0:2 gegen die USA – Ära Krueger ist vorbei «Alle haben gesehen, zu was Schweizer fähig sind»

  • Publiziert: 24.02.2010, Aktualisiert: 02.01.2012
  • Von Dino Kessler aus Vancouver

Endstation Amerika - die Schweiz scheidet nach einer heroischen Abwehrschlacht gegen die USA aus. Es ist das Ende der Ära Krueger.

Das Drehbuch für diesen Viertelfinal war schon vor der Partie geschrieben. Ein Sturmlauf der Amerikaner mit saftigen Checks, druckvollen Angriffen, Chancen à discretion und Jonas Hiller in Topform. Genauso war es.

Die Schweiz überstand die erste Druckperiode der NHL-Profis dank Hiller unbeschadet. 18 Schüsse blockte der Held aus dem Appenzell allein im ersten Drittel ab – grossartig. Glück (und das Swiss-Timing von Omega) brauchte der Anaheim-Goalie kurz vor der zweiten Sirene, als er einen trudelnden Puck ins eigene Tor ablenkte: die Scheibe lag erst hinter der Linie, als die Zeit schon abgelaufen war.

Schweizer Angriffe? Kaum. Schussbilanz nach 40 Spielminuten: 32:8 zugunsten der US-Boys.

Nach dem 1:3 im ersten Spiel hatte Roman Wick, unser bester Stürmer in Vancouver, bemängelt, dass der Mut gefehlt habe. «Wir müssen frecher spielen, uns zeigen, die NHL-Spieler fordern bis zum Äussersten», sagte Wick damals. Und die Schweizer spielten gestern mutig. Sehr mutig.

Die Amerikaner bekamen nichts geschenkt, mussten sich jeden Meter Eis erkämpfen, obwohl wir ohne Pause in die Partie gingen. Die Yankees wurden mit jeder verpassten Chance ratloser: Wie schlägt man nur diesen Hiller? Die Antwort wusste Zach Parise zu Beginn des letzten Drittels: der Stürmer der New Jersey Devils fälschte einen Schuss des Strippenziehers Brian Rafalski vor dem Tor ab. 1:0 für die USA, gebucht im Powerplay.

Die Schweizer mussten nun den Schalter umlegen: Weg vom «Defense first»-Modus, rein in die Angriffe. Die beste Chance hatte Jeannin, der kurz nach der Führung aber nur den Innenpfosten traf. Viel mehr bot sich den Schweizer nicht, weil die Amerikaner auch nach der Führung konsequent nach vorne spielten.

Herrlich mutig war es, dass Ralph Krueger schon 103 Sekunden vor der Sirene Hiller vom Eis holte und früh volles Risiko ging. Es nützte gar nichts: den fast schon standardmässigen Treffer in den leeren Kasten buchte wieder Zach Parise.

Stimmen nach dem Spiel Schweiz - USA

Andres Ambühl:

«Es ist immer das Gleiche: wir sind nahe dran, machen aber keine Tore. Jetzt müsste dann mal der nächste Schritt kommen. Wir hatten einen guten Goalie, aber offensiv kam einfach zu wenig. Für mich geht es jetzt nach Hartford zurück, aufgeben werde ich da nicht. Ich würde im nächsten Sommer gerne nochmals die Chance in einem NHL-Camp wahrnehmen.»

Luca Sbisa (spielte 50 Minuten mit einem doppelt gebrochenen linken Ringfinger):

«Wir hatten vor dem Tor der Amerikaner etwas zu viel Respekt, als ob wir überrascht gewesen wären, wenn wirklich einer reingegangen wäre. Zudem hat Miller auch wieder eine Klasseleistung gezeigt, das muss man akzeptieren. Ich denke, wir kommen wirklich langsam näher an die Spitze, das Gefühl vor dem Spiel war: wir schaffen das, wir wollen das unbedingt.»

Bobby Ryan (Stürmer Anaheim, USA)

«Wir wussten, dass Jonas in der Lage ist, für seine Mannschaft ein Spiel zu gewinnen. Zum Glück haben wir nicht die Geduld verloren und genau das getan, was wir tun wollten. Am Schluss ging unser Plan auch auf.»

Ralph Krueger (letzte PK als CH-Nati-Coach)

«Wir sind in dieses Spiel gegangen um das Schweizer Eishockey in einem guten Licht zu präsentieren. Das ist uns gelungen. Ich denke die Schweizer Fans und das kanadische Publikum haben gesehen, zu was die Schweizer Spieler fähig sind. In letzter Konsequenz waren die Amerikaner einfach besser, Punkt. Wir hätten ein Wunder gebraucht, die Amerikaner haben das Spiel verdient gewonnen. Wir konnten uns zu wenige Chancen erarbeiten, das ist eine Tatsache.»

Sbisa mit Fingerbruch

Luca Sbisa brach sich im Viertelfinal gegen die USA die Fingerspitze des Ringfingers der linken Hand. Er blockte im ersten Abschnitt einen Schuss mit der Hand. Trotz der Verletzung stand Sbisa nach der ersten Pause noch über zehn Minuten auf dem Eis.

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