Maradonas beste Fussball- Momente!

  • Publiziert: 31.10.2008, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Raphael Fiore

BUENOS AIRES - Diego Armando Maradona ist ein Mythos. Am Ball genial, aber ausserhalb des Rasens dribbelte sich Argentiniens Fussball-Held oft und gern mal ins Abseits. Blick.ch zeigt die besten Aktionen auf dem Platz des Fussballgotts!

Maradona wurde 1960 in Villa Fiorito geboren, im Grossraum von Buenos Aires. Für den kleinen Diego gab es in der kroatisch-italienisch-stämmigen Familie viel Nestwärme. Diese hatte er auch bitter nötig, denn er wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf, sein Viertel wurde als Villa Miseria eingestuft, eine Elends-Siedlung im Ghetto.

Der Weg raus aus dem Ghetto

Es gab für Diego nur einen Weg aus dem Elend – Fussball. Damals konnte noch niemand ahnen, dass hier in Villa Fiorito die wohl grösste Fussball-Karriere aller Zeiten seinen Anfang nehmen würde. Dabei half Maradona eine «göttliche Gabe», die den Fussballer des Jahrhunderts zumindest auf dem Platz immer begleitete.

Seine Technik war bereits als 9-Jähriger beispielhaft, seine Tricks begeisterten seinen ersten Junioren-Trainer der Argentinos Juniors sofort. Diego wurde Führungsspieler der Los Cebollitas («die Zwiebelchen») und führte das Team zu 136 Siegen in Folge! Der erste Spitzname wurde in dieser Zeit bereits gefunden: «Pibe de oro», der Goldjunge!

Erste Schritte als Profi

Bereits als 16-Jähriger unterschrieb Maradona bei den Argentinos Juniors seinen ersten Profivertrag, vier Monate später reüssierte er bereits in der Nationalmannschaft. Trainer César Luis Menotti nahm ihn aber nicht zur WM 1978 mit, trotzdem holten sich die «Gauchos» den Titel.

1981 wechselte Diego zum ersten Mal zu den Boca Juniors, seinem argentinischen Lieblingsteam. Für die zweitbeste Mannschaft der Welt (17 internationale Titel) lief er 40 Mal auf, markierte 28 Tore. Danach verliess Maradona seine Heimat in Richtung Spanien. 1995 trug der «Fussballgott» – bis 1997 – ingesamt 31 Mal das Trikot der Boquitas (7 Tore).

Das Ausland rief

Bei der WM 1982 wollte Menotti mit Maradona den Titel holen. Gegen die starken Belgier setzte es beim Auftakt eine 0:1 Niederlage ab. Dank Siegen gegen Ungarn und El Salvador qualifizierten sich die Gauchos doch noch für die Zwischenrunde.

Italien, Brasilien und Argentinien hiessen die Gegner in der Dreiergruppe. Zu allem Übel flog Maradona gegen Brasilien unrühmlich vom Platz, trotzdem wechselte er nach dem Turnier zum grossen FC Barcelona.

Hier wurde er von zwei grossen Fussballlehrern betreut, Menotti und Udo Lattek. An der Seite von Bernd Schuster machte Diego lediglich 36 Matches, schoss dabei zumindest 22 Tore. Das argentinisch-spanische Missverständnis gipfelte im Finale des spanischen Pokals 1984 gegen Athletic Bilbao. Maradona zettelte mit einem wüsten Knieschlag eine Massenschlägerei an, das Thema Spanien war vorerst beendet. Auch im zweiten Gastspiel beim FC Sevilla (1992-1993) wurde Maradona nicht glücklich.

Die beste Zeit seines Lebens

Im Juli 1984 wechselte Maradona für die damalige Rekord-Ablösesumme von 20 Millionen Franken zum SSC Neapel. Hier wurde er von Beginn weg wie ein Gott verehrt, die heissblütigen Süditaliener feierten mit Maradona unvergessliche Fussballfeste. Und Diego dankte es mit einmaliger Spielweise zurück.

