Test-Pleite Hockey-Nati verliert gegen Weissrussland

  • Publiziert: 10.02.2010, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Dino Kessler aus Winnipeg

WINNIPEG - Gute Spielanlage, schwache Chancenauswertung - die Schweiz versagt im zweitletzten Test vor Vancouver vor dem gegnerischen Tor und verliert mit 1:2 nach Verlängerung.

Ein gelungenes Debüt von Luca Sbisa und eine solide Mannschaftsleistung: Die Schweizer Nati gewöhnt sich eine Woche vor dem Olympia-Start gegen die USA im MTS-Center von Ralph Kruegers Heimatstadt Winnipeg an die Verhältnisse in nordamerikanischen Stadien: drei Meter schmalere Eisfläche, grössere Angriffszonen. Nur die Probleme waren altbekannt: vor dem gegnerischen Tor fehlt die letzte Konsequenz.

Gegen die Weissrussen, die im Gegensatz zur Schweiz nicht nur in der Vorbereitung auf die NHL-Kräfte verzichten müssen (Salei, Grabovski und die Gebrüder Kostitsyn sind allesamt verletzt oder rekonvaleszent), ging es für unsere Nati vor allem um die Akklimatisation: Die Selektion ist wohl noch nicht offiziell vorgenommen, aber wohl schon eine klare Sache (siehe unten) – falls sich im letzten Test am Donnerstag keine Spieler mehr verletzen. Goran Bezina (Muskelreizung) wurde am Dienstag ebenso geschont wie der polyvalente Sandy Jeannin. Verteidiger Bezina wird am Mittwoch allerdings ein Kontakttraining auf dem Eis absolvieren. Verteidiger Severin Blindenbacher stiess gestern erst nach dem Spiel zur Mannschaft, weil er sich auf dem Weg von Schweden nach Kanada in Calgary zwei Stunden Verspätung eingehandelt hatte.

Die Anwesenheit der Schweizer Curlerinnen und Curler (weilen zur Vorbereitung in der Nähe Winnipegs) beflügelte die Nati erst ab dem zweiten Drittel und dem überraschenden Ausgleich der Weissrussen im Powerplay. Trotz vieler Chancen hatten die Schweizer enorme Mühe, Vitali Koval im Tor der Weissrussen auszuhebeln.

Der quirlige Andres Ambühl war einer der Besten, obwohl er mit altem Material auskommen musste: seine Stöcke haben den Weg von Hartford noch nicht nach Kanada geschafft. Roman Wick bewies viel Zug aufs Tor und hatte einiges Pech im Abschluss, Thierry Paterlini war der einzige Stürmer, der sich konsequent vor dem gegnerischen Tor postierte und so Ivo Rüthemanns 1:0 ermöglichte.

Besondere Aufmerksamkeit lag beim Länderspiel-Debüt von Luca Sbisa. Der 19-jährige Zuger stellte bei seinem ersten Vergleich auf höchster Ebene seine physischen Vorzüge unter Beweis. Coach Ralph Krueger war denn auch sehr angetan vom Verteidiger: «Luca hat ausgezeichnet gespielt. Er hat die Rolle perfekt ausgeführt, die wir ihm zugedacht haben. Er hat Checks ausgeteilt, physisch gespielt und viele Schüsse blockiert.»

Sbisa bleibt trotzdem vorsichtig: «Ich habe in der NHL gelernt, dass man Tag für Tag nehmen muss. Ich bin erst dabei, wenn ich in Vancouver bin.» Sbisa bildete mit Raphael Diaz ein Zuger Verteidigungs-Duo das im ersten Vergleich mit den Weissrussen insgesamt das überzeugendste war.

Team Canada sandte Spengler-Cup Coach Craig McTavish als Beobachter nach Winnipeg. Der Mann mit der Erfahrung aus mehr als 1000 NHL-Spielen sah eine gute Schweizer Leistung – mit Abstrichen im Abschluss: «Bei 41 Schüssen aufs gegnerische Tor muss mehr herausschauen als ein Tor. Vor allem im Powerplay hatten die Schweizer nicht genug Verkehr vor dem Kasten der Weissrussen.»

Goalie Tobias Stephan wurde von den Weissrussen wenig geprüft (24 Schüsse aufs Tor). In der Verlängerung traf Antonenko für die Weissrussen im Powerplay – Stephan war machtlos. Am Donnerstag dürfte Ronnie Rüeger als Lohn für jahrelange Treue zu seiner Abschiedsvorstellung im Schweizer Tor kommen.

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