Brüder, Blocher, Bläser und viele Schoch-Fans

  • Aktualisiert am 02.01.2012
  • Von Eliane Bucher

FISCHENTHAL ZH – Ein Sonderzug für zwei Sonderleistungen. Hunderte von Fans für zwei Medaillen. Fischenthal feierte gestern seine Schoch-Brüder – Gold-Philipp (26) und Silber-Simon (27).

16.57 Uhr, Bahnhof Winterthur. Sigi Michel (59) aus Langwiesen, einer der buntesten Schweizer Sportfans, steht mit seiner Trompete bereit. «Gleis 6, Extrazug der Gebrüder Schoch», tönt es aus dem Lautsprecher. Sigi trompetet, die Schoch-Brothers werden gefeiert.

Und los fährt er, der Sonderzug nach Steg. An jedem Bahnhof steigen mehr Menschen zu. Es wird eng und enger. Und Trompeten-Sigi laut und lauter.

«Wir haben letzte Nacht kaum geschlafen», erzählt Gold-Philipp mit glänzend müden Augen. «Keine Ahnung, was uns jetzt erwartet», sagt Silber-Simon.

Zwischenhalt bei der Station Seen. Die Olympia-Doppelsieger steigen kurz aus, geben Autogramme.
Janine (11) streckt ihnen zur Unterschrift ihren Snowboard-Helm entgegen und schwärmt: «Die beiden sind einfach die Grössten.»

Die Grössten sind gerührt. Simon Schoch: «Immer wieder fallen mir Menschen um den Hals und lassen mich fast nicht mehr los. Mir kommen die Tränen.»

Und weiter geht es. Sigi ist mit seinem Repertoire mittlerweile bei der Schweizer Hymne angelangt.

Endstation Steg. Hier warten nebst Hunderten von Fans ein braunes Sofa und ein Schaufelbagger
auf die Olympia-Helden. Die Helden aufs Sofa und dieses auf die Baggerschaufel. So gehts nach
Fischenthal, die Fans und die Musik folgen.

Auch Stephan Eisenegger (38) marschiert. Er hat den Schoch-Brüdern in Italien die Gold- und Silber-Bretter gewachst: «Es ist toll, mit Simon und Philipp zu arbeiten. Wir sind immer zu dritt unterwegs.»

Jetzt sind sie zu Hunderten unterwegs. Nach
der Zugfahrt der Umzug. Auch die beiden Schoch-Freundinnen Sandra (25) und Corinne (26) sind dabei.

Ankunft in Fischenthal. Die Gemeinde ist reich an SVP-Wählern und arm an Geld. «Finanzschwach», heisst dies im Politiker-Jargon. Die finanzstarke Gemeinde Herrliberg hat sich erbarmt und die Bühne im Restaurant «Blume» finanziert. Auf diese tritt um 21 Uhr der finanzstarke Herrliberger SVP-Bundesrat Christoph Blocher (65).

Einen Fernseher leistet sich der Mann allerdings nicht. Ehefrau Silvia Blocher (61): «Weil wir zu Hause kein TV-Gerät haben, konnte ich den Final der Schochs nicht live sehen.» Der Bundesrat hält seine Rede kurz. «Die persönliche Einladung der Schoch-Brüder hat mich fast zu Tränen gerührt», sagt er. Leider sei das Ganze so kurzfristig geschehen, dass er «kein richtiges Geschenk» habe organisieren können. Dafür ist das Geschenk originell: Gold-Philipp erhält einen silbernen Kugelschreiber, Silber-Simon einen goldenen.

Der «Blume»-Saal ist randvoll. Mehr als 400 Fans feiern. Und Frau Blocher hat den Final mittlerweile auf der Leinwand sehen können.

Von Swiss Ski gibt es für die Schochs noch zwei
Tickets fürs WM-Spiel Schweiz – Togo und vom Zürcher Regierungsrat goldene und silberne Auszeichnungen. Bis in die Morgenstunden wird weiter gefeiert. Sandra, die Freundin von Philipp, freut sich schon vor Mitternacht auf etwas Ruhe: «Morgen werden wir zuerst einmal ausschlafen.»

Ihre Worte gehen im Trompeten-Lärm fast unter. Denn Sigi Michel aus Langwiesen hat wieder zum Blasinstrument gegriffen.

- Keystone

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