold. Shaun White wird denselben Run zeigen wie kürzlich bei den X-Games in Aspen. Ich wurde Zweiter. Wenn ich seinen Lauf schlagen kann, ist Gold drin. Bei mir ist einiges gegangen seit Aspen.
Ein neuer Trick?
Ich habe den dritten Double Cork gelernt. Im Januar beim European Open in Laax habe ich ihn ausprobiert. Es ging schief, ich habe mir wehgetan. Im Training funktioniert es.
Kevin Pearce ist bei einem Double Cork gestürzt und hat sich schwer verletzt – wie gefährlich ist der Doppel-Salto?
Sehr gefährlich. Es hat viele Stürze und Verletzungen gegeben. Es braucht Mut und Selbstvertrauen. Vor allem aber die richtige Kombination aus beidem. Du kannst einen doppelten Salto nicht hundertmal am Tag springen. Es ist ein Herantasten, mit Vorbereitungssprüngen, Trainingssprüngen ins Luftkissen. Das gab es bisher im Snowboard nicht, dass man sich auf einen neuen Trick derart einstellen musste.
Haben Sie keine Angst?
Angst nicht, nein. Respekt. Ich schnalle das Brett gar nicht an, wenn ich spüre, dass ich unsicher bin. Ich mache solche Sprünge nur, wenn ich glaube, dass das Risiko gleich null ist – weil ich sicher bin, dass ich es drauf habe.
Sehen Sie sich mit einer Goldmedaille um den Hals?
Ich habe das immer vor Augen. Die Medaillen sehen extrem schön aus, ich habe sie im Fernsehen bei Simon Ammann gesehen. Ich bin mega heiss, freue mich extrem!
Shaun White ist der haushohe Favorit, Sie haben keinen Druck.
Der Druck ist für jeden genau gleich gross. Es ist für alle der wichtigste Wettkampf in vier Jahren. Shaun und die anderen Nordamerikaner werden ein paar Fans mehr haben, aber das wird keinen Unterschied machen. Meine Form stimmt. Ich bin genau an dem Punkt, an dem ich sein will!
Wie hat sich das Team auf Olympia vorbereitet?
Wir waren vor zwei Wochen ein paar Tage in L. A. Haben Power getankt – auf dem Skateboard und auf dem Surfbrett. Wir haben am Strand von Venice Beach gejoggt, waren im Kraftraum.
Weil die Schneeverhältnisse prekär sind, gibt es nur drei statt fünf Trainings – stört Sie das?
Vielleicht ist es besser so. Fünf Trainings sind zu viel. Du kannst nicht fünf Mal voll powern – sonst bist du am Wettkampftag platt.
Es hiess, die Pipe sei sehr weich.
Ich glaube nicht, dass sie weich sein wird. Ich habe an Fis-Wettkämpfen noch nie eine weiche Pipe gesehen. Sie wird in perfektem Zustand sein.
Und dann sehen wir drei perfekte Double Corks von Ihnen?
Ich hoffe es. Ich will alles zeigen, was in mir steckt.
Das Schweizer Team hat in Saas-Fee und Zermatt in einer Pipe mit Luftkissen trainiert: Ist das ein Vorteil?
Das war super. Aber auch Athleten aus anderen Ländern konnten sie benutzen. Das war gar nie eine Frage.
Shaun White lässt niemanden auf seine Privat-Pipe.
Das ist seine Sache. Es hat ja auch nicht jeder eine eigene Pipe. Aber ich finde es schon ein wenig stillos.
Sie haben im Sommer die RS absolviert, hat das Ihr Training gestört?
Nein, im Gegenteil. Ich konnte die Sportler-RS in Magglingen und in Tenero machen. Es war ein fünfmonatiges Trainingslager. Wir haben extrem viel Kunstturn-Training gemacht, sind Klippen gesprungen. Wir haben mega viele Doppel-Saltos geübt.
Shaun White: Genial und unbeliebt
Shaun White (23) ist der Superstar der Snowboardszene: Genial, egozentrisch, millionenschwer – und ziemlich unbeliebt.
Wo er auftritt, ist der Teufel los. Die Reporter klatschen Beifall, als der junge Mann mit der roten Mähne das Medienzentrum betritt.
Draussen kreischen die Mädchen. Shaun White ist das Gesicht des Snowboards. Er hat den Sport sexy gemacht. Keiner springt höher als er und dreht sich müheloser. Für die USA ist er der Superstar der Spiele.
Mit 13 wird White Profi. Die Eltern fahren ihn durch ganz Nordamerika. Die ersten X-Games gewinnt er mit 16. Als 19-Jähriger holt er Olympia-Gold in Turin. Es gibt Filme über White («The White Album») und Videospiele. White verdient acht Millionen Franken pro Jahr.
In Colorado stellte ihm Sponsor Red Bull für eine Million Dollar eine gepolsterte Halfpipe hin. Dort übt White den von ihm erfundenen «Double Cork».
Seine Sprünge sind der Massstab. Doch der Double Cork ist extrem gefährlich. Kevin Pearce sprang den Double Cork im Dezember und verletzte sich schwer. «Sie jagen sich gegenseitig auf Stufen hinauf, auf denen sie nicht mehr sicher sind», sagt der kanadische Trainer Tom Hutchinson. «Bei Olympia wird es darum gehen, zu überleben.»
«Ich hoffe, Kevin wird schnell gesund», sagte White zum Unfall. Und fügt an: «Man muss extrem parat sein bei diesen Sprüngen. Nicht jeder kann sie machen.» Solche Sprüche machen ihn unbeliebt. Am Mittwoch ist White der grosse Favorit und der Gejagte. «Alle wollen ihn schlagen», sagt der Schweizer Iouri Podladtchikov.
iPod über den Gold-Sprung
«Nur wer drei Double Corks springt, kann Gold gewinnen. Es gibt drei Varianten dieses Doppel-Saltos: Der Frontside wird von der Zehenkante gesprungen – mit dem Körper zur Wand. Dann gibt es den Normal Double Cork oder den Switch Over Double Cork. Bei diesem steht der falsche Fuss vorne.
Diese beiden Tricks haben Shaun White und ich drauf. Er hat noch einen, bei dem er von der Fersenkante springt. Das ist extrem schwierig und extrem gefährlich. Meine dritte Variante ist ein bisschen einfacher. Der Trick ist auch gefährlich, aber ich rotiere weniger. Er ist einfacher zu stehen.»