In seinen 188 Partien schoss Maradona 81 Goals für den SSC und holte 1987 sensationell das italienische Double. Die stolzen Napoletaner hatten endlich wieder Grund zum Feiern. 1989 folgte der Uefa-Pokal-Sieg und 1990 abermals die Meisterschaft und der Supercupsieg.

WM 86 als absoluter Höhepunkt

Maradona begeisterte bei Napoli, zu absolutem Weltruhm gelang Diego aber dank der WM 1986 in Mexiko. Diego schoss insgesamt fünf Tore, wobei die zwei Treffer gegen England unvergessen bleiben. Im Viertelfinale traf Argentinien auf die Erzrivalen, Maradona erzielte gegen Peter Shilton ein regelwidriges Tor mit seiner Hand. Später sagte Maradona: «Es war ein bisschen der Kopf Maradonas und die Hand Gottes». Hätte der Schiedsrichter diese Regelverletzung mit Rot geahndet, wäre uns das Tor des Jahrhunderts verwehrt geblieben. Im selben Spiel markierte Maradona nach einem brillanten Dribbling von der Mittellinie den magischen Treffer. Im Finale schossen andere Spieler die Tore beim 3:2-Sieg gegen Deutschland, gefeiert wurde jedoch nur ein Spieler – Diego, der Fussballgott!

Auch bei der WM 1990 erreichte Argentinien das Finale, doch dieses Mal siegten die Deutschen. Weitaus schlimmer war jedoch das Halbfinale gegen Italien. In seiner zweiten Heimat, Neapel, wurde das Spiel ausgetragen und Maradona mit Pfiffen eingedeckt. Hier begann wohl der sportliche und private Niedergang von Diego.

1994 wollte er an der WM zwar nochmals zurückkommen, doch nach dem 4:0 gegen Griechenland (ein Tor) wurde Diego wegen nachgewiesenem Dopings vom Turnier ausgeschlossen. Es bleiben vier WM-Teilnahmen und acht Tore stehen, damit liegt er auf Platz 3 der ewigen Rangliste.

Maradona trat an seinem 45. Geburtstag endgültig von der aktiven Fußball-Bühne ab. Am 30. Oktober 2005 bestritt er im San Paolo von Neapel ein weiteres Abschiedsspiel. Dank der unglaublichen Unterstützung der Napoli-Supporter hatte Maradona mit den SSC-Anhängern Frieden geschlossen. Offen bleiben nur Steuerrechnungen mit dem italienischen Fiskus.

Maradona der Trainer

Weltmeister, Serienmeister, UEFA-Cup-Sieger, Dopingsünder, gescheiterter TV-Moderator und Kokain-Junkie in Personalunion. Nicht verwunderlich, dass die fussballverrückte Nation eher mit gemischten Gefühlen auf die Berufung des 48-Jährigen auf den Posten des Cheftrainers der Nationalelf reagierte. Bei einer Schnellumfrage der Online-Ausgabe der Zeitung «Clarín» klickten fast 75 Prozent der Teilnehmer die Option «nicht zufrieden» mit der Entscheidung an. Als Trainer hat der frühere Star von Boca Juniors, von Napoli und des FC Barcelona bisher auch nicht viel vorzuweisen. Mehrmals versuchte sich Maradona erfolglos bei argentinischen Zweitligisten. (Si/raf)

