Ariella Kaeslin «Ich sehe den Wettkampf als Spiel»

  • Publiziert: 28.03.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Cécile Klotzbach

Olympia-Fünfte in Peking, Zweite am Weltcupfinal in Madrid: 2008 war ihr Jahr. Diese Top-Resultate, gepaart mit ihrem sonnigen Gemüt machten Kunstturnerin Ariella Kaeslin zur Schweizer Sportlerin des Jahres. 2009 ist die Ausgangslage anders: Als Favoritin startet die Luzernerin nächste Woche an der Europa-Meisterschaft in Mailand.

Ariella Kaeslin, spätestens nach Ihrem Weltcupsieg in Cottbus sind die Erwartungen an Sie auf dem Höhepunkt angelangt. Macht Sie das vor der Europa-Meisterschaft nervös?
Ariella Kaeslin: Nein, ich sehe den gewachsenen Druck eher als Motivation. Ich gehe jeden Wettkampf mit der gleichen Einstellung wie früher an und gebe hundert Prozent. Ich kann nur gewinnen, habe nichts zu verlieren – anders darf man nicht an eine Europameisterschaft. Ich freue mich sehr darauf.

Sehen Sie sich selbst auch als Favoritin?
Das ist schwierig einzuschätzen. Ich gehöre sicher zum Favoriten-Kreis. Meine Medaillenchancen im Sprung sind gut und auch im Mehrkampf liegt was drin. Cottbus war eine gute Standortbestimmung. Und klar: Schaut man die Olympia-Rangliste an, steht vor mir keine Europäerin. Aber in der Zeit nach Olympischen Spielen kann es immer Überraschungen geben. Ältere Turner treten zurück, junge, unverbrauchte rücken nach. Für mich sprechen hingegen Erfahrung und Routine.

Wie gut in Form fühlen Sie sich?
Ich bin nicht in der letztjährigen Olympia-Form. Aber trotz relativ kurzer Vorbereitung fühle ich mich bereit.

Die Sprünge an Ihrem Parade-Gerät, dem Pferd, sehen spektakulär, sogar gefährlich aus. Haben Sie nie Angst?
Doch natürlich – es gibt kein Training, keinen Wettkampf ohne Angst. Aber das ist gut fürs Adrenalin, das gibt Kraft. Ich sage immer: No risk, no fun. Das ist doch der Spass an der ganzen Geschichte. Ich sehe den Wettkampf stets wie ein Spiel, setze alles auf eine Karte. Gehts daneben, kommt das nächste Spiel.

Haben Sie das auch schon mal im Casino versucht?
(Lacht) Ja, schon zweimal, mit Erfolg! In Las Vegas gewann ich 300 Dollar am «einarmigen Banditen».

Nach einem Leser-Chat auf unserer Homepage vor einigen Monaten wollten etliche Männer wissen, ob Sie einen Freund haben. Haben Sie jetzt einen?
(Lacht) Leider nein, irgendwie fehlt mir auch dafür die Zeit! Das Angebot wäre da, das merke ich schon. Ich bekomme viel Fanpost und Mails. Das schmeichelt mir und ich versuche auch, so viel wie möglich zu beantworten. Aber es müsste schon der Richtige daherkommen – sonst ist es nur eine Belastung. Bisher konnte ich aber noch nie eine Beziehung aufbauen, dafür bin ich einfach zu viel unterwegs. Seit Beginn dieses Jahres habe ich auch meine Eltern in Luzern nur drei bis vier Mal gesehen.

Heute im Sonntagsblick

Das ganze Interview mit Ariella Kaeslin finden Sie in der gedruckten Ausgabe des SonntagBLICKs.
play Keine Zeit für einen Freund: Seit neun Jahren dreht sich bei Ariella Kaeslin alles um ihren Sport. Bis Olympia 2012 wird sich das kaum ändern. (Benjamin Soland / Sven Thomann)

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