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Fliegen! Nichts war zu sehen von den Wunder-Adlern. Warum plötzlich diese Schlappe von Seriensieger Gregor Schlierenzauer (8 Weltcuperfolge) und Andreas Kofler (Vierschanzen-Tournee)?
Ganz Österreich hatte vor den Spielen mit Dreifach-Triumphen gerechnet. Schlierenzauer blieb wieder nur Bronze.
Weil Simon einen Wunder-Anzug, einen Wunder-Wachs oder eine Wunder-Bingung hat? Alles Quatsch! Er ist der beste, weil er den Unterschied zwischen den Ohren hat. Er ist mental der stärkste. Weil er an jedem Wettkampf im Hier und Jetzt ist. Er kann sich wie kein zweiter auf das Wesentliche fokussieren. Dann ruft er innert Sekundenbruchteilen all seine Stärken ab.
Und er ist ein Taktiker. Ein faires Schlitzohr. Er nimmt die österreichischen Springer in Schutz, wenn ihre Betreuer einen Psycho-Krieg entfachen. Und lächelt. «Mit den österreichischen Springern habe ich ein sehr gutes Verhältnis. Mal ist er eine vorne, mal der andere – jetzt halt ich. So ist der Sport.»
Simon gewann sein viertes Gold eigentlich schon im Probedurchgang. Die Jury lässt die besten Flieger aus Luke 15 starten. Thomas Morgenstern und Gregor Schlierenzauer (beide Ö) landen jeweils auf der 137-m-Marke. Als Simon oben auf dem Balken sitzt, stoppt sein Trainer Martin Künzle mit gekreuzten Armen den Springer. Er lässt Simis Anfahrt um zwei Luken kürzen. Er fährt 1 km/h langsamer (in der Theorie 5 bis 7 m Weitenverlust) über den Bakken. Segelt auf 142,5 m – greift noch fast in den Schnee.
Simon hat ein Ziel: Er will die dreiköpfige Jury zwingen, den Anlauf zu verkürzen. Dann hat er ein geringeres Tempo auf dem Tisch, kann weniger weit springen. Aber sicherer landen, weil er nicht im flachen Teil des Auslaufes in den Schnee knallt.
Je geringer der Anlauf, desto deutlicher zeigt sich die Klasse eines jeden Springers. Dennoch landet Simon im ersten Durchgang gefährlich weit -144 Meter. Die Jury muss für das Finale erneut um eine Luke (0,5 m) verkürzen. Mit einem Sicherheitssprung schafft Simon mit 138 m wieder Bestweite.