Sein Leben neben dem Platz

Maradona zerstörte seine Karriere infolge von Drogen (Kokain). Bei der WM 1994 wurde bei einer Dopingprobe Maradonas eine verbotene Substanz (Ephedrin) festgestellt und Maradona, zu diesem Zeitpunkt 33 Jahre alt, von der FIFA aus dem Turnier und aus allen sportlichen Aktivitäten ausgeschlossen. Am 4. Januar 2000 hatte Maradona während eines Aufenthaltes im Badeort Punta del Este (Uruguay) einen schweren Herzinfarkt, der auf eine Überdosis Kokain zurückgeführt wurde. Er unterzog sich anschließend einer Entziehungskur auf Kuba, wo er Freundschaft mit Fidel Castro schloss. Am 18. April 2004 wurde Maradona wegen hohen Blutdrucks, Atemnot und einer Lungenentzündung in eine Klinik in Buenos Aires eingeliefert. Gerüchte, dass es sich erneut um die Folgen einer Überdosis Kokain handeln würde, wurden vom Arzt der Familie bestritten. (Si/raf)

Erfolge und Skurriles

Diego Maradona wurde viermal (1979, 1980, 1981 und 1986) zu Argentiniens Fußballer des Jahres gewählt. 1979 war er der jüngste Spieler, der bis dahin diesen Titel verliehen bekam. Dieser Rekord wurde ihm erst 1999 von Javier Saviola entrissen. In 91 Länderspielen für Argentinien erzielte er 34 Tore.

Diego Maradona hat anlässlich der WM in Korea und Japan mehrere Auszeichnungen durch die FIFA erhalten. So wurde sein zweites Tor gegen England bei der WM 1986 zum Tor des Jahrhunderts gewählt. Des Weiteren gehört er zum FIFA-Dreamteam.

Bereits im Jahr 2000 gewann Maradona eine von der FIFA initiierte Internetabstimmung unter Fussballfans zum besten Fussballspieler des vergangenen Jahrhunderts. Da Maradona wegen seiner zahlreichen Skandale für die FIFA jedoch schwer zu vermarkten war, wurde durch eine von der FIFA eingesetzten Jury ein Äquivalent zur Internetabstimmung geschaffen, die der FIFA-konforme Pelé gewann. Somit wurde der Titel „Weltfussballer des Jahrhunderts“ zweimal vergeben.

Der argentinische Fussballverband versuchte 2002 Maradonas Trikot-Nummer „10“ aus Respekt zu schützen, sodass diese in der argentinischen Nationalmannschaft nicht mehr in internationalen Spielen vergeben würde. Die FIFA allerdings lehnte das Ansinnen ab.

Der Rummel um Maradona nimmt bisweilen groteske Ausmasse an. So gibt es ein Maradona-Museum, ein Musical und sogar eine Kirche, in der das «Diego Unser» gebetet wird. (Si/wikipedia/raf)

Maradona in Zahlen *

Geburtsdatum: 30. Oktober 1960 in Villa Fiorito
Grösse: 1,68 m
Gewicht (zur aktiven Zeit): 70 kg.

Klubs: Argentinos Juniors (1976-80), Boca Juniors (1981-82), FC Barcelona (1982-84), SSC Napoli (1984-91), FC Sevilla (1992-93), Newells Old Boys (ARG/1993), Boca Juniors (1995-97).

Grösste Erfolge:
Weltmeister 1986, WM-Finalist 1990, vier WM-Teilnahmen (1982,86,90,94), 91 Spiele im Nationalteam (34 Tore), argentinischer Meister 1981 mit Boca Juniors, spanischer Meister 1983 mit Barcelona, italienischer Meister 1987 und 1990 mit Napoli, UEFA-Cup-Sieger 1989 mit Napoli, italienischer Cup-Sieger 1987 mit Napoli
* Bester Fussballer der WM 1986, sechsmal Südamerikas Fussballer des Jahres (1979, 1980, 1986, 1989, 1990, 1992), viermal Argentiniens Fussballer des Jahres (1979, 1980, 1981, 1986)
* Nachwuchs-Erfolge: U20-Weltmeister 1979 und bester Spieler des Turniers in Japan (»Goldener Ball»-Auszeichnung)

Wettbewerbsspiele insgesamt: 678 (345 Tore)

* Wikipedia